Hilgenberg, O0. C.: Zur Frage der Trift der Kontinente und der Permanenz der Ozeane, 271
zu ersehen, daß an den Stellen, wo der Trapp eine geringe Breite aufweist, die
Kruste an den’ Gesteinsgrenzen klafft, Das erklärt sich meiner Meinung nach
durch das schnellere Wachstum des Trapps an seinen breiten Stellen, verglichen
mit dem an seinen schmalen Stellen.
Bernauer [(2), S. 414] stellte auf Island fest, daß Flugsand, der in eine
große Spalte eingedrungen ist und sich verfestigt hat, wieder in kleinen klaffenden
Spalten parallel zur großen zerrissen ist. Eine derartige Wirkung muß eintreten,
wenn die große Spalte in der Tiefe mit spezifisch schwererem Gestein als der
rerfestigte Flugsand angefüllt ist.
Der von Bernauer [(2), S. 417] angegebene, auf die Zeiteinheit bezogene
Dehnungsbetrag von Spalten auf Island ist größer als der von mir vermutete
mittlere lineare Wachstumbetrag an der Erdoberfläche; vgl. (16) und (18), S. 66.
Das läßt sich vielleicht dadurch erklären, daß gemäß Bild 17 in den von
Bernauer beschriebenen Spalten der Wachstumsfehlbetrag eines beträchtlichen
Sialteiles des Erdumfangs an wenigen Stellen aufs Mal ausgeglichen wird,
Schließlich verdient noch die von verschiedenen Forschern aufgestellte
Forderung Beachtung, daß im Laufe der Zeit der Abhang vom Schelf zum
Ozeanboden immer steiler werde. Soergel (se) hebt auf Grund des Fehlens
von Zwischenformen der fossilen marinen Faunen unabhängig von E. Dacqu&«
und J, Murray hervor, daß die fortlaufende Entwicklung der marinen Faunen
nicht in einem, dem heutigen ähnlichen, flachen Schelfmeer mit steilem Abfall
zur Tiefsee stattgefunden haben könne, sondern daß die früher in breiter Front
erfolgende Einwanderung der marinen Faunen in die Kontinentalmeere flach
absinkende, allmählich zu abyssischer Tiefe abfallende Schelfe erheische, Die
heutige Bevölkerung der Tiefsee mit vorwiegend mesozoischen Typen neben
wenigen paläozoischen entstand nach Soergel durch die allmählich zunehmende
Steilheit des Kontinentalabfalls, die die früher ausgedehnten Zwischenmeere zum
Verschwinden brachte und so den Austausch zwischen Schelffaunä und Tiefsee-
fauna unmöglich machte. Aus dem in Bild 18 bis 24 gegebenen Schema der
Schollenteilung geht nun hervor, daß, solange nur wenige große Sialschollen auf
der anwachsenden Erde vorhanden waren, die von Soergel geforderten Ver-
hältnisse tatsächlich vorhanden gewesen sein müssen. Erst die seit dem Känozoikum
auftretenden Schollen von nur etwa 2000 km Durchmesser und gar die heutigen
von etwa 250 bis 500 km Durchmesser führten zu einer immer größeren Steilheit
des Kontinentalabhanges. Vielleicht ist das von Stocks [(41), S. 7] beschriebene,
in den Lotungen zum Ausdruck kommende „Steilerwerden“ des Kontinentalabfalles
nicht nur auf die verschiedene Meßweise, sondern auch auf ein tatsächliches
heutiges Steilerwerden zurückzuführen.
Vielleicht ist es gar möglich, den Beweis für die im Zusammenhang mit
Bild 16 und 17 vorgebrachten Vermutungen durch Bohrproben des Ozeanbodens
zu erbringen, die noch weiter und in noch größerer Tiefe in ihn eindringen als
die von Piggot (ss) mit einer Unterwasserkanone erzielten, Ich halte eine
Bohrvorrichtung für den Ozean- und Tiefsegerinnenboden bei normal drehender
Anordnung des Bohrers für durchaus technisch ausführbar. Wie sich rechnerisch
bestätigt, lassen sich die bei derartig großen Tiefen im Bohrgestänge auftretenden
hohen Zerreißspannungen infolge seines Eigengewichtes bei geeigneter Wahl des
Baustoffes und geeigneter Formgebung unter Ausnutzung des Auftriebes im
Wasser vermeiden.
Schrifttum.
il, Adams, G. J.: Jour. Geol. 41, 159—173, 1933,
2. Bernauer, F.: Ztschr. Deutsch. Geol, Ges. 91, 405—420, 1939.
3, Boesch, H. H.: Eelogae Geol, Helvetiae 32, 23, 1939.
% Bowie, W,: Sei, Monthly 41, 234 und 444—449, 1935, . |
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Prince Albert Park, Saskatchewan, 1931, 1: 150000. 8
7. —,; —1; Aerial survey of part of Great Bear Lake, Hunter Bay, Labine Point and Conjuror Bay,
N, W. T., 1932, 1: 506880,
8, Cloos, H.: Geol, Rundseh, 30, 401—528 und 637—640, 1939,