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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Grossmann: Extremtemperaturen in Hamburg in den Jahren 1876 bis 1900. 463 
Die Extremtemperaturen in Hamburg in den Jahren 1876 bis 1900. 
Dr. Grossmann, Assistent: der Seewarte, 
Seit dem Jahre 1876 werden auf der Seewarte Extremthermometer ab- 
gelesen, die die höchste und die niedrigste Temperatur jedes Tages ergeben. 
Ist der Zeitraum eines Vierteljahrhunderts auch nicht hinreichend lang, um 
Zufälligkeiten ganz zu beseitigen und insbesondere die beobachteten äufsersten 
Temperaturen der Monate wie auch des ganzen Zeitraumes als die überhaupt zu 
erwartenden Grenzwerthe ansehen zu lassen, so darf doch erwartet werden, dafs 
diese letzteren nur wenig extremer als die in den 25 Jahren beobachteten aus- 
fallen werden und dafs vor Allem aus den Beobachtungen gewonnene Beziehungen, 
die sich auf Zusammenfassung und Mittelbildung stützen, sich den zu erwartenden 
wahren Verhältnissen in noch höherem Grade nähern werden. Annahme hierbei 
ist natürlich, dafs das Klima keine Aenderung erfahre, und wie wenig eine solche 
in Ansatz zu bringen ist, ergiebt sich daraus, dafs für die Zeit seit Anstellung 
meteorologischer Beobachtungen eine Aenderung der Temperatur nicht zu er- 
weisen ist; die zu erwartenden durchgreifenden Schwankungen verlaufen so 
langsam, dafs wir für unsere Zwecke Fortdauer des Bestehenden einsetzen können. 
Als höchste Temperaturen wurden 32,0° C. am 4. Juli 1883 und 31,7° 
am 27. Mai 1892, als niedrigste — 19,8° am 25. und 26. Dezember 1876 und 
— 184° am 18. Januar 1893 beobachtet. Temperaturen von 30° und darüber 
traten als höchste Tagestemperaturen im Ganzen 17 mal in den Monaten Mai 
bis August, darunter 9mal im Juli, auf; ebenfalls 17 mal wurden niedrigste 
Temperaturen von — 16,1° und darunter vom Dezember bis Februar, davon 
9 mal im Januar, beobachtet, Hier sehen wir Juli und Januar durch die Häufigkeit 
besonders hoher Wärme- und Kältegrade ausgezeichnet, und wie zu erwarten, 
sind dieses auch die Monate, die durch die höchste und die niedrigste Monats- 
mitteltemperaturen gekennzeichnet. sind. Während ebenso ‚die absolut höchste 
Temperatur nach Obigem im Juli des Zeitraumes eintrat, wurde die gröfste Kälte 
im Dezember beobachtet. Dieser Umstand wie noch weitere Erwägungen ge- 
statten die Schlufsfolgerung, dafs die für Hamburg als äufserste Kälte an- 
zunehmende Temperatur weiter von — 19,8° abetehen müsse, als die höchste 
Wärme 32,0° übertreffen werde. 
Die Temperatur erreichte 23° in den Monaten Mai bis September. Be- 
zeichnen wir als Sommertage solche, an denen die höchste Temperatur 25° 
erreichte oder überstieg, so zählen wir deren im Ganzen 284, und zwar im Mittel 
des Zeitraumes: 
Im Mai 1,0 August 2,6 
Juni 32 - September 0,6 
Juli 2,9 Jahr 11.4. 
In Bezug auf Sommertage blieb der Juni also nicht viel hinter dem Juli 
zurück und nahm etwa die mittlere Stellung zwischen Juli und August; der 
September läfst im Mittel nur ungefähr alle zwei Jahre ein Maximum von 25° 
arwarien und erschien hiermit annähernd doppelt so ungünstig gestellt wie 
er Mai. 
Sucht man diejenigen Tage auf, an denen die: höchste Tagestemperatur 
unter Null blieb, die man als Eistage bezeichnet, 80 findet man deren im 
Ganzen 621, auf November bis März, also gleich dem Vorkommen: der Sommer- 
tage auf fünf Monate beschränkt; es ergaben sich im ‚Mittel des Zeitraumes im 
November 1,3 Februar 5,9 _ ; ; 
Dezember 5,0. . ‘ März . 3,0 
Januar 96 ‚Jahr 24,8, 
Hiernach hatte Hamburg mehr als doppelt so viel Eistage als Sommertage. 
Die Vertheilung auf die fünf Monate des beiderseitigen Vorkommens zeigt als 
charakteristischen Unterschied für die Eistage die langsamere Abnahme der 
1) Bearbeitet auf Grundlage einer Abhandlung des Verfassers über den gleichen Gegenstand 
in ‚Aus dem Archiv der Seewarte“, XXIIL Jahrgang.
	        
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