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Full text: 68, 1940

“4 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1940, 
Die Kontinentalität Europas und ihre Anderung 1928/37 gegen 1888/97. 
Von Hellmut Berg, Köln, 
A, Der Begriff der Kontinentalität. 
Der Begriff der Kontinentalität ist zunächst ein rein geographischer und 
bedeutet nichts anderes als den mehr oder weniger großen Einfluß des Landes 
auf eine Sache oder einen Vorgang, Es hätte so durchaus einen Sinn, etwa von 
der Kontinentalität der Seefischpreise zu sprechen. In der Meteorologie will 
man mit der zahlenmäßigen Angabe eines Kontinentalitätsgrades speziell den 
Grad des Landeinflusses auf das Klima eines bestimmten Ortes ausdrücken. In 
der Regel wird aber aus Gründen der praktischen Bestimmbarkeit der Kontinen- 
talitätsgrad des Klimas eines Ortes aus einem einzelnen Klimaelement, im all- 
gemeinen der Temperatur, bestimmt, Wohl spricht man auch von dem kontinen- 
talen Charakter der jährlichen Niederschlagsverteilung,. und Henze hat diesen 
auch in Karten dargestellt (1). Für die Ableitung eines Zahlenwertes der Kon- 
tinentalität ist aber der Niederschlag weniger geeignet als die Temperatur, 
Am besten brauchbar erwiesen hat sich die mittlere Jahresschwankung der 
Temperatur, entweder abgeleitet aus den langjährigen Monatsmitteln oder aber 
das ist bei einem Vergleich der Ergebnisse zu beachten — aus den Monats- 
mitteln der einzelnen Jahre des untersuchten Zeitraumes (Bohnstedt), Folgende 
Definitionen der Kontinentalität des Klimas, die auf der mittleren Jahresschwan- 
kung der Temperatur basieren, sind gebräuchlich: 
K= © . 100: — 20 [Zenker @), Schrepfer], 
- 17 & 
K= A Zür — 20.4 LGorezyüsky (@)], 
K= A 14 [Schrepfer, Bohnstedt (4, 0], 
wobei K den Grad der Kontinentalität in Prozent des reinen Landklimas, A die 
mittlere Jahresamplitude der Temperatur und g@ die geographische Breite bedeuten. 
Diesen Formeln ist gemeinsam, daß sie einen Breiteneinfluß auf die Jahres- 
schwankung der Temperatur ausschalten müssen. Die Jahresamplitude der Tempe- 
ratur nimmt ja nicht nur von der Küste zum Binnenland hin zu,. sondern auch 
mit der geographischen Breite. Die so gewonnenen Daten für den Kontinentali- 
tätsgrad hat Bohnstedt als „thermische Kontinentalität“ des Klimas bezeichnet, 
Spitaler (e) hat neben der Lufttemperatur die Intensität der Sonnenstrahlung $ 
zum gleichen Zweck benutzt und kam zu der Formel: 
Ku led 1008 8) 
130.61 (SS — 8") 
(be bar 8% 8” Temperaturen bzw, Strahlungsintensitäten in Juli und Januar). 
Wenn man unter dem Klima das Zusammenwirken aller meteorologischen 
Faktoren versteht, so muß man logischerweise auch danäch trachten, den Kon- 
tinentalitätsgrad aus einer das Klima. schlechthin — als Gesamtbegriff — be- 
schreibenden Angabe herzuleiten. Eine solche Möglichkeit bietet der Luftkörper- 
begriff, Ebenso wie die Angabe eines bestimmten Luftkörpers das Weiterbild 
eines Beobachtungstages beschreiben kann, ist das Klima eines Ortes (als mitt- 
lerer Zustand über längere Zeit hinweg) festlegbar durch die Angabe der Häufig- 
keit der einzelnen Luftkörper, 
Davon ausgehend hat Dinies die Kontinentalität definiert als (7) 
k = 0/M, 
d.h. als Quotienten aus der Häufigkeit der kontinentalen durch diejenige der 
maritimen Lufikörper. Unter kontinentalen Luftkörpern sind nach der Linke- 
schen Klassifikation zusammenzufassen C, TC und PC, unter maritimen ent- 
sprechend M, TM und PM. Man muß sich entscheiden, ob man die restlichen 
Luftkörper, also T, P, X und XI, unberücksichtigt lassen will, oder ob man sie 
je zur Hälfte den maritimen bzw. kontinentalen Luftkörpern zuteilt, Je nachdem 
ergeben sich, wie leicht einzusehen, etwas verschiedene Werte von k, und zwar
	        
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