Die ozeanographischen Verhältnisse an der Meeresoberfläche im Golistromsektor usw. 15
_ Sehon bei der Betrachtung der mittleren Horizontalverteilung von Tempe-
ratur und Salzgehalt haben wir im Zusammenhang mit den zahlreichen Zungen,
die im ganzen Gebiet auftreten, von Vorstößen wärmeren und salzreicheren bzw
kälteren und salzärmeren Wassers gesprochen. Eine solche Deutung der zungen-
förmigen Ausbuchtungen der Isolinien ist auch berechtigt, A, Defant (1s) hat
mathematisch nachweisen können, daß z. B. beim Einbruch salzreichen Wassers
in einen salzärmeren Wasserkörper die Isohalinen, infolge der Abnahme des
Salzgehaltes, im turbulenten Strom eine zungenförmige Gestalt annehmen. Hydro-
dynamische Überlegungen führen zu der Erkenntnis, daß man im stationären
und reibungslosen Fall in einem geschichteten Wasserkörper den stärksten Strom
dort zu erwarten hat, wo die Neigung der Isolinien am größten ist, an der Meeres-
oberfläche also etwa im Bereich stärkster Drängung der Isohalinen oder Isothermen,
A. Defant (18) hat mathematisch bewiesen, daß in einem inhomogenen Meer bei
stationären und reibungslosen Strömen die Stromlinien mit den Isolinien zu-
zammenfallen müssen, Sobald aber Turbulenz oder Vermischung auftritt, wird
die Parallelität dieser Kurvensysteme aufgehoben, und der Stromstrich verschiebt
sich mehr zur Achse der Zungen. In den meisten Fällen werden wir also damit
rechnen müssen, daß der Hauptstromstrich weder genau in der Zungenachse
aoch im Gebiet stärkster Drängung der Xsolinien liegt, sondern irgendwo
dazwischen, Auch G. Wüst (117) hat schon mehrfach darauf hingewiesen, daß
man den Stromstrich nicht etwa in der Mitte der Temperatur- oder Salzgehalts-
zungen anzunehmen hat, sondern mehr auf der Seite, So darf man z, B. auch
nicht den Hauptstromstrich des Golfstromes in der Mitte des Bandes maximaler
Temperaturanomalie [s. G. Wüst (1)] suchen, sondern mehr auf der linken Flanke
dieses Warmwasserbandes,
In unserer Darstellung der mittleren Temperatur- oder Salzgehaltsverhält-
nisse finden wir die drei Stromzweige des Golfstromes mit den Gegenströmungen
durch zungenförmige Ausbuchtungen der Isolinien angedeutet. Viele dieser
Zungen sind so schmal, daß es sicherlich nicht von großer Bedeutung sein wird,
ob man den Stromstrich in die Achse der Zunge verlegt oder etwas seitlich
davon annimmt. Wollen wir uns ein schematisches Bild von der Ausbreitung
der Wassermassen an der Oberfläche nach dieser „Indikatormethode“ verschaffen,
dann müssen wir von vornherein daran denken, daß die Genauigkeit mit der die
Lage der Zungenachse überhaupt angegeben werden kann, im günstigsten Falle
+14° Breite = + 30 sm beträgt. Diese Mindestgrenze der Genauigkeit ist allein
schon durch die Zusammenfassung der Beobachtungen zu KEingradfeldmittel-
werten gegeben,
Im südwestlichen Teil unseres Gebietes ist sowohl in der Temperatur- wie
Salzgehaltsverteilung eine große zusammenhängende Ausbuchtung der Isolinien
nach NO festzustellen, was im wesentlichen gut mit dem Strombild auf Grund
der Besteckversetzungen übereinstimmt, das hier einen ziemlich einheitlichen Strom
nach NO anzeigt. Erst von etwa 34° W an können wir im mittleren Strombild der
Oberfläche eine Aufspaltung in drei Zweige feststellen, Von dieser Länge ab wollen
wir auch den Verlauf der salzreichen und warmen Wasserzungen verfolgen,
in Tab. 1 sind für die drei Golfstromzweige, die in der Karte der ÖOber-
flächenströmung schematisch angedeutet sind, die geographischen Breiten der
Schnittpunkte mit den Längengraden zwischen 34° und 26° W angegeben und
den entsprechenden Schnittpunkten der Temperatur- und Salzgehaltszungen
gegenübergestellt. Die Abweichungen zwischen der mittleren Lage des Strom-
striches auf Grund von Besteckversetzungen und der Mittelachse der Temperatur-
und Salzgehaltszungen sind positiv, wenn der Stromstrich nach Abb. 7 auf der
linken Flanke der Zungen liegt. Zwischen 34° und 30° W ist diese Abweichung
bei allen drei Zweigen überwiegend positiv. Dies würde also bedeuten, daß wir
in den Temperatur- und Salzgehaltszungen den Stromstrich nicht in der Mitte
der Zungen, sondern etwas mehr an der linken Seite zu suchen haben. Im
östlichen Teil, also zwischen 30° und 26° W, ist die Abweichung ausschließlich
negativ. Besonders auffällig ist aber, daß bei allen drei Stromzweigen der Über-
gang von positiven zu negativen Differenzen in 30° W gleichzeitig auftritt, Wenn
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