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Full text: 68, 1940

252 Auynalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1940. 
zind als sie adiabatisch werden müßten, Das ist ein Beweis dafür, daß sich 
außerdem die gesamte Masse der Stratosphäre gesenkt haben muß, so daß die 
Luft beim Heruntersinken nicht den ursprünglich vorhandenen Druckunterschied 
zwischen den Flächen gleichen Geopotentials durchlaufen mußte, Da die Luft 
ein elastisches Medium ist, pflanzt sich diese Gleichgewichtsstörung in Form 
einer Welle fort, die ihre Energie mit Hilfe der „thermodynamischen Rück- 
kopplung“ aufrechterhält, 
Eine Verbindung dieser drei Theorien, deren Bestehen nebeneinander mit 
den notwendigen. Zugeständnissen durchaus möglich ist, ergibt ein besseres Bild 
vom Wettergeschehen und erleichtert die Erklärung mancher Vorgänge, Im 
folgenden soll die Witterung Mitteleuropas unter diesem Gesichtswinkel betrachtet 
werden, Es seien zunächst die Grundlagen herausgestellt; Zwei verschiedene 
Witterungssysteme beherrschen Mitteleuropa: 
1. das planetarische System bestehend aus: 
a) dem subtropischen Hochdruckgürtel (Azorenhoch), 
b) dem Tiefdruckgürtel in 60° Breite (Islandtief); 
das Monsunsystem bestehend aus: 
a) dem sommerlichen Tief über Asien (Azorenhoch auf dem Atlantik}, 
bh dem winterlichen Hoch über Europa-Asien (Tief über Island-Azoren, 
Azorenhoch nach Süden zurückgezogen). 
Das sind die vier bei uns abwechselnd wirksam werdenden Großwettersysteme, 
die teils in reiner Form, teils stark überlagert in Erscheinung treten, Welches 
der Systeme für unser Wetter zu einer bestimmten Zeit vorherrschend ist, hängt 
im wesentlichen vom „Druckniveau“ ab. Das mittlere Druckniveau (Stratosphäre) 
ist gegeben durch die geographische Breite (Druckgefälle Äquator-Pol). Diesem 
überlagert sind die Druckwellen, Am deutlichsten treten sie in den Fall- und 
Steiggebieten des Druckes zutage, Sie können drei verschiedene Ursachen haben: 
1. Stehende oder langsam wandernde Wellen (langperiodische Schaukel- 
bewegungen oder langsam wandernde geschlossene Druckgebilde in 
der Höhe). 
2. Wandernde Wellen (Geschwindigkeit um 40 kmh). 
3. Warm- und Kaltlaftmassen, 
Stehende Wellen. (Quellen und Senken). Sie umfassen ıneist größere Gebiete, 
die etwa der Ausdehnung eines Zentraltiefs oder eines stationären Hochdruck- 
gebietes entsprechen. Die Form der Fall- und Steiggebiete ist kreisförmig oder 
elliptisch. Sie bestimmen die Großwetterlage. Die Überlagerung mehrerer 
Wellen kann je nach der Phasenlage zur Verstärkung oder auch zur Kompen- 
sierung eines Druckgebildes führen, so daß alle Übergänge denkbar sind, Da die 
Luftmenge auf der Erde konstant ist, entspricht einem stationären Hoch auf 
der einen Seite ein Gebiet zu niedrigen Luftdrucks an einer anderen Stelle der 
Erde. Als klassisches Beispiel dieser Gegenseitigkeit ist die Luftdruckschaukel 
im Südpazifik bekannt. Ebenso besteht eine Korrelation zwischen dem Azoren- 
hoch und dem Islandtief, doch ist diese weniger ausgeprägt. “ 
Wandernde Wellen. Sie unterscheiden sich von der Klasse der stehenden 
Wellen hauptsächlich in zwei Punkten, Ihre Geschwindigkeit ist etwa 40 kmh 
and ihre Form entspricht den Dünen, die sich senkrecht zu ihrer Streichrichtung 
fortpflanzen (meist von West nach Ost). Ihre Entstehungsgebiete sind die 
Aktionszentren wie bereits oben erwähnt wurde, Diese Wellen breiten sich ver- 
mutlich entlang der Tropopause aus, Unübersichtlich wird die Entwicklung, wenn 
die Aktionstätigkeit zu groß ist und mehr Schwingungen angestoßen werden, 
als mit Hilfe der thermodynamischen Rückkopplung aufrechterhalten werden 
können. Ein Teil von ihnen ist daher gedämpft und hat seine Energie ver- 
braucht, ehe er die Erde umlaufen hat. Diese Wellen beeinflussen. die Druckkurve 
in einer undurchsichtigen und schwer analysierbaren Weise, da es nicht möglich 
ist, beide Arten zu trennen. Aus diesem Grunde erscheint das Problem be- 
sonders schwierig. Trotzdem ist es möglich, den Beweis des Vorhandenseins 
wandernder Wellen zu erbringen, nämlich dann, wenn die Atmosphäre in einem 
yewissen Gleichgewicht ist und damit die Aktionstätigkeit gerade so groß ist, 
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