Löhle, F,:- Über Fernsichten,
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Gegenstand der Untersuchung macht, indem der Dunst gleichsam an die Referenz-
fläche des Himmels bzw. die horizoentnahen Teile derselben. projiziert wird. Ist
die Luft im Absinken begriffen, so ergibt sich dabei das Bild der sogenannten
Dunstschichtung, Über der Konvektionsobergrenze treten, bevorzugt in Höhen
von rund 2500 m und 4000 m mehr oder weniger scharf begrenzte und farbig
getönte Schichten wechselnder Mächtigkeit mit dunstfreien Zwischenräumen auf,
Den Begleiterscheinungen dieser Dunstschichtung, nämlich den in den Aufzeich-
nungen der Flugzeug-Meteorographen auftretenden Stellen der Temperaturumkehr
wurde bisher lediglich im Zusammenhang mit Überlegungen über die jeweilige
Intensität der Absinkbewegung Aufmerksamkeit geschenkt. Gar keine Beachtung
fand die Erfahrungstatsache, daß die Auflösung der feinen Dunstschichten noch
viel enger mit Veriikalbewegungen in der freien Atmosphäre gekoppelt ist als
die Bildung derselben. Für die prognostische Bedeutung der jeweiligen Ansicht
der Dunstschichtung ist der Umstand wesentlich und ausschlaggebend, daß der
Zerfall der Dunstschichten auf zweierlei verschiedene Art und Weise vor sich geht
und daß die daran beteiligten Vorgänge mit den Vertikalbewegungen in der
Hochtroposphäre zusammenhängen, Wird die Zyklogenese in der Umgebung eines
Hochdruckgebietes aufgefrischt, so zerfallen die Dunstschichten ruckartig, stirbt
dagegen die Störungstätigkeit in der Nachbarschaft eines Schönwettergebietes
langsam ab, so geht die Auflösung der Dunstschichten parallel mit dem allmäh-
lichen Abbau des Hochdruckgebietes, Eine gleichzeitige Berücksichtigung der
Druckverteilung in der Hochtroposphäre ergibt, daß die Zerfallserscheinungen
der Dunstschichtung abhängig sind von dem Phasenunterschied zwischen der
hohen und niedrigen Druckwelle, Beträgt dieser — A/4, d.h. bleibt die hohe
hinter der niedrigen Druckwelle um eine viertel Wellenlänge zurück, so deutet
die ruckartig erfolgende Auflösung der Dunstschichten auf eine Verstärkung der
Amplitude und eine beschleunigte westöstliche Drift der hohen Druckwellen hin;
liegt eine Phasendifferenz von + 4/4 vor, so wirkt die hohe Druckwelle ab-
schwächend auf die Bodendruckverteilung und die Vertikalbewegungen. Dem-
entsprechend erfolgt der Zerfall der Dunstschichtung nur träge,
Die Höhenaufstiege der Wetterflugstellen geben die Möglichkeit, die täg-
lichen. Änderungen in der Ansicht von Dunstschichten zu verfolgen und daraus
prognostisch wichtige Schlüsse herzuleiten, Zur Erleichterung der Vergleiche
empfiehlt es sich, die wechselnden Ansichten der Dunstschichtung in Skizzenform
festzuhalten, Dabei hat sich die Benutzung der folgenden Zeichen als zweck-
mäßig herausgestellt:
Bedeutung:
Schmutzig-gravverhüllte Dunstschicht (Schwarzverhüllung)
Milchig-weißverhüllte Dunstschicht (Weißverhüllung)
Silberner Glanz des Luftlichtes
Farbige Tönung
Scharfe Grenzen
anne Verwaschene. Konturen
Mit Hilfe dieser Zeichensprache lassen sich die beiden auf verschiedene Art
und Weise vor sich gehenden Vorgänge der Auflösung von Schönwetter-Dunst-
schichten. durch die in Abb, 1 und 2 (s, S. 198) skizzierten Schemata zur Darstellung
bringen, Die Abb. 1 zeigt die beschleunigte Auflösung einer Schönwetter-Dunst-
schichtung von einem Tag zum anderen als Folge einer Auffrischung der Zyklo-
genese in der Nachbarschaft eines Hochdruckgebietes. Abb, 2 stellt den trägen,
allmählichen Zerfall von Schönwetter-Dunstschichten. von einem Tag zum anderen
im Zusammenhang mit dem langsamen Abbau eines Hochdruckgebietes dar. Die
beiden verschiedenen Zustände unterscheiden sich auch bezüglich der Färbung
des Himmelsblaus im Zenit bezogen auf ein und denselben Sonnenstand, Der
Ant d. Hydr. new. 1040, Heft VL *