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Full text: 68, 1940

Blüthgen, J.: Sommerwettertypen in Lappland, 
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großer Teil Lapplands mit Lockerablagerungen sandiger oder kiesiger Natur 
bedeckt ist, die an sich von derartigen Spülregen rasch fortgeführt zu werden 
vermögen, erheilt daraus die morphologische Bedeutung des normalerweise dicht 
ausgebildeten Kräuterfilzes für die Erhaltung der Oberflächenformen im Locker- 
material. 
[nsolationswitterung. Unter diesem Begriff sei kurz ein Phänomen berührt, 
das für die sommerlichen Witterungstypen Lapplands vielleicht die größte Be- 
deutung besitzt und auch in der Literatur unter diesem Gesichtspunkt beschrieben 
ist (J. Küttner, Die atmosphärischen Gleichgewichtsverhältnisse über Lappland 
im Polarsommer, Ein Beitrag zur Aerologie der Arktis, Beitr. z. Phys. d. fr. Atm. 
XXIV, 2, Leipzig 19387, S. 98 bis 114; ferner auch Th. Braun und C. Pflugbeil, 
Witterungsverlauf an Sommertagen während einer Reise durch Finnland, Beob- 
achtungszeit 12, bis 15. VII. 1938, Klimatographische Witterungsschilderung Nr. 136, 
Ann. d, Hydr. usw, LXVIT, 9, 1939, S, 466 bis 469), Luftmassen, die meistens mari- 
timer Herkunft sind, und zwar westlicher sowohl wie nördlicher, unterliegen über 
dem lappländischen. Festland besonders dann einer raschen Erwärmung, wenn 
zyklonale Störungen abseits bleiben oder gar ausgesprochenes Hochdruckwetter 
eintritt. Bei klarer Sicht und tiefblauem Himmel bilden sich vormittags einzelne 
Quellwolken (Abb, 8), die aber nur selten zu kompakten Gewittertürmen zusammen- 
wachsen. Die Sonne kann ungehindert einstrahlen, während man von einer leichten 
Brise umfächelt wird. Insbesondere, wenn die Ursprungsluft vom Kismeer stammt, 
besitzt sie einen geringeren Feuchtigkeitsgehalt, als wenn sie vom Atlantik kommt. 
Nach der kräftigen Erwärmung über dem Lande wird sie daher als angenehm 
empfunden, da die relative Feuchte niedrig gehalten wird. Gegen Abend ziehen 
oftmals lockere Stratusdecken auf, die sich tagsüber wieder auflösen, 
Wenn südliche Luftströmung aufkommt, dann sind die Bedingungen für 
stärkere Haufenwolkenbildung günstiger. Dieser Fall wurde an der Eismeerküste 
am 21, VIL 1989 beobachtet. Über dem Festlande wehte leichter SW, morgens 
9 Uhr waren einige leichte Haufenwolken über Land zu sehen, über der See aber 
klarer Himmel, Das Eismeer war spiegelglatt, sogar ohne jede Dünung, Es 
wehte draußen eine schwache Nordbrise, die etwas kühlere Luft brachte. Sie 
war aber so schwach, daß die Wasseroberfläche nicht einmal gekräuselt wurde, 
Im Laufe des Vormittags bildeten sich über Land immer mächtigere Quellwolken, 
and zwar auch überall dort, wo am Horizont Land anzunehmen war, also z. B. in 
Richtung Vardö, ohne daß bei der durch Dunst behinderten Fernsicht das Land 
selbst zu sehen war. Die Wolkentürme schlossen ziemlich genau mit der Küstenlinie 
ab, wie wir am Verlaufe der vielfach zerlappten Küste der Fischerhalbinsel bemerken 
konnten (Abb, 9). Selbst über der nördlichsten Zunge der Fischerhalbinsel stand 
ein nahezu unbeweglicher Wolkenturm kleineren Ausmaßes. Im Süden hatten 
sich bis zum Nachmittag mächtige Quellwolkengebilde aufgetürmt. Wie wir nach 
Rückkehr erfuhren, gab es am Tage landeinwärts mehrere Gewittergüsse, die in 
Ausläufern bis nach Liinahamari reichten. Die Fischerhalbinsel blieb trocken 
und sonnig von kleineren Quellwolken abgesehen. Hier machte sich die schwäche 
Nordbrise auch am Lande bemerkbar. Gegen Abend lösten sich die Gewitter- 
bildungen über dem Binnenlande allmählich auf, ohne auf See hinauszuziehen, 
An der Küste kam es zu örtlichen Wirbelbildungen, die in den Buchten etwas 
Seegang bewirkten, Aber auch diese Erscheinung blieb kurzfristig und lokal 
beschränkt. So hielt sich bei dieser Wetterlage ruhiges und sonniges Wetter nur 
entlang des äußersten Küstensaumes, der eine selbst in Einzelheiten getreue 
Spiegelung in der Wolkenbildung fand, verursacht durch die zyklonal nicht ge- 
störte kräftige Insolation innerhalb kontinentaler Luftmassen. Die schwache 
Nordbrise, die mit keiner weither kommenden Dünung verbunden war. war offen- 
sichtlich monsunaler Natur („Seewind“). 
Ob es sich nun um kontinentale Luftmassen oder um maritime Luft handelt, 
die nach Lappland gelangt war, immer wird eine Luftdrucklage, die ungestörte 
Sonnenwirkung gestaltet, rasch zur Kontinentalisierung der lappländischen Luft- 
hülle führen. Diese Vorgänge unterscheiden sich, aus dem Zusammenhang ge- 
nommen, in nichts von denen entsprechender mitteleuropäischer Breiten, Aber
	        
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