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Full text: 68, 1940

Neuere Veröffentlichungen. 
139 
sichert. Bemerkenswert ist, daß — im Gegen- 
satz zum Nordpalargyebiet — selbst im wärmsten 
Monat, Januar, ein Gebiet von 26 Mill, km* Tempe- 
raturen unter dem Gefrierpunkt bat, Hierbei nimmt 
das Költegebiet in der Halbkalotte etwa um den 
Öreenwich-Meridian fast den doppelten Raum cin 
ie anf der pazifischen Gegenseite, im Zusammen. 
hang mit der oben schon erwähnten weitreichenden 
Bis- und Kaltwasserverfrachtung aus dem Weddell- 
meer (Bouret-Strömung), Ausführlich besprochen 
werden die jährliche Periode der Temperatur, die 
neridionalen Temperaturgradienten, mit denen die 
interdiurne Veränderlichkeit der Temperatur ziem 
ich eng gekoppelt ist, und die mittleren Ab. 
‚reichungen der Monatstemperaturen, Am Südpol 
wird die Temperatur des köältesten Movats zu 
— 45% (reduziert auf Meeresnivean) angenommen, 
die des wärmsten zu — 14°, Eine ähnlich große 
Schwankung, von 32°, ist bei Framheim-— Little 
Amerien belegt: anf der Macquarie-Insel (55° S-Br., 
159° O-Le.) ist die jährliche Schwankung auf 31/,° 
abgeklungen. Hervorgehoben wird die Erscheinung 
des sogenannten „kernlosen Winters“, die aber wohl 
auch im nö: dliebken Polargebiet vorhanden ist (Franz 
Josef-Land fast gleiche Monatstemperatur von 
249 bis — 261/49 von Dezember bis März). In den 
großen Anderungen der Temperatur von Tag zu 
Tag am Rande der Antarktis prägt sich die starke 
Veränderlichkeit der Wetterlaspgen ebenso "aus wie 
in den Abweichungen der Monatsmitiel von Jahr 
zu Jahr das Vorhandensein wechselnder Großwetter- 
jagen, Im Zusammenhang mit der interdiurnen 
Femperaturveränderlichkeit spricht Meinardus 
die Auffassung aus, daß von einer Übertragung 
kalter Luftmassen aus der Antarktis bis in die 
Breiten um 5095 und entsprechenden Vorstößen 
einer antarktischen Polarfront nicht die Rede sein 
könne, Da die Zirkulation auf der Südhemisphäre 
grundsätzlich nicht anders verläuft als auf der 
Nordhemisphäre, wo die arktische Luft durchaus 
bis in die subtropischen Breiten geführt werden 
kann, scheint der Verfasser den Begriff „antark- 
sch“ hier im engeren Sinne, mehr mit Bezug auf 
die bodennahen Lufteigenschaften als auf den 
Ursprubgsort, zu gebrauchen, 
Allerdings ist zu bemerken, daß Meinardus 
auch im nächsten Kapitel „Luftdruck und 
Wind“ zu dem Ergebnis kommt, daß der Luft. 
Massentransport aus der Antarktis heraus — ab- 
gesehen. von den drei Ausbruchstellen im Adelie- 
land, am Mac-Murdo-Sund und an der Ostseite 
des Grabamlandes — verhältnismäßig unbedeutend 
ist. An den erwähnten Ausbruchstellen erfolgt der 
Kaltluftabiluß jedoch mit großer Beständigkeit und 
oft mit ungehenrer Gewalt, Wie hierbei, 80 zeigt 
sich auch schon im jährlichen Gang des 
Lußftdrucks, daß die Verhältnisse in den ver- 
schiedenen antarktischen Sektoren — trotz des 
naturbedingten Vorherrschens «der rein zönalen 
Zirkalation — durchaus nicht so einheitlich sind, 
wie man von vornherein erwarten möchte. Der 
„Roßmeer-Typus“ der Jahresschwankung ist wesent- 
lich verschieden von dem der Westantarktis, und 
wieder anders als beide ist die Luftdruckschwan- 
kung auf dern subpolaren Inseld. Die grüßeren 
Luftdruckwellen Ange > 5 mm) zeigen an 
den Stationen zwischen und 80° S,-Br. fast die 
gleiche mittlere Amplitude (14 mm bis 17 mm), sind 
aber in der subantarktischen Westwindzone — mit 
3 bis 4 Tagen mittlerer Dauer — erheblich kürzer 
als weiter südlich, wo am Rande der Roßeistafel 
ihre Dauer auf 6 bis 7 Tage ansteigt. Das Bild der 
Luftdruckverteilung wird nur für das Jahr 
segeben (Fig, 12); es läßt als Charakteristikum die 
ang dem Kontinent angescehmiegte, nur beim Gra- 
bamland offene „Klammer“ der subantarktischen 
Tiefdruckfurche (unter 740 mm) erkennen, der 
segenüber das antarktische Hoch nur schwach in 
Kracheinung tritt, Die Frage der glazialen Anti- 
zyklene und des Polazwirbels in der Höhe 
wird anschließend ausführlich erörtert, wobei der 
Verf. im ganzen zu einer Ablehnung der bekannten 
Aobbsschen Theorie von der glazialen Antizyklone 
als beherrschendem Aktionszentrum kommt. 
