34 Annalen der Hydrograpbie und Maritimen Meteorologie, Januar 1940,
Stromversetzungen festpestellte subtropische Kon-
vergenz von derjenigen auf Grund der Temperatur-
verteilung erheblich voneinander ab (Abb. 12). Nur
m Gebiet zwischen Falkland- und Brasilstrom
yesteht Übereinstimmung. Von 40° W bis 25° E
legt die aus den Strömungen bekannt gewordene
zubtropische Konvergenz bis zu 10° nördlicher als
die subtropische Grenze in der Temperaturverteilung
(Abb. 12 bis 15). Der Verfasser versucht, diese
NK vichung zu erklären, Die von ihm genannte
Grenze auf Grund der Oberflächentemperaturver-
hältniese fällt mit einem markanten Richtungs-
wechsel der Strömung zusammen (Abb. 13 bis 13).
Die von Süden herantransportierten Wassermassen
werden an dieser Grenze gestaut und bedingen
dadurch eine Zone großer Temperaturgradienten,
Diese Temperaturgrenze stellt sich in dynamischer
Hinsicht als eine Konvergenz-Divergenzlinie dar
‘Abb. 16 u. 17). Zum Unterschied von der inmitten
der Subtropen verlaufenden subtropischen Konver-
genz (auf Grund der Stromversetzungen) wird also
lie vom Verfasser in der Temperaturverteilung des
Südatlantischen Ozeans festgestellte Front mit der
Bezeichnung „subtropische Grenze“ belegt. Im
Gebiet des Falkland- und Brasilstrames überwiegen
die dynamischen Eigenschaften, und subtrop’sche
Konvergenz und Grenze fallen hier zusammen
"Abb. 18 u. 19). Südlich von Afrika und im Gebiet
des Falklandstromes sind Bruchstücke einer soge-
nannten „sekundären“ Polarfront innerhalb der
Westwinddrift vorhanden (Abb. 12),
Die jahreszeitlichen Schwankungen der sub-
tropischen Grenze und Konvergenz (Tab, 13 u. 14)
sind gleichfalls wie diejenigen der antarktischen
Konvergenz (Tab. 12) gering.
Wie für den Südatlantischen Ozean werden
om Verfasser auch für den Nordatlantischen
Fronten auf Grund der Temperaturgradienten-
Methode angegeben (Abb. 20 u. Tab. 15), Ein Gebiet
nit außerordentlich großen Temperaturgradienten,
das einerseits vom Golfstrom und andrerseits rom
sogenannten. „kalten Wall“ begrenzt wird, befindet
sich vor der nordamerikanischen Küste bei Labrador.
Polarfront und subtropische Grenze fallen hier fası
zusammen. Zwischen ihnen befindet sich dann
noch die aus Stromkarten bekannte ATS
Srenze der beiden Wasserarten: die sekundäre Polar-
[ront oder Labradorfront genannt, Östlich von
15° W gehen die einzelnen Konvergenzlivien fächer-
örmig auseinander. Die Polarfront bewegt sich
durch die Irmingersee, Dänemarkstraße bis östlich
[sland, wo der Ostislandstrom und der in das
Europäische Nordmeer setzende Golfstromzweig
aufeinandertreffen, Durch die hier vorhandenen
jahreszeitlich bedingten klimatischen Gegensätze
liegt die Polarfront. während des Sommers im Ge-
viet Kap Farvell-Darvisstraße und Neufnndiand
zchr viel nördlicher als im Winter. Die Lage der
Labradorfront innerhalb der gemäßigten Zone als
reine Strömungskonvergenz. wird durch die Ergeb-
nisse der Fischereischutzfahrtea des „Meteor* in
die Irmingersee und Dänemarkstraße bild mäßig
arläutert (Abb. 21). Die noch südlicher verlaufende
subtropische Grenze trennt das Wasser der ge-
mäßigten von dem der subtropischen Zone und
kennzeichnet die Nordgrenze des Golfstromkernes,
Die jahreszeitlichen Schwankungen dieser Grenze
sind größer als diejenigen der Labradorfront,
Zwischen der Südgrenze des Golfstromes im
Westen und dena Kanarenstromes im Osten des
Nordatlantischen Ozeans befindet eich das Gebiet
der subtropischen Konvergenz, das wiederum wie
im Südatlantischen Ozean rein dynamisch bedingt
ist, ungefähr ‚zwischen 30%? und 35° N und von
75° bis 20° W.
