Ann, d. Hydr. uSW., LXVIIL Jahrg, (1940), Heft VIL
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Zur Frage der Trift der Kontinente und der Permanenz der Ozeane.
Von Dipl.-Ing. 0. C. Hilgenberg, Berlin,
(Hierzu Tafeln 18 bis 20 mit Bildern 1 bis 15 und 18 bis 26.)
Zusammenfassung. Auf der Grundlage einer mit dem Vorgang der Schwere zusammenhängenden
hypothetischen Zunahme aller stofflichen Körper an Masse und Rauminhalt in Abhängigkeit von der
Zeit wird die Permanenz der Ozeane bejaht, die Trift der festländischen Sialblöcke im Sima hingegen
verneint, wei] diese Trift dadurch als vorgetäuscht. betrachtet wird, daß der im wesentlichen simische
Meeresboden infolge höherer Dichte im Vergleich zum Sial schneller an Rauminhalt zunimmt als die
Sialblöcke der Festländer, so daß er gleichsam zwischen sie wächst.
An Hand einer Tabelle wird gezeigt, daß Tiefseerinnen und untermeerische Strukturlinien solche
a der Erde senkrecht schneiden, deren zugehöriger Erdschnitt einen hohen Anteil von Sial
AM "Die durch, das ungleiche Wachstum von Sial und Sima ständig aufrechterhaltene Unterschwere
des Sials und Überschwere des Simas rufen eine Aufspaltung langgestreckter Sialschollen an deren
Oberfläche, parallel zu ihrer Längserstreckung, hervor.
Meßergebnisse japanischer Forscher auf geophysikalischem Gebiete, insbesondere der Vergleich
ron Schwereänderungen und Niveauänderungen in Japan, lassen sich so deuten, daß die vorgetragene
Auffassung der Massenzunahme mit der Zeit gefestigt wird,
Ohne bereits vorliegende, von Zenneck (sı) zusammengefaßt beschriebene
ähnliche Ergebnisse zu kennen, gelangte ich bei dem Versuche, das Wesen der
Schwere bewegungsgemäß zu erfassen, zu der Arbeitshypothese, daß jeder Massen-
punkt eine kugelförmige Sinkstelle oder kurz Senke eines das All ausfüllenden
Mediums, des Äthers, sein müsse; vgl. Hilgenberg (1), (18), In einer Hinsicht
unterscheidet sich jedoch meine Auffassung wesentlich von der meiner Vorläufer,
nämlich insofern, als nach meinem Dafürhalten der fortgesetzt in die Massen
hineinströmende Ather zu neu entstehender Masse verdichtet wird, Riemann (82),
dem allerdings der Vorgang des Massenzerfalls gemäß radioaktiver Strahlung
unbekannt war und dem also auch eine etwaige Neubildung von Masse ferner
liegen mußte als der heutigen Generation, ließ den in die Massenpunkte einströ-
menden Äther einfach „aus der Erscheinungswelt verschwinden“, bevor er das
Inbefriedigende dieser Auffassung selbst einsah und, am Kernpunkt vorbeigehend,
den Ausweg auf mathematischem Gebiete suchte, wo er sich als einer der Ersten
dem mehr als dreidimensionalen Formalismus zuwendete,
Die von mir behauptete Zunahme aller stofflichen Körper an Masse und
Rauminhalt wird sowohl durch Ausmessungen von Urmeterstäben in Lichtwellen-
längen einigermaßen wahrscheinlich gemacht [vg]. Hilgenberg (16)], als auch
durch die Tatsache gefestigt, daß sämtliches Festland der Erde einschließlich der
randlichen Schelfgebiete sich, wie die aus der Schrift Hilgenbergs (1s}) über-
nommenen Bilder 1 bis 8 auf Tafel 18 zeigen, ziemlich lückenlos auf einer Erd-
kugel unterbringen lassen, deren Oberfläche nur etwa 35% der der heutigen
Erdkugel beträgt und die den Namen Schelf-Erdkugel oder kurz Schelfkugel
(ühren soll.
Die hierbei vorgenommene, aus Bild 7 und 8 ersichtliche Aufteilung von
Nordamerika in zwei Hälften, die eine Scherbewegung von etwa 1500 km Länge
aneinander entlang ausgeführt haben müssen, wirkt zugegebenermaßen auf den
ersten Blick wie eine unerlaubte Gewaltmaßnahme. Bei näherem Zusehen jedoch
stellt sich heraus, wie als Hauptteil der Schrift (1ıs) dargelegt ist, daß die
betreffenden Scherlinien in der heutigen geologischen Struktur Nordamerikas
gut zum Ausdruck kommen. Ein Beispiel dafür sind die bereits in (15) zitierten,
hier als Bild 9a) bis d) wiedergegebenen Skizzen von Willis (49) über den Bereich
des Prä-Kambriums, des Ober-Ordoviziums, des Devons und der oberen Kreide
an der Erdoberfläche in Nordamerika. Es würde hier zu weit führen, alle
inzwischen gesammelten neuen Belege für die Scherbewegung der Teilschollen
Nordamerikas anzuführen. Doch sollen, da mit dieser Scherung die von mir
vorgeschlagene Arbeitshypothese steht oder fällt, wenigstens einige gewichtige
dieser Belege angeführt werden,
Aus topographischen Karten, die vom Department of the Interior of Canada
(6) (7) herausgegeben und nach Luftbildaufnahmen hergestellt wurden, geht in
Ann. d. Hrdr, usw, 1940, Heit VIM.