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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

Lotz, Kı: Über Trajektorien der Luft und deren Divergenz, 231 
Luft — die allerdings bei dem langen Weg über den Ozean schon wesentlich 
verändert sein dürfte — und eine Luftbahn, die von Innerafrika herausführt, 
Das läßt zunächst darauf schließen, daß die in Spanien ankommende Kaltluft 
der Grund zur Bildung einer (wenn auch nicht sehr intensiven) Zyklone ge- 
wesen ist, Auch hier wird das Tief während der Zeit seines langsamen Wanderns 
umkreist, später nicht mehr. (Abb, 6) 
Die nächste Abb, (6a) zeigt mit der Wetterlage vom 9, März 1935, 8 Uhr, 
eine Oststeuerung. Die von Östen nach Westen wandernden Fall- und Steig- 
gebiete sind nicht so kräftig, daB sie zur Ausbildung‘ selbständiger Tiefdruck- 
gebiete Anlaß geben können. Dementsprechend zeigen die Luftbahnen (Abb. 6b} 
einen ziemlich ungestörten Verlauf von Südosten nach Nordwesten, 
Dem Vergleich zwischen den Wetterlagen und den zugehörigen Trajektorien 
des geostrophischen Windes kann man folgendes entnehmen: Bei einer Nord- 
steuerung hat die Warmluft einen langen Weg um das ostatlantische 
Hoch herum zurückrzulegen und wird deshalb schon wesentlich ver- 
ändert sein, bis sie zur Bildung einer Zyklone beiträgt. Ähnlich ist 
es auch bei einer Südsteuerung, nur daß hier die Polarluft sich auf 
dem weiten Weg über den Ozean erwärmt. Der Erfolg ist dann in 
beiden Fällen wegen der geringen Temperaturunterschiede, daß sich 
nur energieschwache Tiefdruckgebiete bilden, die sich auch nicht 
lange halten. Das gilt auch entsprechend für die oben behandelte 
Oststeuerung, Anders dagegen ist es bei Westwetiterlagen, wo die 
Druckanordnung so ist, daß tropische und polare Luftmassen auf 
kürzestem Wege zusammengeführt werden. In diesem Falle bilden 
gich auch die energiereichsten Zyklonen. 
Im Anschluß an diese Betrachtung über die Herkunft der Luftmassen ist 
auch noch. einiges betreffs der Form der Trajektorien zu sagen. Es hat sich 
bisher ergeben, daß die Luftbahnen erst dann Schleifenform zeigen, wenn die 
Geschwindigkeit der Zyklone schon geringer geworden ist, während Shaw 
gerade bei schnell laufenden Tiefdruckgebieten die schleifenförmigen Trajektorien 
erhält, Um darüber eine Entscheidung treffen zu können, ist in Abb. 7 bei 
einer schnell herankommenden Störung eine Trajektorie einmal mit Berücksichti- 
gung der Reibung, im andern Falle ohne Berücksichtignng der Reibung gezeichnet 
worden. Der Reibungswind ist nach F, Baur und Hl. Philipps (2) mit 0.4 des 
Betrages des geostrophischen Windes und mit einer Ablenkung von 39° gegen 
dessen Richtung nach dem Tief zu angenommen. Dabei zeigt die Trajektorie, 
die unter Berücksichtigung: der Bodenreibung gezeichnet ist, einen ähnlichen 
Verlauf wie die von Shaw gefundenen. Die Trajektorie des geostrophischen 
Windes beschreibt einen wesentlich anderen Weg, wobei sie die Zyklone nur halb 
amkreist und dann meridional nach Süden geht, so daß innerhalb 40 Stunden 
die vorher übereinander angeordneten Luftpakete etwa 1400 km voneinander ent- 
fernt sind, Weil aber der geostrophische Wind die Hauptströmungen der Atmo- 
sphäre besser darstellt als der Bodenwind, erlaubt die Benutzung des ze0stro- 
phisehen Windes richtigere Schlüsse bezüglich Herkunft der Luftmassen zu ziehen 
als die Zeichnung von Trajektorien mit Hilfe der Bodenwindbeobachtungen, Das 
gilt, falls die Entwicklung nicht zu schnell vor sich geht, auch für die Form 
der Luftbahnen, die, wie schon gesagt, im Gegensatz zu denjenigen Shaws nur 
bei langsam wändernden. Zyklonen Schleifenform zeigen. Auch D. Brunt (®) 
sagt in einem Kommentar zu dieser Behauptung Shaws bezüglich der äußeren 
Gestalt der Trajektorien, daß ihm das eine ziemlich gefährliche Veraligemeine- 
rung eines Einzelfalles zu sein scheint. O. Kiswel (4), der für analytisch vor- 
gegebene Druckfelder Trajektorien berechnet hat, findet im allgemeinen nur dann 
schleifenförmige Luftbahnen, wenn die Geschwindigkeit der Strömung größer ist 
als die des Zentrums der Zyklone, 
_ Eine Bestätigung des bisher Dargelegten liefert auch die Wetterlage vom 
9. Dezember 1937, 8 Uhr, bis 12, Dezember 1987, 8 Uhr, Ein Tief wandert inner- 
halb von 24 Stunden von Island nach Irland, dann mit geringerer Geschwindig- 
keit weiter nach England, Dort knickt seine Bahn langsam um, und es läuft
	        
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