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Volltext: 68, 1940

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1940, 
Die Ursachen, warum in Lappland im Herbst die Abkühlung vornehmlich 
durch Esolation, im Frühjahr dagegen durch Advektion geschieht, nämlich das 
Zusammenspiel von Sonnenstandeinwirkung und den hydrographischen Zuständen 
des nördlichen Eismeeres, hat V. damit klar erkannt. Seine Darlegungen lauten 
daher nicht anders, als ich sie selbst, allerdings ohne Kenntnis Vettins, mehr- 
fach für das lappländische Klima angeführt habe. Die zyklonalen Wechsel ver- 
mögen den großzügigen Rhythmus nicht auszuschalten. Wenn es auch nach 
Conrad nicht angängig sein mag, monsunähnliche Vorgänge im europäischen 
Klima schon gleich als Monsun zu bezeichnen, so liegt die Parallelisation doch 
zweifellos nahe. Im Frühjahr bedingt allerdings nicht nur die Luftmassen- 
auflockerung über dem bereits stärker erwärmten südlicheren Kontinent den 
Zufluß arktischer Kaltluft über Lappland, der bis in mitteleuropäische Breiten 
vordringt, sondern in gleichem Maße auch das selbständige Anwachsen der 
polaren Kaltluft selbst, die ja theoretisch erst im März bei Anbruch des Polartages 
ihre größte Mächtigkeit erreicht und südwärts übergreift. Der thermische Gegen- 
satz zwischen Festland und Arktis ist daher dann sehr groß, Im Herbst wird 
das Klima über dem Festlande durch die beginnende Ausstrahlung stabiler und 
ruhiger, die Wärmeabgabe des Meeres bindet dann die zyklonale Tätigkeit an 
die Ozeane, Allerdings ist die im höchsten Norden und über Grönland gleich- 
zeitig schon wieder fühlbare Abkühlung infolge der beginnenden Polarnacht der 
Anlaß zu thermischen Gegensätzen, die sich auf der Gegenseite, nämlich zwischen 
dem Meer und dem europäischen Festland, erst viel später wirksam entwickeln, 
Hier ist der Altweibersommer mit seinen milden südlichen Winden und der durch 
einen Zirrusschleier noch nicht voll wirksamen nächtlichen Ausstrahlung das 
Kennzeichen des Monsunkenterns, Die Gegensätze zwischen Land und Meer ver- 
ringern sich, und nur die aus dem thermischen Gegensatz Arktis—Nordmeer 
geschöpfte Energie bringt die herbstlichen Wirbelstörungen. Die innerlappische 
Kaltluftbildung drängt später ihrerseits die Zyklonen auf die See hinaus, ver- 
bunden mit kalten Süd- und Südostwinden, Im Frühjahr wird die festländische 
Kaltluft zunehmend abgelöst durch arktische Kaltluft. Der Übergang voll- 
zieht sich in einzelnen großen Vorstößen, deren Häufigkeit wächst. Im Juni hat 
sich dann die polare Kaltluftkappe so weit vermindert, daß ihr direkter Einfluß 
auf Nordeuropa schwindet, demgegenüber ist aber die Luftmassenauflockerung 
über dem Festland immer noch angewachsen, der verringerte Widerstand der Fest- 
iandsluft ist daher noch fühlbarer. Da aber die Polarluft nicht mehr so aktiv und 
testlandsnahe ist, strömen jetzt kühle Meeresluftmassen ein. Und diese Luftzufuhr 
geschieht vorzugsweise aus nordwestlichen und westlichen Richtungen, Auch dies 
vollzieht sich, wie Rödiger nachgewiesen hat, in einzelnen Etappen. Der Zeit- 
punkt dieses Vorganges, der wohl durch den erreichten Grad der kontinentalen 
Luftmassenauflockerung bestimmt ist, liegt Anfang Juni (zur Zeit der Schafkälte). 
Die Aprilschauer und die Maikälte ist dagegen im Gegensatz zu der Schafkälte 
an die Zufuhr kalter Arktisluft vom Eismeer her über Nordeuropa gebunden. 
Dieser Unterschied kommt ja schon in der Verschiebung der Windrichtung von 
NO nach NW und W zum Ausdruck. Zum Herbst hin bedingt dann die schon 
erwähnte Stabilisierung der festländischen Luftmassen ein Fernbleiben der 
Zyklonen vom Kontinent, südliche Winde sind die Folge. 
So schließt sich der jahreszeitliche Kreis, Mit Hilfe der Singularitäten- 
forschung [das Wort Singularität ist allerdings wenig glücklich] und der Luft- 
körperanalyse können wir eine komplexe Darstellung des europäischen Klimas 
geben, deren Grundzüge vollkommen richtig von Vettin gegeben worden sind. 
Es ist daher angebracht, bei der Diskussion derartiger Vorgänge die für seine 
Zeit kühnen Ideen Vettins heranzuziehen. In Anbetracht der damals doch 
höchst unentwickelten Kenntnis von den Luftdruckgebilden ist es um 80 erstaun- 
licher, daß er trotz dieser Quelle von Irrtümern in der Lage war, intuitiv monsun- 
ähnliche Vorgänge im Klima Europas zu erkennen und unter diesem Namen in 
die meteorologische Literatur über das Klima Europas einzuführen. Und daß 
seine. damalige Schilderung der Luftströmungen über Nordeuropa im wesent- 
lichen noch heute nahezu restlos Gültigkeit besitzt, mag zur Würdigung des 
Verdienstes Vettins beitragen.
	        
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