Kieinere Mitteilungen.
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Luft kühlte ab. Als wir auf den Höhen des Hügellandes fast in westlicher
Richtung weiterritten, näherte sich uns mit ziemlicher Schnelligkeit eine grau-
schwarze Wolkenwand, Berge und Hügel verschwanden in ihr, so daß man nur
undeuntlich die einzelnen Umrisse erkennen konnte, Bald peitschte uns ein feiner
aber dichter Regen ins Gesicht. Der Lehmboden war schnell aufgeweicht, Die
Pferde kamen in den steilen Kurven des Weges ins Rutschen, so daß man mit
Vorsicht reiten mußte. Aufmerksam beobachteten wir den Wolkenzug, um aus
ihm einen möglichen Windwechsel, damit eine Verbesserung oder Verschlechterung
des Wetters, abzulesen, woraus sich für uns Weiterreise oder Rückkehr ergab,
Mein ortskundiger Begleiter stellte mir für den Nachmittag gutes Wetter in
Aussicht, da der Regen plötzlich und zu früher Morgenstunde eingesetzt habe
und der Wind augenblicklich aus westlicher Richtung wehe. In der Tat hatte
der Wind in kurzer Zeit seine Richtung von Nordwest auf West gewechselt.
Mein Führer sollte mit seiner Wettervoraussage recht behalten. Gegen 9
tauchte über dem Horizont im Westen und Nordwesten ein klarblauer Himmels-
streifen auf. Auf seiner Vorderseite war die schwarze Regenwolkenwand wie
mit dem Messer abgeschnitten. Mit ihrem Abzug in östlicher Richtung ver-
größerte sich stetig der blaue Himmelsstreifen, ohne daß eine neue Wolkenwand
im Westen ihn begrenzte, Im SW zog noch ein dichter Regenschleier über die
Küstenberge, dessen nördlicher Zipfel auch unseren Weg noch kreuzte, Ein
kurzer Schauer setzte ein. Ihm folgte unmittelbar der Sonnenschein bei völlig
klarem Himmel. Gegen 114% erreichten wir die Westküste, Der Wind hatte an
Stärke zugenommen und trieb über den weitausgedehnten Strand und das dahinter-
liegende Dünenland den Sand vor sich her. Er belästigte uns jedoch nicht,
da wir wegen der Ebbe dicht am Meeresstrand auf dem noch feuchten Sandgrund
reiten konnten. Der Wind drehte weiter nach Südwest. In dieser Richtung hatte
sich gleichfalls mit der Zeit die Wolkendecke in einzelne Haufen aufgelöst, die
sich immer schneller in einzelne Teile von geringer Größe schieden.
Gegen 13% tauchten am Horizont Schönwettereumuli auf. Der Wind frischte
nunmehr beträchtlich auf und wehte gegen 14% mit Sturmesstärke, so daß wir
zum Lagern hinter einem Felsen Schutz suchen mußten, Feine Sandschleier
hoben sich im Hintergrund von Strand und Steilküste ab. Als wir nach kurzer
Rast auf die Höhe der Küstenberge kamen, verspürten wir erst recht den starken
Wind. An den steilen Hängen hatte sich eine durch den Wind in Wuchsform
und Verbreitung bedingte Flora entwickelt. Niedriges Gebüsch, zu einem undurch-
dringlichen Knäuel verstrickt, wölbte sich flach am Abhang mit seiner Wuchs-
richtung in der Windrichtung auf: ein typischer Windwald, wie ich ihn nemnen
möchte, Im Schatten der Berge und gleichzeitig im Schatten des Windes zeigte
das Thermometer 24°, Nach einem kurzen Ritt durch hochstämmigen Wald
erreichten wir wiederum den Strand, wo der Wind noch mit unverminderter Kraft
wehte. Bei der Rückkehr ließ gegen 17% der Wind beträchtlich an Stärke nach.
Der Himmel war wolkenlos, Auf See entwickelten sich feine weiße Dunstschleier,
die mit der Zeit die Umrisse der Küste immer undeutlicher erkennen ließen,
Beim Untergang zeigte die Sonne einen fahlen gelben Schimmer, Die Sonnen-
kugel schien immer größer zu werden, und das Gelb wechselte zu einem graurot
in den Randgebieten der leuchtenden Scheibe, Der Wind hatte inzwischen auf
W gedreht, und Schlechtweiter war für den nächsten Tag im Anziehen begriffen.
So urteilte mein Begleiter, der als Ortskundiger nicht der schlechteste Wetter-
prophet sein sollte, Dr. H, Falke.
2. Klimatographische Witterungsschilderung. Nr. 141; Abessinien, —
Aus der Sammlung des überseeischen meteorologischen Dienstes der Deutschen See-
warte. — Allgemein-klimatische, bio- und anthropoklimatische Beob-
achtungen im Frühling im Konso-Land (Süd-Abessinien). Beobach-
tungzeit: Februar und März 1939. (Hierzu Tabellentafel 2.)
Bei großer Hitze, völliger Trockenheit und heiterem Himmel sind wir am
12, Februar 1939 im Konso-Land angekommen. Im Bett des Sagan-Flusses wie
auch im Seitental des Bogorto nach Ciarso hinauf kein Tropfen Wasser! Gegen