Schulze, W.: Temperaturmessungen in der freien Atmosphäre mit schnellen Flugzeugen, 135
theoretische Temperaturerhöhung, Da nie vollkommen windschnittige Meßkörper
gebaut werden können, müssen immer negative Abweichungen bei der Tempe-
raturerhöhung infolge Fluggeschwindigkeit von den theoretisch erreichbaren
Werten eintreten. Die Größe der Abweichungen ist jeweils von der Form der
Temperaturgeber abhängig. Soll der durch die Fluggeschwindigkeit entstehende
Fehler korrigiert werden, so ist zunächst Voraussetzung, daß immer die
gleichen Temperaturgeber benutzt werden, Sind diese mit möglichst großer
Präzision gleich ausgeführt, dann braucht nur für einen Geber die Größe der
Abweichungen bestimmt zu werden, Diese gilt dann auch für die anderen. Aus
der Größe der Abweichung kann für den Temperaturgeber ein Korrektionsfaktor
berechnet werden, mit dessen Hilfe leicht die absolute Temperatur aus den Meß-
werten des Gebers ermittelt werden kann. Die Befestigung des Temperaturgebers
am Flugzeug ist natürlich ebenfalls für die Temperaturerhöhung maßgebend,
Hier muß auch einheitlich verfahren werden, wenn bei Messungen mit mehreren
Flugzeugen eine gleiche und leichte Korrektion erreicht werden soll.
Die Temperaturgeber waren bei diesen Untersuchungen oben an der Kanzel
im Soggebiet des Flugzeuges befestigt. Das Staurohr war dort ebenfalls ange-
bracht, was eine ungenaue statische Druckmessung und damit auch ungenaue
Geschwindigkeitsmessung zur Folge hat. Ob diese Ungenauigkeit von größerem
Einfluß auf die festgestellten Abweichungen ist, wird in späteren Untersuchungen
geprüft werden.
Die Meßflüge wurden in verschiedenen Höhen durchgeführt, und die ange-
zeigten Fluggeschwindigkeiten auf Normaldichte reduziert. Die theoretischen und
gemessenen. Temperaturänderungen wurden auf diese reduzierten Geschwindig-
keiten bezogen. Die gleichmäßige Abhängigkeit der Temperaturabweichungen
von diesen reduzierten Fluggeschwindigkeiten beweist auch noch, daß die Tempe-
raturerhöhungen infolge Fluggeschwindigkeit von der Luftdichte unabhängig sind.
Firma R. Fueß 75 Jahre alt.
Als der Feinmechaniker Rudolf Fueß am 1. April 1865 in Berlin eine Werk-
statt für wissenschaftliche Instrumente gründete, waren bereits erfolgreiche
Bemühungen zur Beseitigung der bisherigen Abhängigkeit von ausländischen,
besonders englischen Instrumentenbauern im Gang, die zunächst vielfach nur
im Nachbau bestanden, bald aber unter Mitwirkung der bedeutendsten Gelehrten
zu eigenen Konstruktionen führten und den deutschen Instrumentenbau draußen
in der Welt bekannt und berühmt machten — wofür auch Namen wie Zeiß-
Abbe, Bamberg, Plath, Ludolph, Seemann, Hechelmann und viele andere
sprechen.
Der Direktor der Deutschen Seewarte G., Neumayer sagt im Jahresbericht
für 1875 bis 1878 über die Firma J, G. Greiner jr., die bereits dem Gründer
der Norddeutschen (seit 1872 Deutschen) Seewarte W, v. Freeden ein von diesem
verbessertes Quecksilber-Barometer für Schiffsbeobachtungen anfertigen könnte:
Zu der Schwierigkeit, in Deutschland Ersatz für die bisher aus dem Ausland
bezogenen Instrumente zu schaffen, „frat noch eine weitere hinzız, welche, wenn
nicht rechtzeitig Abhilfe gebracht worden wäre, recht störend für die Organisation
der Seewarte hätte werden können. 1873 nämlich war J, 6. Greiner jun. in
Berlin... . gestorben, ohne daß er dafür gesorgt hätte, daß die von ihm so
lange und so erfolgreich geübte Kunst der Anfertigung tüchtiger meteorologischer
Präzisions-Insirumente auf Grundlage seiner Erfahrung ein. anderer hätte auf-
nehmen. können, Dank dem bereitwilligen Eintreten einiger Männner von Stellung,
weiche die zur Erwerbung und Erhaltung des Greinerschen Geschäftes erforder-
lichen Mittel aufbrachten, wurde die Werkstätte Greiners fast ohne Unterbrechung
fortgeführt, erweitert und endlich auch so ausgesiuttel, daß sie nicht nur für den
Land- und Seegebrauch meteorologische Präzisions-Apparate jeder Art zu liefern
vermochte, vielhnehr wurde auch olıne Verzug an die Konstruktion selbstregistrie-
render Apparate geschritten, die in der Seewarte und deren Normalbeobachtungs-
stationen in Tätigkeit gesetzt wurden.“