Lüders, K.: Die Ablenkung (Deviation) der Kompaßnadel in Strömungsmessern usw. 173
Messungen die magnetischen Eigenschaften des Meßschiffes zufälligerweise gerade
wieder in einem Zustande waren, der dem des Vorjahres ähnelte, Auf diese
Weise würde also zu den Beobachtungszeiten immer wieder ein ähnliches Bild
von der Deviationsverteilung entstehen, aber in den Zwischenzeiten, den eigent-
lichen Messungszeiten, würden die Deviationswerte ganz andere Größen besitzen,
Zur Klärung dieser wichtigen Frage sollen im folgenden die zeitlichen
Deviationsveränderungen eingehend betrachtet werden, damit jeder Zweifel in
dieser Hinsicht behoben ist, Aus dem umfangreichen Material an Beobachtungen
können für diese Untersuchung genügend Beispiele ausgewählt werden, um für
jede Zeitspanne die Größe der Deviationsveränderung verfolgen zu können.
Als Beispiel für die Größe der Anderung der Ablenkungsbeträge innerhalb
von Stunden und von einem Tag zum anderen mögen die Beobachtungen
in der 0 m-Tauchtiefe vom 20, und 21. Mai 1931 dienen. Am 20. Mai wurden
innerhalb 4 Stunden 114 Deviationswerte beobachtet, und zwar in der 1, Stunde
29 Werte, in der 2. Stunde 28 Werte, in der 3. Stunde 29 Werte und in der
4. Stunde 28 Werte. Einen Tag später (am 21. Mai) sind in derselben Tauchtiefe
nochmals 35 Werte gemessen worden, Die zeitliche Veränderung der einzelnen
Deviationswerte in bezug auf die Sollkurve läßt sich zahlenmäßig ebenfalls mit
Hilfe der Berechnung ihrer Streuung ausdrücken; folgende mittlere Streuungen
sind aufgetreten:
Erste Zweite ritte | Vierte | Ta, n
Stunde | Stunde | Zn | Stunde | MpS | Zusammen
Anzahl der Werte 29 | 28 | 2 | 28 | % 149
Mitilere Streuung +2.4° 4220 | 22.29 41.59 | A 19° 210
Die Veränderung der Deviationsbeträge von einer Woche zur nächsten
soll an der Deviationsbeobachtung vom März 1935 nachgeprüft werden, Am
11. März wurden in der 0 m-Tauchtiefe 43 Deviationswerte und eine Woche später
(am 18, März) in derselben Tauchtiefe nochmals 27 Werte beobachtet, Die mittlere
Streuung der Werte vom 11. März errechnete sich zu -+2.6°, und diejenige der
eine Woche später gemessenen Werte zu 1-3.1°. Außer diesen 70 Deviations-
werten sind früher (am 2, und 9. März) noch 28 weitere Werte beobachtet worden,
Die mittlere Streuung dieser gesamten 98 Werte betrug +4 2,7°.
Die Nachprüfung der Deviationsänderung von einem Monat zum anderen
gestattet die Deviationsbeobachtung des Jahres 1931, wo sich die Messungen auf
die Monate Mai, Juli und August verteilten, Als Beispiel sollen hier die Devia-
sionsbeobachtungen auf der + 1 m-Linie dienen, die vom 8. Juli mit 78 und vom
3, August mit 32 Werten vorliegen. Von den insgesamt 110 Ablenkungswerten
errechnet sich die mittlere Streuung zu 4+2.2°, Ein Wert hatte eine Abweichung
von 16° vom Sollwert. Unter Fortlassung dieses Falschwertes beträgt die mittlere
Streuung der 77 Werte vom 8, Juli 4+2.1° und der 32 Werte vom 3. August
+1.1°; die 109 Werte insgesamt weisen eine mittlere Streuung von -+1.,84° auf,
Als Beispiel für die Veränderung der Deviationsbeträge von einem Jahr
zum nächsten seien die Werte der 0 m-Tauchtiefe aus den Jahren 1934 bis
1937 gewählt, In Abb, 14 sind die für diese Tauchtiefe ermittelten Soll-Devia-
tionskurven übereinander aufgezeichnet. Der größte absolute Unterschied zwischen
Aiesen vier Kurven beträgt 10°, im Durchschnitt betragen die größten absoluten
Unterschiede rund 6°,
Diese willkürlich herausgegriffenen Beispiele zeigen also, daß auf der „Ahne“
weder in den ganz kurzen noch in den längeren Zeitspannen nennenswerte Ver-
änderungen der Deviationsbeträge eingetreten sind. Wenn aber der Zeitliche
Wechsel des Schiffsmagnetismus tatsächlich die Hauptursache für die Deviations-
änderungen wäre, dann hätte sich dieses auch bei den Deviationsuntersuchungen
auf der „Ahne“ zeigen müssen, weil dieses Schiff im Laufe der Jahre durch
Umbauten usw. in seinen magnetischen Eigenschaften stark verändert worden
ist. Die Veränderlichkeit des Schiffsmagnetismus besitzt also nicht die Bedeutung,
die man ihr in der Devjationsfrage eingeräumt hatte. Meines Wissens ist auch