Neuere Veröffentlichungen.
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sichert. Bemerkenswert ist, daß — im Gegen-
satz zum Nordpalargyebiet — selbst im wärmsten
Monat, Januar, ein Gebiet von 26 Mill, km* Tempe-
raturen unter dem Gefrierpunkt bat, Hierbei nimmt
das Költegebiet in der Halbkalotte etwa um den
Öreenwich-Meridian fast den doppelten Raum cin
ie anf der pazifischen Gegenseite, im Zusammen.
hang mit der oben schon erwähnten weitreichenden
Bis- und Kaltwasserverfrachtung aus dem Weddell-
meer (Bouret-Strömung), Ausführlich besprochen
werden die jährliche Periode der Temperatur, die
neridionalen Temperaturgradienten, mit denen die
interdiurne Veränderlichkeit der Temperatur ziem
ich eng gekoppelt ist, und die mittleren Ab.
‚reichungen der Monatstemperaturen, Am Südpol
wird die Temperatur des köältesten Movats zu
— 45% (reduziert auf Meeresnivean) angenommen,
die des wärmsten zu — 14°, Eine ähnlich große
Schwankung, von 32°, ist bei Framheim-— Little
Amerien belegt: anf der Macquarie-Insel (55° S-Br.,
159° O-Le.) ist die jährliche Schwankung auf 31/,°
abgeklungen. Hervorgehoben wird die Erscheinung
des sogenannten „kernlosen Winters“, die aber wohl
auch im nö: dliebken Polargebiet vorhanden ist (Franz
Josef-Land fast gleiche Monatstemperatur von
249 bis — 261/49 von Dezember bis März). In den
großen Anderungen der Temperatur von Tag zu
Tag am Rande der Antarktis prägt sich die starke
Veränderlichkeit der Wetterlaspgen ebenso "aus wie
in den Abweichungen der Monatsmitiel von Jahr
zu Jahr das Vorhandensein wechselnder Großwetter-
jagen, Im Zusammenhang mit der interdiurnen
Femperaturveränderlichkeit spricht Meinardus
die Auffassung aus, daß von einer Übertragung
kalter Luftmassen aus der Antarktis bis in die
Breiten um 5095 und entsprechenden Vorstößen
einer antarktischen Polarfront nicht die Rede sein
könne, Da die Zirkulation auf der Südhemisphäre
grundsätzlich nicht anders verläuft als auf der
Nordhemisphäre, wo die arktische Luft durchaus
bis in die subtropischen Breiten geführt werden
kann, scheint der Verfasser den Begriff „antark-
sch“ hier im engeren Sinne, mehr mit Bezug auf
die bodennahen Lufteigenschaften als auf den
Ursprubgsort, zu gebrauchen,
Allerdings ist zu bemerken, daß Meinardus
auch im nächsten Kapitel „Luftdruck und
Wind“ zu dem Ergebnis kommt, daß der Luft.
Massentransport aus der Antarktis heraus — ab-
gesehen. von den drei Ausbruchstellen im Adelie-
land, am Mac-Murdo-Sund und an der Ostseite
des Grabamlandes — verhältnismäßig unbedeutend
ist. An den erwähnten Ausbruchstellen erfolgt der
Kaltluftabiluß jedoch mit großer Beständigkeit und
oft mit ungehenrer Gewalt, Wie hierbei, 80 zeigt
sich auch schon im jährlichen Gang des
Lußftdrucks, daß die Verhältnisse in den ver-
schiedenen antarktischen Sektoren — trotz des
naturbedingten Vorherrschens «der rein zönalen
Zirkalation — durchaus nicht so einheitlich sind,
wie man von vornherein erwarten möchte. Der
„Roßmeer-Typus“ der Jahresschwankung ist wesent-
lich verschieden von dem der Westantarktis, und
wieder anders als beide ist die Luftdruckschwan-
kung auf dern subpolaren Inseld. Die grüßeren
Luftdruckwellen Ange > 5 mm) zeigen an
den Stationen zwischen und 80° S,-Br. fast die
gleiche mittlere Amplitude (14 mm bis 17 mm), sind
aber in der subantarktischen Westwindzone — mit
3 bis 4 Tagen mittlerer Dauer — erheblich kürzer
als weiter südlich, wo am Rande der Roßeistafel
ihre Dauer auf 6 bis 7 Tage ansteigt. Das Bild der
Luftdruckverteilung wird nur für das Jahr
segeben (Fig, 12); es läßt als Charakteristikum die
ang dem Kontinent angescehmiegte, nur beim Gra-
bamland offene „Klammer“ der subantarktischen
Tiefdruckfurche (unter 740 mm) erkennen, der
segenüber das antarktische Hoch nur schwach in
Kracheinung tritt, Die Frage der glazialen Anti-
zyklene und des Polazwirbels in der Höhe
wird anschließend ausführlich erörtert, wobei der
Verf. im ganzen zu einer Ablehnung der bekannten
Aobbsschen Theorie von der glazialen Antizyklone
als beherrschendem Aktionszentrum kommt.
