380 Annalen der Hydrographie und Maritimen. Meteorologie, Juli 1940,
Meteorologie und Geophysik in Frankfurt/M, für die Westwetterlage vom 30. No-
vember 1985 bis 6. Dezember 1935 stündliche Druckkarten auf Grund der Baro-
gramme vieler europäischer Stationen gezeichnet, Diese Karten standen mir
für die Darstellung von Trajektorien zur Verfügung, wofür ich auch an dieser
Stelle meinen Dank aussprechen möchte. Da für andere Wetterlagen pro Tag
nur die vier Druckkarten des „Täglichen Wetterberichtes der Deutschen See-
warte, Hamburg“ benutzt werden konnten, wollen wir zunächst sehen, ob der
Fehler so groß ist, daß eine Benutzung dieser Karten in Frage gestellt ist. Von
vornherein kann man sagen, daß es nicht auf das zeitliche Intervall ankommt,
sondern darauf, was in dieser Zeit vor sich geht. Im allgemeinen werden da-
her die Unterschiede zwischen Trajektorien, die mit vier Karten innerhalb
24 Stunden gezeichnet sind, und solchen, die sich aus Karten mit einstündigen
Abständen ergeben, nicht so groß sein, als daß Folgerungen z. B, über Herkunft
der an einer Zyklone beteiligten Luft nicht gemacht werden dürften.
Ein Beispiel möge hier Klarheit schaffen. Für die Wetterlage vom 30. No-
yember 1985, 8 Uhr, bis 1. Dezember 1935, 8 Uhr, sind aus den stündlichen
Druckkarten Trajektorien so konstruiert worden, daß von einem Punkt des
Feldes parallel zu den Isobaren die Hälfte des geostrophischen Windweges (pro
Stde.) nach rückwärts und nach vorn eingezeichnet ist. Für die nächste Stunde
wurde dann ein Punkt so ausgesucht, daß die Hälfte des Windweges von diesem
Punkt nach rückwärts in Richtung der Isobaren in den Endpunkt des vorherigen
Trajektorienstückes einlief. Auf dieselbe Art wurde bei den Karten mit sechs
Stunden Abstand der Deutschen Seewarte vorgegangen. Es ergab sich dabei
Folgende Anordnung der Trajektorien für die verschiedenen zeitlichen Intervalle:
Abb. 1. Die in der Abbildung dargestellten Luftbahnen bestätigen die Vermutung,
daß die Unterschiede im allgemeinen nicht sehr erheblich sind, Es kommt nicht
darauf an, für welche Zeitintervalle Karten genommen werden, sondern ob
während dieser Zeit viel oder wenig geschieht, Darauf ist im folgenden Rück-
sicht genommen.
Zu Beginn dieses Abschnittes war die Frage aufgetaucht, welche Bahnen
im Unterschied zu den schon genügend von Shaw behandelten Westwetterlagen
die Luft bei einer anderen Steuerung des Wettergeschehens beschreibt, Daher
sind im folgenden die Trajektorien für einige Wetterlagen dargestellt. Als Bei-
spiel einer Nordsteuerung diene die Wetterlage vom 23. bis 4. Januar 1938,
Diese ist gekennzeichnet durch Abb. 2. Der Weg des Zentrums der Zyklone
vom 3. Januar 1938, 8 Uhr, bis 4, Januar 1938, 19 Uhr, ist darim angegeben,
Die zugehörigen Trajektorien sind in Abb. 3 dargestellt. Es ist sofort zu er-
kennen, daß das Tief sich seine Luftmassen nur aus Norden geholt hat, denn
die Trajektorien sind für solche Luftquanten ausgewählt, daß diese das Tief am
4. Januar 1938, 11 Uhr, vollkommen umgeben. Dabei deuten die Trajektorien 1
und 2 auf eine mehr von Nordwesten hereingekommene, also polarmaritime Luft-
masse, 5 vielleicht mehr auf eine maritime und 3 und 4 schließlich auf eine
polare oder sogar polar-kontinentale Luftmasse, Im übrigen haben aber die an
dieser Zyklonenbildung beteiligten Luftmassen nicht so verschiedenen Ursprung,
wie etwa diejenigen einer Westwetterzyklone, Da das Tief an sich nicht sehr
kräftig war, war also die Luftdruckverteilung eine ziemlich flache. Es traten
keine großen Gradienten auf, und damit gab es auch keine großen Windstärken,
Das Tief kann also seine Luftmassen nicht von sehr weit geholt haben; umge-
kehrt kann aber auch wieder der geringe Unterschied der Luftmassen als Grund
dafür angesehen werden, daß keine intensive Entwicklung eintrat. Im Gegensatz
zu Shaw zeigen die Trajektorien erst dann eine Schleifenbildung, als die Zyklone
schon fast stationär geworden ist. Darauf werden wir später noch zurückkommen,
Die Wetterlage vom 26, bis 29, Oktober 1937 (Südsteuerung): In der Abb, 4
ist die Luftdruckverteilung am 28. Oktober, 8 Uhr, dargestellt. Sie ist charak-
terisiert durch ein Tief im Westen und ein Hochdruckgebiet im Osten, Die
Druckverteilung in der Höhe sieht ganz ähnlich aus. Dementsprechend wandern
die Fall- und Steiggebiete des Luftdrucks von Süden nach Norden, Die Trajek-
torien für diese Wetterlage zeigt Abb. 5. Man sieht einen breiten Strom kalter