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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

Die ozeanographischen Verhältnisse an der Meeresoberfläche im Golistromsekter usw. 13 
auftretende Pulsieren in Richtung und Geschwindigkeit zustande kommen. 
Treten aber in einem oder sogar in mehreren zusammenhängenden Eingrad- 
feldern Stromvektoren auf, die entgegengesetzte Richtungen haben, dann versagt 
die Methode der Mittelbildung. Solche Änderungen in der Stromrichtung 
können z. B. an singulären Punkten oder Linien nicht selten sein, wofür auch 
die Tatsache spricht, daß diese Abweichungen der Pfeilrichtungen im Eingrad- 
feld nicht wahllos durcheinander gestreut auftreten, sondern die verschiedenen 
Typen in der Anordnung der drei Vektoren auf bestimmte Gebiete verteilt sind. 
So tritt z. B. in unserem Untersuchungsgebiet zwischen 40° und 41° N eine Zone 
starker Streuung der einzelnen Stromvektoren auf, während zwisehen 45° und 
46° N die Streuung auffallend klein ist. Die Anzahl der Einzelbeobachtungen 
in beiden Fällen ist ungefähr dieselbe, ja sie ist sogar in einzelnen Gebieten 
starker Streuung größer als an manchen Stellen mit geringerer Streuung, Bei 
den stark streuenden Stromvektoren zusammenliegender Eingradfelder braucht 
es sich also keineswegs um Fehler oder um Zufälligkeiten wegen zu geringer 
Beobachtungszahl zu handeln; vielmehr wird man zu der Überzeugung kommen 
müssen, daß die Streuung der drei Stromvektoren, richtig beurteilt, in vielen 
Fällen wertvolle Hinweise auf den Charakter des Strombildes zu geben vermag. 
Auf die Tatsache, daß der Stromcharakter wesentlich am Zustandekommen der 
Abweichungen der einzelnen Vektoren untereinander mitbeteiligt ist, weist auch 
M. Willimzik (8) in einer Arbeit über die Strömungen im subtropischen Kon- 
vergenzgebiet des Indischen Ozeans hin, 
Gerade im südlichen Teil unseres Untersuchungsgebietes, d.h. etwa ab 43° 
oder 44°N, ist die Streuung der Stromvektoren für die drei Monate besonders 
groß, und man könnte den Versuch einer Darstellung der Oberflächenströmung 
für den Juni als hoffnungslos aufgeben, wollte man sich nur an die Strom- 
richtung halten, die durch den Stromvektor des Juni oder als Resultierende aus 
allen drei Vektoren gegeben ist. In diesem Falle dürfen die Beobachtungen über- 
haupt nicht mehr einfach gemittelt werden, sondern es muß durch eine zutreffende 
Interpretation, unter Berücksichtigung der Beständigkeit und vor allem der 
Stromgeschwindigkeif, versucht werden, möglichst alle drei Stromvektoren dem 
allgemeinen Stromverlauf so einzugliedern, daß nötigenfalls unter Benutzung der 
von V. Bjerknes und J. W, Sandström (2) gefundenen Stromfiguren ein Bild 
der Öberflächenströmung resultiert, das den Forderungen der Hydrodynamik 
entspricht. Bearbeiten wir nach diesen Gesichtspunkten unser Beobachtungs- 
material für die drei Monate, dann erhalten wir eine mittlere Wasserbewegung an 
der Oberfläche, wie sie Abb, 7 (Anlage) darstellt, Die Stromlinien wurden in Strom- 
pfeile aufgelöst. Diese Methode der Darstellung hat den Vorteil, daß mit den 
Strompfeilen gleich eine Angabe über die mittlere Stromgeschwindigkeit gemacht 
werden kann. Außerdem sind die Strompfeile für eine schematische Darstellung 
der mittleren Wasserbewegung geeigneter als Stromlinien. Gerade in unserem 
Gebiet, wo besonders schmale Stromzweige und Gegenströmungen auftreten, 
scheint es kaum möglich, aus Eingradfeldmittelwerten der Besteckversetzungen 
ein geschlossenes Bild der Oberflächenströmungen abzuleiten, das den Anspruch 
srheben darf, ein bis in alle Einzelheiten getreues Abbild der mittleren Wasser- 
bewegung darzustellen, Um die Kritik der Stromkarte zu erleichtern, sind die 
Eingradfeldmittelwerte der Besteckversetzungen für die drei Monate, die der 
Konstruktion der Strompfeile zugrunde liegen, mit angegeben. 
In der Karte der mittleren Wasserbewegung an der Oberfläche finden wir 
schematisch verschiedene Zweige des Golfstromes angedeutet, die anscheinend 
durch Gegenströme voneinander getrennt sind, Im westlichen Teil unserer Karte 
ist die vorherrschende Wasserbewegung nach NO bzw. ONO gerichtet, nur an 
einzelnen Stellen können kleinere Wirbel erwartet werden. In der Nähe der 
Ankerstation. des „Altair“ ist, allerdings nur ganz schwach, ein zyklonaler Wirbel 
angedeutet, Auffallend ist aber die merkwürdige Ausbuchtung der Strompfeile 
nach Süden, wobei im ganzen Gebiet zwischen 43° und 45° N größere Geschwin- 
digkeiten auftreten, Man gewinnt den Eindruck, als seien die Wassermassen be- 
strebt, die aus verhältnismäßig großer Tiefe (*> 8500 m) sehr plötzlich bis zu
	        
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