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Full text: 68, 1940

164 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1940. 
ab den Wert Null annimmt, ist die Gerätedeviation stets vorhanden. Für solche 
Kompaßströmungsmesser gibt es also keine Tiefe, in der die Ablenkung der 
Kompaßnadel unberücksichtigt bleiben darf; auch bei Messungen von eisenfreien 
Schiffen oder Flößen aus sind die beobachteten Strömungsrichtungen mit mehr 
oder weniger großen Ablenkungswerten behaftet, 
Das Vorhandensein der Ablenkung der Kompaßnadel in magnetischen Strö- 
mungsmessern. durch die Eisenteile des Meßschiffes ist schon längere Zeit bekannt, 
Im Schrifttum hat vermutlich als erster K, Grein (ı) im Jahre 1912 auf diese 
Erscheinung hingewiesen [zitiert nach Thorade (1s)]. Seitdem sind unzählige 
Messungen mit Kompaßströmungsmessern, die in früheren Jahren fast ausschließ- 
lich für Richtungsmessungen im Meere gebraucht wurden, ausgeführt worden, 
ohne daß zunächst die Frage nach der Größe und der Art der Ablenkung der 
Kompaßnadel untersucht worden wäre. Im Jahre 1921 schreibt Schott (0): „Es 
muß wundernehmen, daß, soweit hier bekannt, bisher von keiner Seite diese 
Frage in der Literatur behandelt worden ist, ob schon Hunderte und Tausende 
yon Tiefenstrommessungen in den verschiedensten Ländern mit dem Ekman- 
Apparat ausgeführt, bearbeitet und veröffentlicht worden sind.“ Erst mit der 
Aufnahme der hydrographischen Arbeiten in der Nordsee durch die Kriegsmarine 
in Zusammenarbeit mit der Deutschen Seewarte und dem Institut für Meersskunde 
vom Jahre 1921 ab wurde der Deviationsfirage besondere Beachtung geschenkt, 
und zwar wurden eigens zu diesem Zweck Deviationsbeobachtungen durchgeführt, 
Die hierbei zunächst angewandten Untersuchungsmethoden waren verschiedener 
Art. Folgende drei Methoden kamen hauptsächlich zur Anwendung (7): 
a) Die Sichtmethode. Die Richtung der Strömungsmesserachse im Wasser 
wird bei dieser Methode nach Sicht von Bord aus mit Hilfe des Schiffskompasses 
festgestellt. Aus dem Unterschied zwischen dieser Richtung und derjenigen, 
die die Kompaßnadel im Strömungsmesser anzeigt, ergibt sich die Größe der 
Deviation. 
Abgesehen davon, daß diese Methode in der Regel nur für geringe Tauch- 
tiefen benutzt werden kann (von der Trübe des Wassers abhängig), liefert sie, selbst 
bei ruhigem Wetter, wegen der Schwierigkeit einer genügend genauen Richtungs- 
bestimmung, vor allem auch wegen Täuschung der Richtungsschätzung infolge 
wechselnder Strahlenbrechung bei Wellenschlag, nur rohe Annäherungswerte, 
b) Bei der Bootsmethode werden von einem hölzernen Boot, das in der 
Nähe des eisernen Meßschiffes verankert wird, gleichzeitige Richtungsmessungen 
ausgeführt. Der Unterschied zwischen den mit Deviationswerten behafteten 
Richtungsangaben des Strömungsmessers an Bord des eisernen MeBschiffes und 
denjenigen des hölzernen Bootes, die von Deviationswerten frei sind, soll die 
gesuchte Ablenkung ergeben. 
Daß diese Art der Deviationsbestimmung leicht zu falschen Ergebnissen 
führen kann, dürfte außer Zweifel sein. Denn erstens wird in den oberen Wasser- 
schichten die Strömungsrichtung durch das größere Meßschiff in ganz anderem 
Maße beeinflußt als durch das kleine Boot, so daß der Unterschied in der Kich- 
tungsangabe neben der Deviation noch den Einfluß des Schiffskörpers auf die 
Strömung enthält. Eine nachträgliche Trennung der beiden Werte dürfte sehr 
schwierig oder sogar unmöglich sein, Ferner bringt der verschiedene Meßort 
der beiden Strömungsmesser dadurch eine weitere Unsicherheit in die gemessenen 
Richtungswerte, daß die Strömungsrichtung an den beiden Orten an sich ver- 
schieden sein kann. Schon geringe Unebenheiten der Meeressohle können selbst 
bei dieht benachbarten. Punkten Unterschiede in der Strömungsrichtung hervor- 
rufen. Dazu kommt noch die Strömungsunruhe, die ein mehr oder weniger 
starkes kurzfristiges Pendeln der Strömungen bedingt; da diese Unruhe an den 
örtlich auseinanderliegenden Punkten nicht gleichzeitig und gleichmäßig vor sich 
geht, kann auch hierdurch eine Deviation, besonders aber eine Streuung der 
Deviationswerte, vorgetäuscht werden. Es könnte mithin der Unterschied der 
zemessenen Richtungen als „Deviation“ bezeichnet werden, während er sich in 
Wirklichkeit aus der Deviation un d der Verschiedenheit der Strömungsrichtungen 
an den beiden Meßorten zusammensetzt.
	        
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