Die ozeanographischen Verhältnisse an der Meeresoberfläche im Golfstromsektor usw. 51
Der Einfluß anders temperierter Luftmassen auf die Temperatur
der Meeresoberfläche wird gewiß nicht sehr groß sein, Das Verhältnis der
spezifischen Wärme des Wassers zur Luft beträgt (für gleiche Volumina) etwa
1:0.000 307. Es müssen also ungeheure Luftmassen ihre Wärme abgeben, um
eine oberflächliche. Wasserschicht auch nur
merklich zu erwärmen, Viel größer wird der
Einfluß sein, den die Wassertemperatur auf die
Lufttemperatur ausübt. Ein schönes Beispiel}
für die sehr geringe Beeinflussung der Wasser-
temperatur durch plötzlich einbrechende Kalt.
luft zeigen uns die Beobachtungen der „Cari-
mar6&‘ am 1, Juni 1938 beim Durchgang einer
Kaltfront,
Abb. 32 zeigt die Wetterlage am 1, Juni
nach der Arbeitskarte der Deutschen Seewarte
um 14h, Das Tiefdruckgebiet mit etwa 995 mbar
in 45° N 45°W zeigt noch. einen gut ausge-
bildeten Warmsektor. Die genaue Lage der
Kaltfront ist wegen der geringen Zahl von
Schiffsmeldungen in diesem Gebiet nicht ganz
eindeutig festzustellen, Nach ihrer Lage in der
Wetterkarte verläuft sie um 14h M.G.Z. etwa
90 bis 100 sm östlich der „Carimar6“ fast genau
nach Süden, Die stündlichen Beobachtungen der „Carimare“ lassen aber den
Durchgang der Front um 8% M.G.Z. deutlich erkennen. In Abb, 33 sind die
Temperaturbeobachtungen der Luft und des Wassers und, um den Frontdurch-
gang noch deutlicher zu machen,
die Windbeobachtungen vom
1.duni 25 bis 2. Juni 8 (M.G.Z.)
angegeben, Zwischen 6* und
10h am 1.Juni fällt die Luft-
temperatur von 21° auf 17°
und hält sich nach dem Front-
durchgang, der auch sehr gut
durch den Windsprung um 8%
deutlich wird, zwisehen 17%
und 18° bis etwa 21h, Von 21%
bleibt die Temperatur ziemlich
konstant 18° und steigt erst Abi 7
almahlich wieder. etwas „N, Lufttemperatur {T,), Wind, Wassertemperatur (Tor) und
was in unserer Abbildung nicht s x en Wr
. EL EATYa& St alzgehalt (S} der Meeresoberfläche nach den Beobach-
mehr dargestellt ist. In der tungen der „Carlmar&‘““ vom 1.VL. 2% bis 2.VT. ah
Wassertemperatur ist nur eine VERS SA gr EEE" EEE da Ed SB
sehr langsame und kontinuierlich fortschreitende Abkühlung von 1° in etwa
18 Stunden festzustellen. Selbst diese geringe Abkühlung des Öberflächen-
wassers wird aber kaum nur mit der Erniedrigung der Lufttemperatur zU-
sammenhängen, Sehr wahrscheinlich ist es, daß die langsame Temperatur-
abnahme auf Advektion kälterer Wassermassen aus nördlichen Gebieten beruht,
wofür auch eine dem Temperaturverlauf parallele Abnahme des Salzgehaltes spricht.
Ein zweites Beispiel für die fast völlige Unabhängigkeit der Wassertemperatur
von der Lufttemperatur zeigen die Beobachtungen des „Altair“ zwischen. den
Stationen 37 und 47, Am 6, Juni 5% MG, Z, (Station 43) fällt die Lufttemperatur
beim Durchgang einer Kaltfront um etwa 3°, Auch dieser plötzliche Temperatur-
rückgang bleibt ohne Einfluß auf die Wassertemperatur, die eine hohe positive
Korrelation mit dem Oberflächensalzgehalt aufweist.
Der Einfluß der Wellenbewegung auf die Temperatur des Öber-
Hächenwassers ist von P. M. yan KRiel {s) eingehend untersucht worden, Da
für solche Untersuchungen bei beschränkter Beobachtungszahl die Kenntnis der
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