Im jährlichen Gang der Windstärke
aind die Verhältnisse räumlich ähnlich ungleich-
artig wie beim Luftdruck-Jahresgang: Neben den
zu erwartenden Winter-Maxima der Windstärke
sommen auch Frühjahrs- und Herbst-Maxima vor,
and das Auffallendste sind wohl die subantark-
‘ischen Som mer-Maxima auf Kerguelen und Süd-
zeorgien. Die antarktischen Stürme sind oft
örkanartiig, vielfach durch Plötzlichkeit des Ein-
setzens ausgezeichnet und fast immer mit Erwär-
nung verbunden, da sie die kältere Boden-Laft-
schicht aufwirbehln.
Aus dem Abschnitt „Bewölkung“ sei erwähnt,
jaß an allen Südpolarstationen völlig bedeekter
Himmel in der Regel mehr als die Hältte aller
3eobachtungen umfaßt: ein Zeichen des Vor.
herrschens zyklonaler Witterung, Immerhin gibt
% am Rande der Roßeistafel etwa TO heitere Taye
m ‚Jahr, während die Laurie-Insel in der West-
vindzone deren nur vier im Durchschnitt zählt
gegen 280 trübe Tage, bei 353 Frosttagen).
= Eingehender behandelt Meinardus dann die
Frage des Niederschlags und der Verdun-
stung, die für das Problem der Ernährung des
\nlandeises von Bedeutung ist, Da der antark-
tische Niederschlag meist. in Schneestürmen fällt
and seine Menge durch direkte Messung daher
gaum zu erfassen ist, werden vom Verfasser alle
Zchneezuwachsmessungen sorgsam diskuliert. Es
argibt sich, daß der gesamte Kontinent — nebst
Schelfeis und Packeiszone — unter einer aktiven
Vereisung steht, d. h. daß der Niederschlag überall
jen Wasserverlust durch Verdunstung übertrifft.
Dem entspricht die auswärts gerichtete Bewegung
ler Inlandeisdecke, wobei der Wasserhaushalt der
Antarktis nach Meinasrdus Berechnung mit
10 mm Überschuß des Niederschlags über die Ver-
Junstung im Gleichgewicht sein würde, Die ant-
ırktische Antizyklone, die durch die Niederschlags-
leindlichkeit absteigender Luftstrüme und yadiales
Ausblasen von Treibschnee der Ernährung des
(nlandeises entgegenwirkt, engt hiernach die Wirk-
zamkeit des „Polarwirbels“ lediglich ein, vermag
sie aber picht zu überbieten. .
Hiermit ist der Inhalt des Allgemeinen Teils
yrob umrissen. Der folgende Spezielle Teil
zibt dann eine ausgezeichnete Schilderung der
elimatischen Verhältnisse der einzelnen Gebiete,
zus der zugleich die Geschichte der kampf- und
opferreichen Antarktisforschung‘ durchleuchtet,
Weonn au der deutschen Gauß-Station ein Schnee-
urm aus Ost zu Nord unterbrechungsios
155 Stunden (mit mittlerer Stärke von 8,6 Bft.)
lauerte, an der australischen Station Kap Denison
zu 12 Stunden-Mittel des Windes von 39.7 m/see
rorkam und am diesem sturmreichsten Ort der
Erde die mittlere Windgeschwindigkeit in der
Mehrzahl der Monate zwischen 20 und 25 m/see
lag, wenn an der schwedischen Snow Hill-Station eine
ille Junidekade das Wiodgeschwindierkeitsmittel