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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

316 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1940, 
Sonnendeklination ist aber die Zeitgleichung verschieden; hieraus ergibt sich, 
daß die mittlere Ortszeit an Tagen gleicher Sonnendeklination nicht die gleiche 
ist. Auch die Zeitmomente des Durchganges durch den 1. Vertikal liegen (in 
mittlerer Ortszeit) am Vormittag und Nachmittag nicht ganz symmetrisch, eben- 
falls wegen der Zeitgleichung. Doch ist die Asymmetrie jahreszeitlicher und 
tageszeitlicher Art nicht sehr beträchtlich, da die Zeitgleichung in den Sommer- 
monaten den Betrag von + 8m nicht überschreitet. 
Berechnet man nun für gegebene Breiten die mittlere Ortszeit für den 
Durchgang der Sonne durch den 1. Vertikal, so erhält man eine Kurvenschar, 
die in Figur 1 übersichtlich dargestellt ist. Am rechten und linken Rande können 
Datum oder Sonnendeklination abgelesen werden, oben und unten die mittlere 
Sonnenzeit, Man erkennt, daß z. B. bei größter Sonnendeklination in 50° Breite 
die Abweichung von der Faustregel, welche 6b (18%) gibt, bereits eine Stunde 
überschreitet. Weiter.nach Süden zu wird die Abweichung sehr schnell erheb- 
lich größer. Beim Übergang auf die Zonenzeit kommt noch die Verbesserung 
wegen Länge hinzu, welche die Unzuverlässigkeit noch vergrößern kann. 
Dagegen stimmt die Faustregel um so besser, je mehr man sich dem Nord- 
pole nähert. Dort beträgt die Abweichung von 6h (18%) nur wenige Minuten, 
nämlich die Zeitgleichung. Im übrigen stimmt die Regel zur Zeit der Tag- und 
Nachtgleichen für alle Breiten. 
3. Azimut der Sonne um 6h (18) wahrer Sonnenzeit. 
Es entsteht nun die Frage, wie groß der Azimutfehler werden kann, wenn 
man die Sonne um 6b (18%) beobachtet, Hierbei ist der Einfachheit halber 
wahre Sonnenzeit angenommen, welche leicht in mittlere Sonnenzeit umgewandelt 
werden kann, Die Azimutwerte der Sonne für einen Stundenwinkel von t = 6h 
entnimmt man am bequemsten den bekannten Azimuttabellen von Ebsen. Die Dar- 
stellung der für die verschiedenen Breiten geltenden Werte ergibt die in Figur 2 
gezeigten Kurven. Man kann also aus dem Diagramm für jede Breite sofort das 
Azimut ablesen. Die Haupteigenschaften des Azimutdiagramms sind die folgenden: 
). Nahe d = 0° spielt die Breite überhaupt keine Rolle, und das Sonnenazimut 
um 6 (18°) wahrer Sonnenzeit ist immer nahezu 90° (270°). 
In geringer Breite (bis etwa @# = 20° ist die Sonnendeklination für das 
Azimut bestimmend. Begnügt man sich mit einer Genauigkeit von 1° 
im Azimut, so ist von 0° bis 20° Breite der Einfluß der Breite zu ver- 
nachlässigen, Gleichzeitig weicht hier das Azimut am stärksten vom 
1, Vertikal ab. 
Bei weiter zunehmender Breite und hoher Sonnendeklination ändert sich 
das Azimut schnell; der Einfluß der Breite wächst, und das Azimut nähert 
sich 90° (270°). 
Nahe am Pol spielt die Sonnendeklination überhaupt keine Rolle mehr 
und das Azimut der Sonne um 6b (18b) wahrer Sonnenzeit ist immer 
nahezu 90° (270°. 
4, Beispiele, 
Als Beispiel seien für drei Orte Großdeutschlands die tatsächlichen Werte 
[{ür den 21. Juni mit der Faustregel verglichen : 
4. 
Königsberg & Pr. | München 
P=MO°4YN P= 459° N 
5 hm PF | a LOb4GmE 
Hamburg 
= 5043 N 
3 = Ob 40m E 
4. Durchgangszeit der Sonne durch den 1. Vertikal am 21. Juni. 
» M. 0.Z, (nach Figur 1}... ‚35m 
3 ı Red, auf ME. Zeuawewenuum +0 14 
SR 7 49 
Abweichung v. d. Faustregel | 40 
M. 0.Z. (nach Figur 1)... 
. Red. auf ME. Ze voea50 00a 
Abweichung v, d, Faustregel 
7h 17m 
+0 20 
7 37 
1 97 
16h 30m 16h 47m 
+0 14 +0 20 
16 44 17 7 
1 16 1 0 53
	        
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