Bei Betrachtung der Lagen sämtlicher Fronten,
Ärenzen und Konrergenzen des Atlantischen Ozeans
beider Hemisphären ist bemerkenswert, daß sie in
bezug auf ihre jahreszeitlichen Schwankungen auf
lem Südatlantischen Ozean mehr linienhaft und
auf dem Nordatlantischen Ozean mehr flächenhaft
ausgeprägt sind,
Al dritte Abgrenzung zonaler Gebiete des
gesamten Atlantischen Ozeans wird vom Verfasser
der äquatoriale Ozean auf Grund der Festlegung
des thermischen Aquatora an der Oberfläche der
Hydrosphäre in den einzelnen Monaten heraus-
gestellt, In bildmäßig sehr anschaulicher Weise
yerden die verschiedenen Lagen des thermischen
Aquators, die durch Verbindung der Eingradfelder
nit den höchsten Temperaturen in den Temperatur-
monats- und -jahreskarten gewonnen wurden, dar-
yestellt (Abb. 22), Die jahreszeitlichen Verschie-
zungen des thermischen Äquators auf einzelnen
Meridianen verdeutlichen zwei Thermoisoplethen-
Diagramme (Abb, 23 u, 20. Ferner kommt. die
Wanderung der Zone höchster Wassertemperatur
ron der Nordhalbkugel im September/Oktober auf
die Südhalbkugel im März/April besonders inı west-
.ichen äquatorialen Ozean klar zum Ausdruck. In
Abb. 24 haben sich zwei kleine Druckteufel einge-
schlichen, Im Gebiet des thermischen AÄAquators
muß es n. A. des Referenten statt 22.6 im Yanvar
and 22.8 im März wohl 27.6 bzw. 27,8 heißen,
mine Erklärung für diese Verschiebung der wärmsten
Wasserzone im Februar/April auf die Südhalbkugel
wird an Hand einer Strömungsübersicht. (Abb, 25)
vom April auf Grund der holländischen Stromver-
setzungen für Zweigradfelder gegeben, Das süd-
westliche Abdrehen der Aquatorialströmung zum
Brasilstrom vor der südamerikanischen Küste setzt
zu dieser Jahreszeit schon am Aquator ein,
Die maximale Ausdehnung der Tropenzone im
Atlantischen Ozean wird abschließend durch An-
zaben der mittleren Extremlagen des thermischen
Aquators tabellarisch dargestellt (Tab. 16}.
Dem Verfasser dieses für spätere Unter-
suchungen der Oberflächentemperatur des Atlan-
schen Ozeans wichtigen Beitrages zum 0Zzeano0-
zraphischen Teil des Meteorwerks muß uneinge-
zehränkter Dank ausgesprochen werden. Haben
wir doch heute klare Vorstellungen darüber, was
lie grundlegenden Begriffe Fronten, thermische
Arenzen und Konvergenzen für die Untersuchung
»zeanischer Verhältnisse, insbesondere derjenigen
des Atlantischen Ozcans, bedenten, Die 0zean0-
graphische Fachwelt wie wohl auch die Vertreter
ron Klimatologie und Arche Geographie
werden der Synthese von diesen hydrographischen
Ergebnissen der ozeanischen Oberfläche mit den-
enigen in erster Linie gleichzeitig beobachteter
maritim-meteorologischer Faktoren der untersten
Atmosphärenschichten über dem Atlantischen Ozean,
lie als Grundlage für die im nächsten Abschnitt
angekündigte Unterteilung der hier erwähnten
Klimazonen in Klimaprovinzen us. f. dienen soll.
mit großer Spannung entgegensehen.
Erich Goedecke,
Theodor Stocks, Stand und Aufgaben einer
Grundkarte der ozeanischen Lotungen im Maß-
stab 1:5 Millionen. SS. A. 8. d. Geologischen
Rundschau, Bd, XXX, Heft 3/4, 5. 373 bis 381.
Mit 1 Textabbildung und Tafel V], Stuttgart 1939,