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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

Findeisen, W.: Zu F, Roßmann: Über die Bildung und Auflösung des Hagels, 981 
Zu F. Roßmann: Über die Bildung und Auflösung des Hagels®. 
Von W. Findeisen, Friedrichshafen. 
Da Herr Roßmann mir eine öffentliche Äußerung zu seiner Arbeit und 
den darin wiedergegebenen Anschauungen nahelegt, bemerke ich folgendes: 
In meinem Brief, den Herr Roßmann ohne mein Zutun auszugsweise ver- 
öffentlicht, habe ich Herrn Roßmann vor allem auf die m. E. nicht unbedingte 
Stichhaltigkeit seiner gewitterelektrischen Anschauungen hingewiesen?) und zur 
Frage der Hagelbildung dort nur betont, daß ich die Ansicht, der Hagel könne 
nur „durch mehrfache Auf- und Abwärtsbewegung der Graupelkörner um die 
0°-Grenze herum“ entstehen, nicht teile. (Meine brieflichen Ausführungen sind in 
der Roßmannschen Arbeit, 1. Seite, Absatz 2, nicht ganz wörtlich und daher leicht 
mißverständlich wiedergegeben worden.) Ich habe in dem Brief und auch in 
meinen Veröffentlichungen aber keineswegs bestritten, daß der Hagel beim Fallen 
unterhalb der 0°-CGrenze allmählich schmilzt, daß gelegentlich auch in Mittel- 
guropä große Hagelkörner entstehen und, daß Vertikalbewegungen der Luft zur 
Erzeugung so großer Hagelkörner notwendig sind. 
Wenn sich Herr Roßmann im größten Teil seiner Arbeit mit diesen und 
ähnlichen Tatsachen, die den meisten Meteorologen wohl nicht neu sind, beschäftigt, 
so ist damit noch keineswegs ein Beweis für die Roßmannsche Ansicht von der 
Hagelentstehung gegeben und es ist unverständlich, worin hier das im ersten 
Teil der Arbeit angekündigte „Für“ bestehen soll, Erst auf der letzten Seite 
der Arbeit bemerkt Herr Roßmann schließlich, daß „erstens der schalenförmige 
Aufbau vieler Hagelkörner“ als Kennzeichen für die abwechselnde Auf- und 
Abwärtsbewegung anzusehen sei. Auf dieses „erstens“, das bereits in der Ein- 
leitung vorgebracht wird, folgt aber kein weiteres Beweisglied und man erkennt, 
daß Herr Roßmann seine Anschauung ällein auf die Tatsache des schalen- 
{örmigen Aufbaus der Hagelkörner stützen kann, 
Hierzu verweise ich auf den Teil meines Briefes, den Herr Roßmann im 
dritten Absatz der ersten Seite seiner Arbeit bereits wörtlich wiedergegeben 
hat. Ich sehe mich nunmehr veranlaßt, folgende Erläuterung hinzuzufügen: 
Die Beschaffenheit des Eisbelags, mit dem ein Hagelkorn während seiner 
Fallbewegung (gemeint ist natürlich die relative Fallbewegung) durch unter- 
kühlte Wasserwolken überzogen wird, hängt neben der Temperatur ganz wesentlich 
von der Größe und Zahl der unterkühlten Wassertropfen und auch vom gleich- 
zeitigen Vorhandensein kleinerer Eisteilchen (Grieseln, Splitter) ab. Bei geringer 
Tropfenzahl und -größe und bei tiefen Temperaturen oder beim Vorhandensein 
kleiner Eisteilchen bildet sich eine viel trübere, lockerere Eisschicht auf den 
Hagelkörnern als im anderen Falle. Die Trübung der Eisschicht wird durch 
kleine Lufteinschlüsse verursacht, die sich besonders leicht immer dann bilden, 
wenn das Gefrieren der unterkühlten Tropfen besonders schnell erfolgt oder 
kleine Eisteilchen zusammen mit dem unterkühlten Wasser festfrieren. — Man 
darf nie annehmen, daß eine so große Wolkenmasse, wie sie der hagelbildende 
Teil eines Cumulonimbus enthält, einheitlich beschaffen ist; das wird nur in 
schematischen Darstellungen so gezeichnet, In Wirklichkeit bestehen stets starke 
Verschiedenheiten der Wolkendichte und des Eisteilchengehaltes sowohl in verti- 
kaler als auch in horizontaler Richtung. Ein großes Hagelkorn kommt während 
seiner langen Entwicklungszeit, während der es sich meist im aufsteigenden 
Luftstrom befindet, mit großer Wahrscheinlichkeit durch Wolkenpartien ver- 
schiedensten Teilchengehaltes. Es ist daher in keiner Weise verwunderlich- 
wenn manche Hagelkörner schließlich einen ausgesprochen schalenförmigen 
Aufbau zeigen, d.h, aus konzentrisch angeordneten KEisschichten verschiedener 
Trübung und verschiedener Festigkeit zusammengesetzt sind. — Ein ähnlicher 
Schichtenaufbau. läßt sich bemerkenswerterweise gelegentlich an den Eisschichten 
1) Ann, d, Hydr. u, Mar, Met. 68 (1940) 59. — *) Diese Fragen sind auf Wunsch von Herrn Roß- 
mann inzwischen ebenfalls öffentlich diskutiert worden, 8, E, Wall, Z. f. angew. Met. 56 (1939) 344 
A 00 57 (1940) 81 zu F. Roßmann, Z. £ angew. Met, 56 (1939) 322 u. 341 und Met, Z. 56 
di 2.
	        
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