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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

Schumacher, A,: Monatskarien der Überflächenströmungen im Nordatlant. Ozean usw. 121 
Die zeitweilige Unterbrechung des Gegenstromes über dem Mittelatlantischen 
Rücken steht auch mit den morphologischen Verhältnissen des Rückens im Ein- 
klang: In unmittelbarer Nähe des Äquators, bis etwa 6° N, also in dem Bereich, 
in dem die Grenze zwischen den beiden Westströmungen im Winter und Frühling 
anzusetzen ist, hat der Rücken Gipfel, die bis 1590 m und 2275 m an die Oberfläche 
heranreichen (unter 2° und 5%° N), Weiter nordwärts, unter 8° N, rechnen Stocks 
und Wüst!) mit einer Satteltiefe von mindestens 4000, vielleicht sogar 4250 m; 
das ist in der geographischen Breite des Hauptstromstrichs des Gegenstroms 
während der Sommer- und Herbstmonate, Bemerkenswert ist ferner, daß die 
Stromfäden beim Überschreiten des Rückens über dessen Nordabhang nach 
Norden, also contra solem, ausbiegen. Nur im September ist dieses Ausbiegen 
schwach angedeutet; im Juli und besonders im August und Oktober ist es deutlich 
ausgeprägt. Hierin ist eine grundsätzliche Übereinstimmung mit V. W. Ekmans 
bekannter Figur eines Tiefenstromes über endlosen geraden Schwellen im Meeres- 
boden zu sehen®), zumal Ekman bereits 1906 ausgesprochen hat, daß der ÄAqua- 
torialgegenstrom der Theorie nach ein „Tiefenstrom“ (also Gradientstrom) sein 
müsse*), — Auf einen mutmaßlichen Zusammenhang zwischen der Richtung des 
pazifischen Gegenstroms und einer bis zu 2000 m unter dem Meeresspiegel auf- 
ragenden isolierten Bodenerhebung hat kürzlich G, Schott“) hingewiesen, gleich- 
falls unter Bezugnahme auf Ekmans theoretische Ergebnisse, 
Auch das Verhalten der beiden Äquatorialströmungen, besonders der nörd- 
lichen, veranlaßt zu Betrachtungen über mögliche oder wahrscheinliche Zusammen- 
hänge zwischen Oberflächenströmung und Bodenformen. 
Die westnordwestliche bis nordwestliche Richtung des Nordäquatorialstromes 
an seiner Wurzel hat bereits zu mehreren Erklärungsversuchen Anlaß gegeben 
(polwärtige Beschleunigungen, vereinte Wirkung der südamerikanischen Nord- 
ostküste und des Südäquatorialstromes®°). Hiermit kann aber zum mindesten 
nicht das Wiedereinschwenken nach Westen, zum großen Teil nach Westsüdwesten, 
über der westlichen Hälite des Ozeans erklärt werden, das auf den meisten 
Karten unverkennbar hervortritt, zumal sich der Südäquatorialstrom weiter 
westwärts immer stärker als „Widerlager“ geltend machen müßte, Außerdem ver- 
Jäuft auch der Südäquatorialstrom auf unseren Karten nicht einfach in Richtung 
Ostsüdost— Westnordwest. Im Januar®) liegen seine nördlichsten Stromfäden 
von 1° 5, 11° W bis etwa 12° N, 43° W, d.h. auf der etwa 2100 sm langen 
Strecke, auf welcher der Mittelatlantische Rücken von Ostsüdost nach West- 
nordwest gerichtet ist, über dessen nördlichen Abhang; sie überqueren ihn nahe 
nördlich der schon erwähnten tiefen Einsattelung und schwenken dann um den 
„westlichen“ Gegenstrom herum nach Westsüdwest. In abgeschwächtem Maße 
200° von Kimm zu Kimm „wandartig sich hinziehende See mit weißen sich brechenden Köpfen, die 
wild durcheinanderlief und sich zackenartig auftürmte‘“, wurde unter 6° N, 43.8° W beobachtet. Leider 
fehlt von dem Beobachtungstag (10. V, 1932) eine Versetzung wegen Unmöglichkeit einer astronomischen 
Beobachtung. Am vorhergehenden und folgenden Tage normale Versetzung durch den Südäquatorial- 
strom {DD „Arnfried‘“), — Noch stärker war anscheinend eine vom D, „Borkum“ am 10, XII. 1938 
unter 4° N, 44° W von 16h bis 17h 50m durchfahrende Kabbelung, die nach unserer Karte für 
Dezember auf der Grenze zwischen dem Südäquatorialstrom und dem westlichen Gegenstrom lag, Die 
weißen Schaumköpfe, die im wesentlichen zegen den Wind (ONO 3) anliefen, stiegen steil hoch bis 
über Reelingshöhe (etwa 3 bis 4m). Das Schiff bebte und zitterte merklich, Um 18h 15m 
yurde Versetzung nach NOzO festgestellt, Vgl. auch E. Römer, Stromkabbelungen vor der Amazonas- 
mündung. Der „Seewart“, 7, 1938, S. 3766, besonders Tab. 1 u. 2 und Taf. 32. — In dem Hinweis des 
Verfassers auf diese Zone häufiger Kabbelungen (Ann, d, Hydr. 63, 1935, S, 375) ist die dort angedeutete 
Erklärung beiläufig an Hand der wiedererweckten Beobachtungen über den Gegenstrom zu erweitern, 
1) „Meteor“ Werk, Bad. JIT, 1. Teil, S, 19, — 2) V. W.Ekman, Über Horizontalzirkulation bei 
winderzengten Meeressträmungen, Arkiv för Matematik usw. 17, Nr. 26. 1922/23, 5, 29 und 51 ff, und Note 
dr the Theoretical Course of Ocean-Currents, Journal du Conseil, 3, Kopenhagen 1928, 8. 104 H., 
auch Journal du Conseil, 3, 1928, S, 316, und A, Defant, Dynamische Ozeanographie, Berlin 1929, 
3.84, — ?) Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen, Ann, d, Hydr. 34, 1906, 8. 535. Die Bemer- 
zung gilt zunächst für den pazifischen EEE kann aber jetzt ja erweitert werden. — *) G. Schott, 
Die et Strömungen des westl. Stillen Ozeans, Ann. d. Hydr. 67, 1939, S. 256/51. — 
5) H,H, F, Meyer, a.a.0. 5.22, — A. Schumacher, Ann. d. Hydr. 63, 1935, S. 379, Anm. 1, — 
5 Die Grenzen der Wind [gebiete sind schon wegen des kleinen Maßstabes der Karten Taf, 5 w. 5, 
nicht aus den Monatskarten der Deutschen Seewarte übernommen worden; ibre Betrachtung in diesem 
Zusammenhang erschien auch wenig ergiebig,
	        
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