Boßmann, F.: Über die Bildung und Auflösung des Hayels.
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Nehmen wir z.B. den für Zuwachs recht günstigen Fall, daß tx = 0%, tz dagegen
gleich — 20° ist, so wird mit dem runden Wert von cp = 0,5:
My
Mg
An ein selbst so kaltes Hagelstück können auf diese Weise flüssige Wassertropfen
von 0° nur in einer Gesamtmenge von +} der Hagelkornmasse angelagert werden,
Dabei ist noch nicht einmal der Wärmeübergang aus der Luft von über 0°, die
das Hagelstück durchschneidet, mit in Rechnung gestellt. Er setzt jene Menge
noch etwas herab. .
Allerdings gilt die Überlegung nur für Sätligung mit Wasserdampf, also
bei Hagelfall dureh Wolken, wo freilich allein auch flüssige Wolkenteilchen. zur
Anlagerung vorhanden sind. Beim Fall im wolkenfreien Raum schafft die Ver-
dampfung des Eises an der Hageloberfläche sehr günstige Verhältnisse für die
Erhaltung des Hagels infolge der großen Verdampfungswärme des Eises von
rd. 600 goal, Eben wegen der Verdampfung und wegen des Fehlens Nüssiger
Wolkenteilchen ist jedoch an einen Zuwachs des Hagelsteins nicht zu denken,
sondern lediglich an seine Erhaltung über lange Fallräume hinweg oft bis zum
Boden unter Einbuße des ziemlich geringfügigen Teils, der verdamplt.
In der Tat kann man gelegentlich die Beobachtung machen, daß besonders
große Hagelsteine irgendwo am Rande der Gewitterwolken meist ganz vereinzelt
herunter kommen, wenn sie hoch oben bald nach der Bildung infolge günstiger
Luftströmungsverhälinisse von der Hagelwolke ausgespuckt werden, Dies beob-
achtete ich auf dem Feldberg im Schwarzwald am 27, Mai 1981. Es war sehr
seltsam, diese großen tomatenförmigen, ganz vereinzelt bei teilweise blauem
Himmel von 14,19 Uhr bis 14.47 Uhr, also 28 Minuten lang, fallenden Hagelsteine,
die sich tief in den weichen. Boden eingruben, Unwillkürlich kam mir die Vor-
stellung: der Herrgott schmeißt mit Steinen, Aber man konnte gut ausweichen,
und ich guckte mir die Sache von. Anfang bis Ende im Freien an, nachdem ich
durch das in Abständen von *% bis 1 Minute erfolgende Aufprallen von einzelnen
Steinen auf das hölzerne Dach des Öbservätoriums erst einmal vor die Tür
gelockt worden war?).
Ähnliches ist auch sonst beobachtet worden, Über einen solchen Hagelfall
am 20. Juli 1880, 16 Uhr, beim Raffinierwerk und Hochofen Prevali in Kärnten
berichtet F. Seeland’), Zunächst gab es normalen Regen und Hagel vermischt.
„Nack einigen Minuten hörte der Regen auf, die Sonne brach durch, und es folgte
ein ca. fünf Minuten. dauerndes merkwürdiges Phänomen. Mit Sausen fielen einzelne
KEisklumpen (denn. der Terminus Hagelkörner taugt dafür richt), Die Menge war
nicht groß; kaum mehr als ein Stück auf den Quadratmeter; die Geschwindigkeit
sehr groß und der Lärm betüubend, Man sammelte einzelne Stücke, welche 47 bis
58 min maßen. Eines hatte 63 mm Durchmesser“, Also auch hier fielen die
Hagelsteine offenbar außerhalb der Gewitterwolke herab,
Einen weiteren entsprechenden Bericht gibt F. HeB von einem Gewitter am
16, Mai 1920 im Mittelgebiet der Iler bei Memmingen®), Eigentliche Gewitter-
wolkenbildungen fehlten am Beobachtungsort, der Himmel war bedeckt mit As
und Cs, darunter gab es nur einige helle Fetzen von Cu. „Um 16.10 Uhr felen
Hagelkörner von. außerordentlicher Größe und. selten beobachteter Form.“ Diese,
sie war kristallin, interessiert uns in diesem Zusammenhang nicht, Das Gewicht
der Hagelsteine betrug 150 bis 180 g, ihr Durchmesser 6 bis 8 em und ihre Dicke
3 bis 5cm, „Es Fielen Hagelkörner von. der beschriebenen. Form nur kurze Zeit,
etwa. 2 bis 3 Minuten und vereinzelt, etwa 1 Stück auf den Quadratmeter“.
Auch in diesem. Falle hatten die Hagelsteine offenbar mehrere Tausend Meter
wolkenfreien Raum durchmessen und waren durch die Verdunstung an ihrer
Oberfläche im wesentlichen erhalten worden,
Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang ein Bericht von R. H,Sulliran
über ungewöhnlich große Hagelksteine, die am 24. Mai 1912 gegen 17 Uhr in
1) Eine ansführliche Beschreibung dieses Hagelwetters erscheint gleichzeitig in der Meteor.
Zitschr. — 2) F, Seeland, Hayelfall, Ztschr, d, österr, Ges, £, Meteor, 15, 378, 1880, — %) Fr. Hosa,
Kristalline Hagelform; Das Weiter 37, 159 bis 160, 1920,