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Full text: 68, 1940

18 Die ozeanographischen Verhältnisse an der Meeresoberfläche im Golfstromsektor usw, 
Bereich unserer Profile ist, müssen wir doch damit rechnen, daß sie sich nicht 
viel von der in 38'° N und 44° W unterscheiden wird, wo nach den Beobach- 
tungen der „Carimar&“ eine tägliche Amplitude von 0.4° zu erwarten ist (s. Kap. V). 
Temperaturdifferenzen yon dieser Größenordnung sind an dieht beieinander 
liegenden Orten, an denen zu verschiedener Tageszeit beobachtet wurde, leicht 
möglich, Sie können allein schon auf Strahlungseffekte zurückgeführt werden, 
und es ist ihnen keine große Bedeutung beizumessen. 
Beim Zeichnen der Isothermen- standen nun zwei Möglichkeiten der Kon- 
struktion. offen, je nachdem wie man die Verbindung der Isolinien zwischen den 
Profilen wählt. Bevorzugt man eine meridionale Verbindung, dann kommt man 
zu einem Bild, das den Anschein erweckt, als handle es sich um Einbrüche 
kalten Wassers von Norden und um Vorstöße warmen Wassers von Süden, wobei 
es zu Einwirbelungen kommen kann*), Berorzugt man aber eine zonale Ver- 
bindung der Isothermen, dann kommt man zu einem anderen Bild, obwohl beiden 
Darstellungen dieselben Beobachtungen zugrunde liegen. Ein sehr anschauliches 
Beispiel für die verschiedenen Möglichkeiten der Konstruktion von Tiefenlinien 
haben Th, Stocks und G. Wüst (19) gegeben, In unserem Falle liegen die Vor- 
hältnisse ähnlich, nur handelt es sich hier um Isothermen, So wie bei der 
Konstruktion der Tiefenlinien vielfach auch morphologische oder ozeanographische 
Gesichtspunkte in Betracht gezogen werden, müssen wir uns bei der Darstellung 
der Temperaturverhältnisse der Oberfläche von bestimmten dynamischen Über- 
legungen leiten lassen, Eine gut begründete Annahme über die dynamischen 
Verhältnisse der Öberfläche läßt vielfach entscheiden, welche Art der Kon- 
struktion die wahrscheinlichere sein wird, Nach den Ausführungen des zweiten 
Kapitels wissen wir, daß im mittleren Strombild der Oberfläche Stromzweige 
auftreten, die das Gebiet unserer Profile von etwa SW nach NO durchkreuzen 
und daß wir dazwischen mit Gegenströmungen rechnen müssen, Legen wir der 
Konstruktion der Isothermen diese Auffassung zugrunde, dann müssen wir die 
zonale Verbindung der Isolinien bevorzugen, Doch brauchen diese mittleren 
Verhältnisse für den Juni 1938 durchaus nicht zutreffend zu sein. Abweichungen 
vom normalen Zustand sind sehr leicht möglich, und die zonale Verbindung der 
Isothermen ist durch das mittlere Bild der Oberflächenströmung keineswegs hin- 
reichend begründet. Um zu entscheiden, mit welchen dynamischen Verhältnissen 
wir im Juni 1938 an der Oberfläche zu rechnen haben, besitzen wir beweis- 
kräftigeres Material. 
Prof. G. Wüst gestattete in liebenswürdiger Weise die Einsicht in eine von 
ihm entworfene, noch unveröffentlichte Karte der Kernschicht des Golfstrom- 
wassers und in die Querschnitte der Temperatur und des Salzyehaltes unserer 
Profile, Die Kernschichtkarte beruht auf den intermediären Salzgehaltsmaxima 
in 25 bis 150 m Tiefe und zeigt in überraschend klarer Weise drei Zweige des 
Golfstromes durch höhere Salzgehaltswerte an, Dazwischen sind Gegenströmungen 
durch salzärmere Wassermassen angedeutet, Die Salzgehaltsmaxima liegen zu- 
meist in Tiefen zwischen 50 und 100 m, und wir können annehmen, daß die Ver- 
hältnisse an der Oberfläche nicht wesentlich von denen in der Kernsehicht ver- 
schieden sein werden, Auch in den Querschnitten der Temperatur und 
des Salzgyehaltes läßt sich jeder Stromzweig und jeder Gegenstrom 
bis in größere Tiefen deutlich verfolgen. Die dynamischen Verhältnisse 
im Juni 19388 scheinen also in ihren wesentlichen Zügen mit dem mittleren Be- 
wegungszustand der Oberfläche übereinzustimmen, Bei der Konstruktion der 
Isothermen wurde daher die zonale Verbindung der Linien, gestützt durch die 
dynamischen Verhältnisse der Oberfläche, bevorzugt, 
Abb. 8 (s. 8, 19) stellt die Temperaturverhältnisse an. der Meeresoberfläche 
im Juni 1938 dar. Daß der Verlauf der Isothermen an manchen Stellen sehr 
kompliziert erscheint und viele kleine Zacken und Ausbuchtungen aufweist, ist 
eine Folge der Darstellungsmethode, denn es wurde nach Möglichkeit jede 
*) Eine Temperaturkarte, der die Auffassung einer vorzugsweise meriklionalen Verbindung der 
Isothermen. zugrunde gelegt wurde, ist in einem Bericht über die ozeanographischen Untersuchungen 
während der Golfstromexpedition [A, Defant und Bj. Helland-Hansen Gall veröffentlicht.
	        
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