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Notizen aus Java,
Kaufleute oder Vertreter Europäischer Häuser giebt es nicht in Rembang; eben
so wenig giebt es eine Bank, und muß man Fracht- und Geldgeschäfte in
Samarang oder Soerabaya abmachen, wohin täglich Landpostverbindung ist.
Dampfer laufen nicht an; eine Telegraphenstation ist vorhanden.
Frisches Fleisch, Gemüse, Früchte u. s. w. sind stets zu mäfsigen Preisen
erhältlich, Seeproviant und Schiffsartikel dagegen nicht. Als Trinkwasser wird
Regenwasser benutzt, welches in Cisternen aufgefangen wird; es ist nur in
kleinen Quantitäten und nur mit besonderer Erlaubnifs des Residenten zu haben.
Ballast würde nöthigenfalls wohl zu beschaffen sein, aber gewifs nur mit grofsem
Zeitverlust und gegen hohen Preis. Leichte Schmiede- und Zimmerarbeit kann
ausgeführt werden. Unkosten hat man in Rembang weiter nicht, als das übliche
Tonnengeld, 16 Cts. holl. für das Kubikmeter, welches alle sechs Monate einmal
bezahlt wird. Tabangas (Micthboote) sind nicht vorhanden und können ent-
behrt werden.
Während unseres Aufenthaltes vom 5. bis 15. Dezember, also mitten im
Nordwestmonsun, hatten wir stets schönes Wetter, meistens Windstille oder
leichte Briese und immer ruhige See. Eine erhebliche Brandung am Strande
war nie vorhanden, und konnte man mit dem Boote steis ohne Gofahr landen.
Im Ostmonsun, wenn die Bai dem Winde ausgesetzt ist, soll die Brandung
jedoch oft sehr stark sein und die Kommunikation stören,
Einige Meilen ostwärts von Rembang liegt der kleine Ort Lassem und
fast eben so weit westwärts Joana. Ueber beide läfst sich ungefähr dasselbe
sagen, wie über Rembang; nur liegen in Joana die Schiffe weiter ab, 6 bis 7 Sm
von der Flufsmündung, und die Stadt liegt einige Meilen flufsaufwärts, In
Joana befindet sich ein Leuchtthurm; der Platz hat einen bedeutenden Zucker-
export, ist durch Eisenbahn mit Samarang verbunden, und es sind mehrere
Europäische Häuser dort vertreten. Zum Beladen der Schiffe sind grofse
Leichter vorhanden. Lassem liegt, wie Rembang, nahe am Strande; auch liegen
die Schiffe ebenso nahe, 2 bis 3 Sm entfernt. Von hier wird auch etwas Zucker
und viel Holz exportirt. Der Platz steht unter dem Zoll- und Hafenamte von
Rembang. Beide Plätze sind vom letzteren in einigen Stunden zu erreichen,
und die dort befindlichen Schiffe sind von Rembang aus bequem zu sehen,
Die Unkosten meines Schiffes „ Werner“ waren:
Aus- und Einklariren . . . .
Lukonbesichtigung und Verklarung .
Tonnengeld für 2527,7 cbmn & 16 Cts,
Frisches Fleisch pro kg . . .
Kartoffeln pro Pikul (61,7 kg)
Arbeitslohn pro Tag . .
+
3. Soerabaya.’)
Zeitsignalstation in 7° 12‘ 10“ S-Br und 112° 43‘ 51” O-Lg.,
Vom 18. Dezember 1886 bis zum 8. Januar 1887,
Im Westmonsun von Westen kommend, muß man sich der Küste bei
Zeiten nähern, um nicht mit dem oft starken Strom zu weit zu laufen. Von
der Lierang- bis zur Panka-Spitze ist die Küste ganz rein; in der Nähe der
letzteren hält sich das Lootsenfahrzeug — zweimastiger Gaffelschoner — auf,
der aber Abends nach binnen geht und auf der Bank ankert. Die Lootsen
thun dies auch gern bei steifer Briese und etwas Seegang, weil das Fahrzeug
schlecht segeln und manövriren soll. Sicht man den Lootsenschoner nicht bei
der Panka-Spitze, so muls man die Zeebank anlothen und in 7,5 bis 9m (4 bis
5 Fad.) Tiefe ankern; im Westmonsun immer einige Meilen westlich vom Fahr-
wasser, im Ostmonsun natürlich entgegengesetzt. Um gehörig Platz zu haben,
das Schiff unter Segel zu bringen, und weil die flachsten Grüude in unmittelbarer
Nähe der äufßseren Bojen anfungen, sollte man das Schiff nicht zu nahe vor das
Fahrwasser legen; auch entfernen sich die Lootsen im Westmonsun nicht gern
weit von Panka-Spitze, weil sie nicht wieder aufkreuzen können.
Ueber die Zeebank führen zwei Fahrwasser. Das östlichste ist das tiefste,
and können Schiffe mit einem Tiefgang bis 14'/a Fufs engl. dasselbe passiren;
:) S. diese Annalen Jahrg. 1882 S, 584, 1884 S. 82, 1885 S. 138, 1887 S. 54,