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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1890 No. 1 —
als früher der Fall war. So wurde auf Wunsch der Theilnehmer und mit Rücksicht auf die Wichtigkeit
dieser Gegenstände für den jetzigen Standpunkt der wissenschaftlichen Nautik, dem mathematischen Theile
die Theorie der Methode der kleinsten Quadrate, der sphärischen Astronomie theilweise die Theorie der
Sonnenfinsternisse hinzugefügt. Die letztere konnte indess wegen des vorzeitigen Schlusses des Kursus,
auch in der vorgesehenen Beschränkung, nicht ganz zu Ende geführt werden.
Es wurde Herr Fromm schon am 1. September, Herr Canin am 20. September von der Vorgesetzten
Behörde abberufeu, wobei noch der Unterricht vom 8. bis 20. September wegen Erkrankung des Haupt
lehrers Eylert zum grössten Theil hatte ausfallen müssen und Herr Fromm erst am 16. April in den Kursus
hatte eintreten können.
Der Besuch der Werkstätten von Optikern, Mechanikern und Chronometermachern fand auch in diesem
Jahre, wie in früheren statt, ebenso wie praktische Beobachtungen an Bord von eisernen Schiffen zur
Untersuchung der DeviationsVerhältnisse des Kompasses an Bord von eisernen Schiffen theils im Hafen,
theils auf Fahrten auf der Unterelbe ausgeführt wurden.
Trotz der bedeutenden Abkürzung, welche der Unterricht in diesem Kursus, wie schon oben angegeben,
erleiden musste, können die Resultate desselben mit vollem Rechte als befriedigend bezeichnet werden.
Namentlich ist nicht daran zu zweifeln, dass durch denselben den Theilnehmern eine Anregung und viele
nützliche Fingerzeige gegeben worden sind für ein von denselben zweifelsohne fortgesetztes Weiterstudium
der wissenschaftlichen Nautik. Ob aber die Früchte eines solchen dem eigentlichen Zweck, der Art des
Unterrichts in den Navigationsschulen zu gute kommen, hängt wohl ebenso sehr von den Vorschriften hierfür,
als vom Verständniss der Lehrer ab, und vermag die Direktion nicht zu unterlassen, an dieser Stelle darauf
hinzuweisen, dass nach ihrer Ansicht, ganz abgesehen von einigen anderen Punkten, den Methoden der
Ortsbestimmung zur See durch graphische Festlegung geometrischer Oerter (Standlinien) eine höhere Auf
merksamkeit geschenkt werden sollte.
In den Monaten Januar bis März des Berichtjahres wurde auch vielfach vom Hauptlehrer des Kursus
Unterricht ertheilt. So erhielt Herr A. Stucken aus Moskau, welcher später einer Expedition nach Syrien
als astronomischer Beobachter sich anschloss, und schon im Vorjahre 28 Unterrichtsstunden an der See
warte genossen hatte, in dieser Zeit im Ganzen 120 Stunden Unterricht über die Theorie und Praxis
geographischer Ortsbestimmungen. Ferner wurden 4 Schiffskapitaine in zusammen 68 Stunden in der Lehre
vom Kompass und seinem Verhalten an Bord eiserner Schiffe unterwiesen.
Mit dem 8. November des Berichtsjahres begann ein Kursus über astronomische und magnetische
Ortsbestimmungen, Anstellung meteorologischer Beobachtungen auf Reisen u. s. w., an welchem sich die
nachfolgenden Herren betheiligten:
1) Abtheilungs-Ingenieur Iiochstetter aus Stuttgart.
2) Premier-Lieutenant Volckamer von Kirchensittenbach vom König]. Bayerischen Leibregimeut.
8) Premier-Lieutenant Schaeffler vom Königl. Preussischen Infanterie-Regiment No. 13.
Die drei genannten Herren beabsichtigen ihre Thätigkeit den Deutschen Kolonial-Unternehmungen in
Afrika zu widmen und die im Kursus sich erworbenen Kenntnisse daselbst zu verwerthen.
Als Lehrer an diesem Kursus fungirte ausschliesslich der Assistent der Seewarte Eylert.
Der Kursus wurde bis zum Ende des Monats März im nachfolgenden Jahre fortgesetzt.
In der Zeit vom 25. Oktober 1890 bis über den Schluss des Jahres hinaus arbeitete der frühere
Schiffskapitain Solist auf der Seewarte, um sich eine gründliche Kenntniss der Lehre von den Kompass
deviationen und ihrer Kompensation zu erwerben. Derselbe wurde, soviel es nur dem Hauptlehrer Eylert
die Zeft erlaubte, von diesem unterwiesen. Endlich erhielt noch ein seitheriger Obersteuermann, der die
Führung eines eisernen Schiffes übernehmen sollte, in 31 Stunden Unterricht über die Lehre von der
Deviation des Kompasses.
Die wissenschaftlichen Kolloquien. Die Frequenz der einzelnen Kolloquien, sowie auch deren Anzahl
war in dem Berichts-Jahre nicht so erfreulich, wie früher. Wir wmrden an einer anderen Stelle auf den
Verlauf dieser nützlichen Einrichtung für das wissenschaftliche Leben des Instituts zurückkommen.