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Volltext: 68, 1940

Blüthgen, J.: Dr. med, U. F. Friedrich Vettin, der Entdecker des europäischen Monsuns, 15 
schon von den barometrischen Eigenschaften der Winde, mißt ihnen aber einen 
mittleren Luftdruckwert zu, ohne selbstverständlich mit den damaligen Beob- 
achtungen und zudem noch unter dem Einfluß Doves stehend, die Wirkung der 
einzelnen Zyklonen und Antizyklonen, die unser Wetter beherrschen, zu ahnen. 
Auch die Temperatur der einzelnen Winde versuchte V. durch eigene 
Beobachtungen klarzustellen. Er stellte fest (S. 116), daß zunächst ohne Berück- 
sichtigung der Bewölkungsverhältnisse „im hohen Sommer die größte Kälte etwa 
bei nordwestlichen, die größte Wärme bei südöstlichen Winden herrscht, daß im 
hohen Winter dagegen die ostnordöstlichen Winde die kältesten, die westsüd- 
westlichen die wärmsten sind,“ Den wechselnden Einfluß der Bewölkung sieht 
Y. darin, daß im Sommer nördliche (durch stärkere Aufheiterung ausgezeichnete) 
Winde durch Insolation, im Winter südliche. durch verhinderte Ausstrahlung 
{infolge hoher Bewölkungszahl) wärmer werden. Im dJahresmittel bringt der 
NNO-Polarstrom das heiterste Wetter, durch die Einwirkung des Land-Meerwindes 
werden im Sommer Nordwinde, im Winter mehr Östliche die heitersten, — Hin- 
sichtlich der Windgeschwindigkeit macht sich bei Vs, Gedankengängen allerdings 
noch das Fehlen einer zutreffenden Anschauung von den Luftdruckgebilden störend 
bemerkbar: er deutet hier falsch. Daher mutet seine Erklärung der größeren 
Geschwindigkeit westlicher Winde unverständlich an (S. 128): „Aus der Rotation 
der Erde und dem Herabsinken der Winde von oben erklärt sich demnach voll- 
ständig die größere Geschwindigkeit der westlichen Winde, und es ist ganz 
unzweifelhaft, daß diese beiden Umstände die wahre und einzige Ursache des 
Vorherrschens westlicher Winde der Geschwindigkeit und der Zeit nach seien.“ 
Wenn auch V. bei dem Versuche, die Einzelerscheinungen bei den ver- 
schiedenen Windrichtungen zu erklären, vielfach an den Grenzen der damaligen 
meteorologischen Vorstellungen anlangte, so müssen wir trotz alledem seine 
Grundidee in der Form anerkennen, daß sie den Willen zu einer dynamischen 
Synthese zum Ausdruck brachte. In einer geradezu genial angelegten Deutung 
beschäftigt sich V, abschließend mit den Strömungsverhältnissen über Nord- 
europa, die von allen seinen Darlegungen vielleicht am meisten verdient, ins 
heutige Licht gerückt zu werden. Er schreibt (S. 135): „Wenn die warmen 
Meeresströmungen und die im Sommer höher stehende Sonne das Polarmeer 
allmählich gegen Ende dieser Jahreszeit möglichst erwärmt haben, so wird zu 
dieser Zeit und vorzugsweise im Herbst ein Zeitpunkt eintreten, wo das südlich 
von demselben gelegene Land durch die schon schräger einfallenden Sonnen- 
strahlen stärker erkaltet als das nördliche Meer. Alsdann wird sich die Luft 
vom kälteren Lande her in Bewegung setzen, zum warmen nördlichen Meer hin- 
strömen, dort aufsteigen und oben wieder zurückkehren. Nun erkaltet aber bei 
zunehmendem Winter das Eismeer immer mehr und mehr, die großen sich bildenden 
Eismassen begünstigen die Erkaltung, und wenn endlich am Ende des Winters 
die Temperatur des Meeres am tiefsten gesunken, zudem aber das südlichere 
Land sehon durch die größere Einwirkung der Sonnenstrahlen sich erwärmt, 
dann hat der Gegensatz in der Temperatur den höchsten Grad erreicht, und es 
wird sich nun die Luft vom kälteren Eismeer nach Süden zu bewegen, zum 
wärmeren Lande, hier aufsteigen und oben wiederum nach Norden zurückkehren.“ 
„Wegen des ostwestlichen Landmeerwindes wehen demnach westliche Winde am 
häufigsten im Sommer, am seltensten im Winter, östliche am häufigsten im 
Winter, am seltensten im Sommer; wegen der Moussoneirculation zwischen dem 
Polarmeer und dem südlichen Lande wehen nördliche Winde am häufigsten im 
Frühjahr, am seltensten im Herbst und südliche am häufigsten im Herbst, am 
seltensten im Frübjahr ....“ V. hat demnach, wenn wir von seinen Meinungen 
über den oberen Gegenstrom einmal absehen, richtig erkannt, daß sich die 
charakteristischen Luftströmungen gegen den Uhrzeigersinn im Laufe eines 
Jahres drehen, nämlich (S, 139) „daß gegen Herbst Südwestwinde, im weiteren 
Verlauf desselben Südwinde, gegen Winter darauf Südostwinde, im hohen Winter 
Ostwinde, gegen Ende desselben und im Frühlingsanfang Nordostwinde, im April 
und Mai Nordwinde, im Sommeranfang Nordwestwinde, im Hochsommer West- 
winde und wiederum gegen Herbst Südwestwinde die längste Zeit, und in den 
entgegengesetzten Zeiten des Jahres die kürzeste Zeit wehen.“
	        
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