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‚Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1940.
Beide Bereiche kommen ebenfalls bei dem Vergleich der in den verschiedenen
Jahren auf der „Ahne“ beobachteten Deviationskurven klar zum Ausdruck, indem
die größten absoluten Unterschiede im Durchschnitt in dem ersten Bereich ihr
Maximum und im zweiten Bereich ihr Minimum erreichen. Wie aus Tab, 4 zu
entnehmen ist, treten bei dem Strömungsmesser II für die 2 m Tauchtiefe die
Maxima der größten absoluten Unterschiede auf den Kursen von 40° bis 50° mit
13° auf, das Minimum liegt auf dem 260°-Kurs mit 5°, Aber auch im Gesamt-
durchschnitt (rechte Spalte der Tab, 4) spiegelt sich diese Erscheinung wider;
auch hier liegen die Größtwerte im ersten Bereich (mit 9.1°) und die Kleinst-
werte im zweiten Bereich (mit 4.5°),
Die Erklärung für diese Erscheinung findet sich in der wechselnden gegen-
seitigen Lage des Magnetpoles des Meßschiffes zu derjenigen der Kompaßnadel
im Strömungsmesser beim Drehen des Meßschiffes durch sämtliche Kurse. An
Hand einer schematischen Skizze soll dieses näher erläutert werden, In Abb. 17
sind vier Lagen des Meßschiffes dargesteilt, bei denen die Deviation entweder
ihre Größtwerte bzw. ihre Nullwerte erreicht, und zwar ist als Beispiel die
Deviationsuntersuchung für die 2 m-Tauchtiefe vom Herbst 1935 gewählt worden,
Hierbei ist angenommen worden, daß der Nordpol des MeBßschiffes etwa querab
vom Strömungsmesser liegt. Auf dem 5°-Kurs wird der Nordpol der Kompaß-
aadel im Strömungsmesser durch den Nordpol des Meßschiffes nach Osten ab-
gelenkt; es wurde eine positive Deviation von 22° gemessen, Beim Drehen des
Meßschiffes über Ost nach Süd nimmt die Deviationsgröße allmählich ab und
arreicht auf dem 70°Kurs den Wert Null. In dieser Lage zeigt der Nordpol
ler Kompaßnadel im Strömungsmesser auf den Nordpol des Meßschiffes, Ist der
Strömungsmesser genügend weit vom Meßschiff entfernt, wie es beispielsweise
auf der „Ahne“ mit 2,7 m Bordabstand der Fall ist, dann verläuft die Deviations-
kurve durch die Nullinie. Trotzdem aber macht sich diese ungünstige Lage der
beiden Magnetpole zueinander dadurch bemerkbar, daß die Unterschiede zwischen
den beobachteten Deviationswerten in diesem Bereich größer als auf den übrigen
Kursen sind. Verringert man jedoch allmählich den Bordabstand des Strömungs-
messers, dann wird der Nordpol der Kompaßnadel immer stärker vom Nordpol
des Meßschiffes abgestoßen, bis endlich bei weiterer Verringerung des Bord-
abstandes die Nadel herumschlägt und nunmehr ihr Südpol auf den Nordpol des
Meßschiffes weist. Jetzt verläuft die Deviationskurve durch die + 180°-Linie,
Befindet sich der Strömungsmesser gerade in dem Bereich, wo das Umschlagen
der Kompaßnadel vor sich geht, dann treten schon bei geringen Änderungen des
Bordabstandes sehr starke Unterschiede in den Deviationsgrößen auf, die im
Grenzfall + 180° betragen können. Diese „gefährliche Zone“ liegt bei der „Ahne“
in etwa 1.3 bis 1.5 m Bordabstand (vgl. Abb, 15) und bei dem Peilboot IE in
etwa 0.5 m Bordabstand (Abb. 16).
Beim weiteren Drehen des Meßschiffes nach Süden zu wird die Deviation
westlich; das Maximum wird auf dem 165°- Kurs mit —29° erreicht. Sodann
nehmen die Ablenkungswerte wieder ab, und auf dem 265°%°-Kurs werden sie aber-
mals zu Null, In dieser Lage des Meßschiffes weist der Südpol der Magnetinadel
im Ströämungsmesser au£ den Nordpol des Meßschiffes; die Kraftlinien der beiden
Magnete verlaufen etwa parallel zu den Kraftlinien des Erdfeldes, Daher sind
in diesem Bereich die Deviationswerte wenig veränderlich und ihre Streuung
erreicht ein Minimum. Die Bordentfernung des Strömungsmessers spielt, wie
die Abb. 15 und 16 ohne weiteres erkennen lassen, auf diesen Kursen nur eine
untergeordnete Rolle,
Dreht das Meßschiff dann weiter nach Norden, dann treten wieder östliche
Deviationswerte auf,
Diese Zusammenhänge geben die Antwort auf die Frage nach der Ursache
der starken Deviationsschwankungen, die bei den Messungen mit dem Ekman-
Merz-Strömungsmesser bisher regelmäßig festgestellt worden sind. Die Be-
dienung dieses Strömungsmessers erfordert es, daß er in Reichweite von Bord
aus aufgehängt wird. Bei den im Schrifttum bekanntgegebenen Untersuchungen
lagen die Bordabstände zwischen 0.75 m und 1.20 m.