Blüthgen, J.: Sommerweitertypen in Lappland,
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Tropfen geringerer Größe, zeitweise allerdings nahm der Regen die Form von
Gewittergüssen an. In einem Falle löste er sich gegen Morgen in feines Nieseln
aus tiefliegenden Nimbusschwaden auf, die sich mit steigender Sonne auflösten.
Die Luftfeuchtigkeit war dabei hoch; es war diesig, und die Reste der morgend-
lichen Regenwolken wurden unter dem Einfluß der Sonneneinwirkung auf das
feuchte und moorige Land sehr rasch in Haufenwolken umgeformt (Abb, 4), Die
Atmosphäre begann zu „kochen“, und das Spiel wiederholte sich bald.
Bei diesem Witterungstyp kommt die orographische Gestaltung insofern zum
Ausdruck, als die Intensität der Frontalregen durch die Nähe des Gebirges infolge
Lufßftstau verstärkt war. Da sich weder ein intensiver Vorstoß polarer Luft noch
ein kontinentales Hochdruckgebiet durchzusetzen vermochte, verblieb es während
der Zeit (ebenfalls im August) bei dem Hin- und Herpendeln milder Luftmassen,
bald feuchterer, bald trockenerer Natur, Als besonders häufigen Typ wird man
diese Witterung aber nicht bezeichnen können. Vielmehr müssen wir hier zu
etwas anderen Beobachtungen greifen, die mit den vorstehenden gewisse Gleich-
heiten besitzen, was die Einwirkung der Unterlage und der Insolation betrifft,
und die im Juli 1939 festgestellt wurden.
Zufluß von Eismeerluft, Der zumindest in Nordlappland häufige Fall des
Einströmens von Meeresluft vom Eismeer her zeigt je nach der Lage des Tiefs ein
verschiedenes Gepräge, Befindet sich das Tiefzentrum in der Nähe des Bottnischen
Busens, dann bedeckt ein ausgedehnter Schirm von Aufgleitniederschlägen den
größten Teil Lapplands, Die Nimbuswolken liegen sehr tief und bleiben meistens
schon an wenig höheren Einzelrücken hängen. Die Luftströmung ist nördlich.
Wir durchfuhren am 1, VIII 1939 von Rovaniemi aus, wo es bereits seit der
Nacht regnete, die gesamte fast 400 km lange Autosirecke nach Pallastunturi
im Nordwesten in geschlossenem Landregen, und zwar während 13 Fahrtstunden,
Die Bewölkung war auf der gesamten Strecke einheitlich bis auf eine geringfügige
Auflockerung, die gegen Abend im Norden von Muonio erkennbar war. Die nied-
eigen Nimben waren dann bereits verzogen, und der darüber befindliche homogene
Stratus zeigte im Nordwesten einige schwache Lücken, Die Temperatur war
während des ganzen Tages normal.
Das Ausbrechen dieses Dauerregens war von uns nicht erwartet worden, da
das Bild streifig beleuchteter gleichmäßiger Wogenwolken am Vorabend, nachdem
vorher schwere Unwetter geherrscht hatten, auf eine Beruhigung hindeutete, Die
Einwirkung des Tiefs setzt sich offenbar vorn Süden nach Norden fort, indem
immer. weitere Strecken von Niederschlag ergriffen werden. Der Beginn einer
Landregenlage konnte beobachtet werden, als wir die Fahrt von Rovaniemi nord-
wärts entlang der Eismeerstraße antraten. Wir befanden uns in Rovaniemi bereits
im Niederschlagsfeld. Die Bewölkung war ziemlich gleichmäßig, hing aber noch
nicht besonders tief herab, Das Nordwärtsübergreifen des im Süden vorbei-
ziehenden Tiefs ging langsam vonstatten, so daß wir dem Niederschlagstreifen
entkamen und in die Randgebiete des Tiefs gerieten, die sich durch lockere
und höhere Nimbusbewölkung kenntlich machten; zu eigentlichen Aufheiterungs-
streifen kam es jedoch erst später und schon im Bereich der Wasserscheide des
Saariselkä, wo seit dem Morgen des gleichen Tages bisher gutes Wetter ge-
herrscht hatte.
Bei flachen Störungen, die Lappland von Westen nach Osten queren, vermag
der Saariselkä trotz seiner geringen absoluten Höhe (400 bis 500 m im Durch-
schnitt) eine äußerst markante Stauwirkung zu entfalten. Am 10. VIL 1939 be-
fanden wir uns im nördlichen Vorlande des Saariselkä am Luttojoki. Es war
irübes, regnerisches Wetter mit niedrigen Nimbuswolken und schwachem Nordost.
Um eine Lokalerscheinung konnte es sich bei dieser Wetterausbildung nicht handeln,
Telephonisch konnte von einem Hof aus festgestellt werden, daß der mitten auf der
Wasserscheide gelegene Hof Laanila nur zeitweilig Regenwetter hatte, dazwischen
jedoch nebliges Wetter, In Rovaniemi gab es während des ganzen Tages über-
haupt keinen Niederschlag, und die Sonne schien. Wie uns Einheimische be-
stätigten, wirkt der Saanriselkä in dieser Weise öfters als Regenfänger, Die
Temperatur betrug zu gleicher Zeit gegen 13°.