Im jährlichen Gang der Windstärke 
aind die Verhältnisse räumlich ähnlich ungleich- 
artig wie beim Luftdruck-Jahresgang: Neben den 
zu erwartenden Winter-Maxima der Windstärke 
sommen auch Frühjahrs- und Herbst-Maxima vor, 
and das Auffallendste sind wohl die subantark- 
‘ischen Som mer-Maxima auf Kerguelen und Süd- 
zeorgien. Die antarktischen Stürme sind oft 
örkanartiig, vielfach durch Plötzlichkeit des Ein- 
setzens ausgezeichnet und fast immer mit Erwär- 
nung verbunden, da sie die kältere Boden-Laft- 
schicht aufwirbehln. 
Aus dem Abschnitt „Bewölkung“ sei erwähnt, 
jaß an allen Südpolarstationen völlig bedeekter 
Himmel in der Regel mehr als die Hältte aller 
3eobachtungen umfaßt: ein Zeichen des Vor. 
herrschens zyklonaler Witterung, Immerhin gibt 
% am Rande der Roßeistafel etwa TO heitere Taye 
m ‚Jahr, während die Laurie-Insel in der West- 
vindzone deren nur vier im Durchschnitt zählt 
gegen 280 trübe Tage, bei 353 Frosttagen). 
= Eingehender behandelt Meinardus dann die 
Frage des Niederschlags und der Verdun- 
stung, die für das Problem der Ernährung des 
\nlandeises von Bedeutung ist, Da der antark- 
tische Niederschlag meist. in Schneestürmen fällt 
and seine Menge durch direkte Messung daher 
gaum zu erfassen ist, werden vom Verfasser alle 
Zchneezuwachsmessungen sorgsam diskuliert. Es 
argibt sich, daß der gesamte Kontinent — nebst 
Schelfeis und Packeiszone — unter einer aktiven 
Vereisung steht, d. h. daß der Niederschlag überall 
jen Wasserverlust durch Verdunstung übertrifft. 
Dem entspricht die auswärts gerichtete Bewegung 
ler Inlandeisdecke, wobei der Wasserhaushalt der 
Antarktis nach Meinasrdus Berechnung mit 
10 mm Überschuß des Niederschlags über die Ver- 
Junstung im Gleichgewicht sein würde, Die ant- 
ırktische Antizyklone, die durch die Niederschlags- 
leindlichkeit absteigender Luftstrüme und yadiales 
Ausblasen von Treibschnee der Ernährung des 
(nlandeises entgegenwirkt, engt hiernach die Wirk- 
zamkeit des „Polarwirbels“ lediglich ein, vermag 
sie aber picht zu überbieten. . 
Hiermit ist der Inhalt des Allgemeinen Teils 
yrob umrissen. Der folgende Spezielle Teil 
zibt dann eine ausgezeichnete Schilderung der 
elimatischen Verhältnisse der einzelnen Gebiete, 
zus der zugleich die Geschichte der kampf- und 
opferreichen Antarktisforschung‘ durchleuchtet, 
Weonn au der deutschen Gauß-Station ein Schnee- 
urm aus Ost zu Nord unterbrechungsios 
155 Stunden (mit mittlerer Stärke von 8,6 Bft.) 
lauerte, an der australischen Station Kap Denison 
zu 12 Stunden-Mittel des Windes von 39.7 m/see 
rorkam und am diesem sturmreichsten Ort der 
Erde die mittlere Windgeschwindigkeit in der 
Mehrzahl der Monate zwischen 20 und 25 m/see 
lag, wenn an der schwedischen Snow Hill-Station eine 
ille Junidekade das Wiodgeschwindierkeitsmittel
	        
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