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Full text: 68, 1940

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1940, 
Sommerwettertypen in Lappland. 
Von Joachim Blüthgen. 
(Hierzu Tafel 4.) 
In einem Gebiet, in dem feste meteorologische Beobachtungsstationen selten 
sind, besitzen wir naturgemäß für eine Darstellung des Klimas nur eine statistische 
Grundlage von sehr summarischem Charakter, In einer geographischen Be- 
trachtung des Klimas werden da, wo man dazu in der Lage ist, neben den 
errechneten mittleren Zuständen auch die charakteristischen Abläufe bestimmter 
Wettertypen herangezogen. Dies kann geschehen miltels exakter, d.h. ebenfalls 
durch Messungswerte unterbauter Luftkörperuntersuchungen oder aber lediglich 
durch die möglichst eingehende Wiedergabe von Beobachtungen im Verlaufe 
mehrfacher Bereisung, Mit der letzteren Möglichkeit wird sich der Geograph 
noch in allen meteorologisch weniger erschlossenen Gebieten behelfen müssen. In 
dieser Beziehung sei auf die inhaltreichen klimatographischen Witterungsschilde- 
rungen hingewiesen, die in den „Ann, d. Hydr, usw.“ veröffentlicht werden. In 
ihnen findet der Geograph m. E. das, was ihm statistische Angaben allein nicht 
zu geben vermögen: die räumliche Anschauung, 
Die vorliegenden Beobachtungen sind aus meinen Aufzeiehnungen zusammen- 
gestellt, die von mehreren Reisen nach Lappland stammen. Zusammen mit Prof, 
G. Braun besuchte ich 1932 die Pite Lappmark und 1936 Norrbotten bis nach 
Karesuando und über den {finnischen Enontekiszipfel hinweg zur norwegischen 
Grenze, 1938 konnte ich einige Zeit in Abisko verbringen und 1939 schließlich 
bereiste ich, begleitet von Dr. U. Kriesche, Finnisch-Lappland im Laufe von 
mehreren Wochen, Ich muß die Bemerkungen deshalb voranschicken, weil der 
Zeitpunkt und die Örtlichkeit bei Einzelbeobachtungen entscheidend mitsprechen, 
Aus der inzwischen gesammelten mehrsommerigen Erfahrung über die Witterungs- 
verhältnisse in Lappland können somit bestimmte Lagen herausgegriffen werden, 
die die besonderen lappländischen Bedingungen hervortreten lassen, 
Kalte Nordwestluft. Am 19. VIII 1932 befinden wir uns in Arjepluog am 
Hornavan-See, Auf der Rückseite eines vorübergezogenen Tiefs strömt mit 
nordwestlichen bis nördlichen Winden, die in den nächsten Tagen unvermindert 
anhalten, kühle, böige maritime Polarluft ein. Die Bewölkung ist relativ stark, 
und der Wolkenzug ist rasch. Es sind mehrere Schichten zu unterscheiden, meist 
handelt es sich um Cumulonimben, aber auch einzelne Stratusdecken befinden 
sich stellenweise darunter, Der Himmel ist nicht stets vollkommen bedeckt, viel- 
mehr klart es zeitweise und an den verschiedensten Stellen auf; lediglich die im 
Westen erkennbare Gebirgsmauer der Fjälle steckt mit ihren höheren Teilen 
ununterbrochen in Wolken (vgl. Abb. 1), Die Luft ist im übrigen außerordentlich 
klar und diatherman, dazu offenbar recht trocken, denn die Temperatur sinkt 
am gleichen Abend trotz keineswegs völligen Aufklarens rasch ab. Es wurden 
gegen 9 Uhr nur noch 45° an einem Hauswandthermometer beobachtet. Die 
auch nachts ausbleibende völlige Aufklärung verhinderte allerdings ein noch 
stärkeres Absinken der Temperatur, Mangels Feuchtigkeitsmessungen konnte der 
Taupunkt nicht bestimmt werden, es kann aber angenommen werden, daß bei 
völliger Klarheit nachts Bodenfrost eingetreten wäre. Dies ist keine allzu 
große Seltenheit in diesem Monat. Er tritt bei der hier geschilderten Wetterlage 
ein, die maritimen Polarluftmassen schaffen erstmalig zum Herbst hin die Vor- 
aussetzungen für intensive nächtliche Abkühlung. Advektivfrost ist natürlich zu 
dieser Zeit dagegen noch nicht möglich, soweit es sich um. die tieferen Lagen 
handelt. Die Temperatur betrug nachmittags noch -+ 10°, ihr kräftiges Absinken 
abends war darum recht spürbar, Dabei hatte der Hafer in den kleinen Haus- 
feldern noch kaum Ähren gesetzt und die Kartoffeln waren in Blüte. 
Die Wetterlage blieb mit durchweg stärkerer Bewölkung und kräftiger Nord- 
westluftzufuhr tagelang erhalten. Von Jäkkvik aus, wenige Kilometer südlich des 
Polarkreises, konnte gleichzeitig ein näherer Eindruck der Witterung in den Bergen, 
die diesen Ort umgeben, gewonnen werden. Am Hange des Peljekaise, eines 
Randfijälls der Überschiebungszone, wurden in etwa 1000 mn Höhe Graupelschauer
	        
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