Schumacher, A: Monatskarien der Oberflächenströmungen im Nordatlant, Ozean usw. 117
der Neufundlandbank und dem Abfall des britisch-französischen Schelfes, der ja
eben bis zu einem gewissen Grade das Verhalten des nördlichsten. Teils der
Troposphäre widerspiegelt, ist übrigens nicht als starır mit den jeweiligen Monaten
verknüpft aufzufassen. Es soll vor allem eine Vorstellung von der Mannigfaltig-
keit der großräumigen Strömungsbilder gegeben werden, die hier wahrscheinlich
miteinander abwechseln. So wird z.B. das für Januar gegebene Bild oft auch
in den. vorhergehenden Wintermonaten zu finden sein, und Entsprechendes gilt
besonders von der Darstellung für August, November und Dezember, Hier lassen
sich die Stromfäden, die über dem Westeuropäischen Becken nach Süden und
Südwesten umbiegen, zT. in den Labradorstrom zurückvrerfolgen, Dieses Strö-
mungsbild, das von dem bisher gewohnten stark abweicht, wird wohl verhältnis-
mäßig selten wirklich einen ganzen Monat beherrschen; daß es aber vorkommen
wird, leuchtet bei der geringen Öffnungsweite des eigentlichen Atlantischen Ozeans
gegen die subarktischen Gewässer ein; Der Abstand zwischen dem Ostrand der
Großen Neufundlandbank und dem westlichsten Vorsprung des irischen Schelfes
beträgt nur etwa 1275 sm gegenüber 2875 sm zwischen den Schelfrändern vor
Kap Hatteras und Kap Finisterre, Vor allem aber Hegt der Rand der Neufund-
Jandbank 6° südlicher als der des irischen Schelfs.
Auf allen Karten tritt klar eine einseitige Konvergenz hervor, die, vor dem
Golf von Biskaya beginnend, nach Südwesten verläuft, und die somit bereits die
Begrenzung der südöstlichen Ausläufer der Nordostatlantischen Strömung bildet.
Der Portegalstrom hat mit diesen Ausläufern keinen so unmittelbaren Zusammen-
hang: mehr wie auf der Einzelkarte für Februar von H. H, F, Meyer und von
G Schott (aa. 0. 1926) Felbers Darstellung erinnert in manchen Monaten
an die eben genannten Karten; für Juni, Juli, November z, B. nähert sie sich
sehr unserem Befund. Auch hinsichtlich des „östlichen Wirbels“ der in Gestalt
eines Konvergenzpunktes oder eines Kreislaufs (einer „Zirkulation“) die eben
besproöchene Konvergenzlinie meist südlich. der Azoren abschließt, besteht mit
Felbers Karten gute grundsätzliche Übereinstimmung, Da nach V, W, Ekman’)
die Strömungslinien eines Tiefenstromes bei abnehmender Wassertiefe einen Wirbel
„cum sole“ zu bilden streben, und da außerdem der reine Triftstrom nach
H. H, F., Meyer (8.2.0. 5,23, Fig. 2) und O-H. Felber (Taf, 2, Abb, 6 bis 8) hier
zur Bildung eines „cum sole“ Wirbels zu neigen scheint, so ist die gleiche Tendenz
des Oberflächenstromes und damit die Örtisfestigkeit des „östlichen“ Wirbels über
dem Südabhang des Mittelatlantischen Rückens (die auf unseren Karten wesent-
lich größer ist als bei Felber) durchaus einleuchtend. — Westlich des Rückens
ist die subtropische Konvergenz, zu der ja der eben besprochene Wirbel
gehört, nicht mehr besonders deutlich herausgearbeitet, Ein Versuch, die
geographische Breite der Mitie dieses großen Konvergenzgebietes auf Felbers
und unseren Karten zu vergleichen, deutet durchweg auf eine um 2 bis 3% im
September und November stellenweise bis zu 6° südlichere Lage bei Felber, ——
Der Portugalstrom bildet vor der iberischen Westküste besonders im
Februar, April, Mai, Juni und Dezember eine ausgeprägte Divergenz?*), Auf den
Temperaturkarten von GG. Böhnecke*) sind in diesen Monaten durchweg be-
sonders große Nord-Süd-Ausbuchtungen der Isothermen zu. finden, die also zu
diesem Strömungsbild stimmen würden, Auch die bedeutende Temperatur-
erniedrigung unter der portugiesischen Küste im Juli und August (weniger die
im September) steht mit der vorwiegend stark ablandigen Strömung im Ein-
klang. Bei Felber ist eine solche ablandige Komponente nicht vorhanden,
Für eine nähere Erörterung darüber, wo die — auf unseren Karten kaum noch
merkliche — Grenze zwischen dem Portugalstrom und dem Kanaren-
strom in den einzelnen Monaten anzusetzen ist, scheint das Material noch nicht
recht ausreichend, Die Grenze zwischen „unbeständiger“ und „beständiger“
Strömung, an die man denken wird, liegt vor der marokkanischen Küste im
4 VW, Ekman, Über horizontale Zirkulation bei winderzeugten Meeresströmungen, Arkiy £
Matemanuk usw, Bd. 17 Nr. 26. Stockholm 1923, 8. 20. — 2 Für diese Auffücherung möchte man
nach dem Kartenbild die Azoren-Sehwelle (besser Aroren—Madeira-Schwelle) mit den hrem östlichen
Teil aufgesetzten seichten Binken als mitursächlick ansehen, — *%) „Meteor“-Werk, Bd, V, Atlas.