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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

Defant, A: Scylla und Charybdis und die Gezeitenströmungen in der Straße von Messina. 151 
Wir haben die Möglichkeit diese mehr rechnerischen Ergebnisse, die zwar 
zur Grundlage die beobachteten Zahlenwerte am Nord- und Südausgang der 
Straße haben, durch die Beobachtungen zu prüfen. Was die vertikale Gezeit 
betrifft, stimmen sie mit den Ergebnissen der Mareographenaufzeichnungen, die 
an verschiedenen Stellen der Straße gewonnen wurden, ausgezeichnet überein; 
insbesondere ist die fast auf Null herabgehende Amplitude der Gezeit im Bereich 
des engsten Abschnittes der Straße durch die Beobachtungen belegt. Die Expe- 
dition des Forschungsschiffes „Marsigli“ hat aber auf dem Querschnitt Punta 
Pezzo—CGanzirri auf 106 m Wassertiefe eine 15tägige Ankerstation zum Zwecke 
ron Strommessungen in den Tiefen 5, 10, 20, 30, 50 und 90 m ausgeführt, die 
von außerordentlichem Wert für die Aufhellung der Stromverhältnisse an der 
angsten Stelle der Straße von. Messina sind, Prof, F, Vercelli hat diese Strom- 
M2+S2 
Amplitude cm Phase 
0" 80 160 
Cm/seg - 
Dr m/set 
ref ) 
U 
A 
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4 
3. 
DO 
Abb. 6. Stromverhältnisse in der Meeresstraße von Messina, 
Nach den Beobachtungen auf der Ankerstation der R. N. „,Marsigli“, 
Rechts „Reststrom“, links Amplitude und Phase der M, + S.-Welle. 
messungen harmonisch analysiert und die Ergebnisse benutzt, um den Ablauf 
der Stromverhältnisse in der ganzen Meeresstraße damit festzulegen. Uns inter- 
essieren hier vor allem die Stromkomponenten der M,-} S,- Welle, die ja auch 
die bedeutenderen sind. Das Verhalten dieser Komponenten ist übersichtlich in 
Abb. 6 wiedergegeben. Zunächst ist festzustellen, daß im allgemeinen Mittel bis 
nahezu 30 m Tiefe Strom nach Süden, von da bis zum Meeresboden Strom nach 
Norden herrscht, wie auch aus der Dichteverteilung der angrenzenden Meere 
zu erwarten ist, Aber die Geschwindigkeiten dieses Stromes sind klein, im Maximum 
an der Oberfläche und. in den größeren Tiefen von der Größenordnung 10 om/see. 
Dies war zur Zeit der Messungen des Forschungschiffes „Marsigli“ der Fall, 
braucht es aber nicht immer zu sein, Im Gegenteil, es können, wie schon 
Vercelli betont, bei bestimmten Wetterlagen und Windeinfluß Geschwindigkeiten 
Dis zu 50 em/see vorkommen. Viel bedeutender sind die periodischen Gezeiten- 
ströme. In der ganzen Wassersäule herrschen — man kann wohl sagen — 
dieselben Verhältnisse; der Gezeitenstrom erfaßt gleichförmig die ganze Wasser- 
masse. Die Phase dieses Gezeitenstromes war an der Station rund 140°, Die 
Zeit des stärksten Stromes nach Norden ist demnach 4.7b, die Zeit des stärksten 
Stromes nach Süden 10.7, die maximalen Geschwindigkeiten sind etwa 160 em/sec. 
Nach den früher erwähnten theoretischen Überlegungen hätte man genau 5,9% 
und 11.9%* als die Zeiten stärksten Stromes nach Norden und Süden erwarten 
sollen, Die Beobachtungen zeigen eine Verfrühung dieser Eintrittszeit um 
1,2 Stunden, Diese Erscheinung ist sicherlich zu deuten als eine Wirkung der 
zroßen Reibungseinflüsse, denen die Wassermassen bei ihrer periodischen Hin- und 
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