250 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1940,
Mittellot SL. Die Tangentenwinkel an die Kreise PSF, und PSF, sowie an die
Azimutgleichen PSF, und PSF sind einander gleich, da die rechten Seiten von
(1) und (2) identisch sind. Denkt man sich F und F, nach S hin wandernd,
30 daß stets F,L==F;L ist, so werden die A A FmSL und F.SL allmählich
unendlich klein, Wenn die Azimutgleichen PS Fa, PSL und PSF, sich nicht
anter denselben. Winkeln schnitten wie die Großkreise SFm, SL und SF., 80
würden sie sich gegenseitig überschneiden. In dem Schnittpunkt würde also ein
zweiter Ort der Kreuzpeilung liegen, was widersinnig ist. Mithin müssen sich
auch die Tangenten unter denselben Winkeln schneiden
wie die Großkreise, Damit ist eine neue Übereinstim-
mung zwischen ebener und sphärischer Azimutgleiche
festgestellt, die sehr wichtig ist.
Nach diesen Feststellungen sind wir wohl berechtigt
anzunehmen, daß allgemein in den Tangentenwinkeln
zwischen Ebene und Kugel Übereinstimmung herrscht,
Es genügt, diese Übereinstimmung in einem einzelnen
Punkte nachzuweisen, wo der Beweis leicht zu führen
ist, was nun geschehen soll und von mir bereits in den
Ann, d. Hydr. 1910 und in Z,£. M. 1929 durchgeführt ist,
Dies Verfahren wird in der angewandten Mathematik
und in der Abbildungslehre benutzt, Ich betrachte die
Azimutgleiche PSL, Xq=XPLS=R. Da sin q seinen
Höchstwert, nämlich 1, erreicht, muß auch der Nenner
des Bruchs in (2) seinen Höchstwert erreichen, also der
Polabstand von S am größten werden, d.h. die Breite
von S am kleinsten. Die Gleiche erreicht ihren süd-
lichsten Punkt in S, berührt also einen Breitenparallel,
Der den Breitenparallel in S berührende Großkreis hat in S seinen Scheitel,
schneidet also den Meridian von S unter einem rechten Winkel. Dieser Kreis
hat die geringste Krümmung, die Normale ist der Meridian. Der Tangenten-
winkel ist a=90°— «a, wie in der Ebene. Von S aus peilt man PL unter dem
größten Winkel, was selbstverständlich ist. Man sieht, daß wie in der Ebene der
Tangentenwinkel a von der Lage der Funkstation F unabhängig ist, worauf
Coldewey in den Ann. d. Hydr. 1926 bis 1928 seine Ableitung des Xa stützt.
2. Allgemeine Ableitung des Tangentenwinkels a. Trägt man den XS in S an
SP an, so ist XDSL==a —ß (Abb. 1}. SD ist im Kreise die Normale in S. Nach
der Theorie der Tangenten, wie sie in jedem Lehrbuch der Planimetrie gegeben
wird, verschiebt man eine Sehne auf ihrem Mittellot so lange parallel zu sich,
bis die Endpunkte der Sehne zusammenfallen. Auf der Kugel tritt an die Stelle
der Parallel verschiebung die Drehung des Großkreises um den Kugelmittelpunkt
so, daß die Sehne stets auf dem Mittellot senkrecht steht (s. Abb, 2). Daraus
folgt, daß auf benachbarten Punkten von S dieselben Verhältnisse weiter bestehen
müssen wie in S. Mithin darf sich der Winkel DSL nur verschwindend ändern.
Dies erreicht man bekanntlich auf dem Lot in S auf SD. Sinngemäß habe
ich vom ebenen Dreieck auf das Kugeldreieck geschlossen und diesen Schluß
mit Hilfe der in den Lehrbüchern der Planimetrie für die Tangentenkonstruktion
aufgestellten Forderungen bewiesen, die ich als bekannt voraussetzen darf.
3, Geometrische Ableitung des Tangentenwinkels. (Abb. 1.) «-—ß ist der
Unterschied der Richtungswinkel der Großkreise NS und FS in S gegen NF%.
Wenn wir durch S einen Großkreis so legen, daß auf ihm nur in S der X (« — ß)
auftritt, so ist dieser Großkreis eine Tangente an die Azimutgleich@ A, Dazu
benutzen wir den Scheitelwinkel von DSL, dessen Schenkel nach den sphärischen
Polen der Großkreise P, für NF und P, für den neuen Kurs führen. Diese
beiden. Kreise X und € schneiden sich unter dem Winkel £. Auf dem Großkreis
4y Harms scheint diese Vorbemerkung in Ann, d, Hydr. 1939, 8, 141, Zeile 3 und 2 von unten
übersehen zu haben und kommt deshalb zu unrichtigen Schlußfoigerungen. — 2% Über „Richtungs-
winkel“ s. Hammer, Lehrbuch 4, Trigonömetrie, Stuttgart 1923, 5. 646/647, Coldewey benutzt
den im preußischen Kataster üblichen Ausdruck „Neigung‘‘,
Ale