Schumacher, A.: Monatskarten der Öberflächenströmungen im Nordatlant, Ozean usw. 123
Bedingungen entsprechen den von Ekman angenommenen Verhältnissen: Wind-
richtung und -geschwindigkeit sind von einer Beständigkeit wie kaum sonst auf
der Erde, und die Meeresoherfläche steigt nach Norden än (vgl. A, Defants
Meridionalschnitt durch die tropischen Breiten!), so daß ihre Neigung der An-
nahme einer Küste rechts von der Windrichtung bei Ekman entspricht. Der reine
Triftstrom ist in dem Bereich (etwa 13° bis 25° N) vorwiegend in den Nordwest-
qyuadranten gerichtet (H. H. F, Meyer, S. 23, Fig, 2, und O.-H. Felber, Taf, 2,
Abb. 6 bis 8), Es erhebt sich also die wesentliche Frage, ob unter den obwal-
tenden Tiefen- und sonstigen Verhältnissen der zu erwartende „mäandrierende“
Tiefenstrom so verläuft und stark genug ist, um mit dem Triftstrom einen
Oberflächenstrom zu veranlassen, dessen Strömungslinien über dem Westabhang
des Rückens nach Norden konkav sind, Angesichts verschiedener noch offener
grundlegender Fragen (Einfluß der Schichtung, Höhe der unteren Reibungstiefe)
und verschiedener Vorbehalte, die Ekman selbst im Jahre 1928 zu seinen hierher
gehörigen Ergebnissen von 1923 gemacht hat (Journal du Conseil 3, S. 104 ff),
scheint dies zweifelhaft, und es wäre zu begrüßen, wenn die vorstehenden Erwä-
gungen dem Schöpfer der Theorie der Meeresströmungen als geeigneter Anlaß
erscheinen würden, für den vorliegenden Fall seine theoretischen Ergebnisse mit
den Beobachtungstatsachen zu vergleichen, — Wichtig ist hier ein Ergebnis, zu
dem A. Defant von ganz anderem Ausgang her gekommen ist, Auf seiner Karte
„Mittlerer Stromverlauf in der ozeanischen Troposphäre, berechnet aus den
Neigungen der troposphärischen Sprungschicht“ („Meteor“-Werk Band VI, 1. Teil,
Beilage XXXVI), kurven die Pfeile bzw. Strömungslinien zwischen 15 und 25° N,
43 und 45° W, also über dem Ostabhang des Mittelatlantischen Rückens, weit nach
Norden, sogar nach Nordnordosten aus (entsprechend dem Verlauf der 4000 m-
Linie), um einige Längengrade weiter westwärts, über dem Westabhang des
Rückens, scharf nach Süden und Südsüdwesten zurückzubiegen. Die Lage des
Bogens, die offensichtlich mittelbar durch den Rücken bedingt ist, entspricht —
mit dem weitesten Ausschlag nach Norden unmittelbar über dem Rücken — also
nicht dem Verhalten eines Tiefenstromes im Sinne Ekmans (Arkiv för Mate-
matik, S. 61, und Journal du Conseil, 3, 1928, S, 104ff) — Unter Zugrunde-
legung von Defantis Karte wäre der bogige Verlauf der Oberflächenstromlinien
über dem Mittelatlantischen Rücken als eine grundsätzlich in der ganzen Dicke
der Troposphäre vorhandene Erscheinung anzusehen, deren Ausmaße in der
Oberfläche durch den reinen Triftstrom gedämpft werden.
Die Karten tragen, wie mehrfach betont wurde, über ziemlich großen Ge-
bieten noch vorläufigen Charakter. Die bemerkenswerten Abweichungen, die sie
gegenüber den letzten vorhergehenden Darstellungen zeigen, erscheinen jedoch
durch die Beobachtungen — und teilweise auch durch die Theorie — genügend
gestützt, Hinsichtlich der grundsätzlichen Unterschiede sei noch folgendes be-
merkt: Karten, die auf vektoriellen Mittelwerten beruhen, fingieren m. E. einen
[dealzustand, der in allen ihren Teilgebieten sicher niemals gleichzeitig vorhanden
sein wird, und für dessen einigermaßen zuverlässige Ermittlung aus weiten Ozean-
gebieten wohl niemals die wirklich erforderliche Anzahl von Beobachtungen wird
beigebracht werden können; vielfach sind die Unterlagen spärlich über lange Zeit-
räume verteilt. Demgegenüber sollen Darstellungen wie unsere zunächst nur an-
geben, welche Strömungsrichtungen und -geschwindigkeiten in den verschiedenen
Meeresgebieten am häufigsten beobachtet worden sind (und dementsprechend
mit mehr oder minder großer Wahrscheinlichkeit erwartet werden können),
Für praktische Zwecke haben sie offenbar mehr Sinn und Wert als die Karten
der erstgenannten Art, aber auch für Lehrzwecke und als Grundlage rein wissen-
schaftlicher Erörterungen dürften sie ebenso nützlich sein, Beiläufig besteht
auch mehr Aussicht, daß das gefundene Strömungsbild tatsächlich einmal über
weiten Gebieten in der Natur gleichzeitig vorhanden ist,
4) z, B. Sitz.-Ber, Preuß, Akad. Wiss. Phys,--Math. Kl. 1935, XXVIN, S. 15.