Müller, H.: Sichtrückgang io arktischer Kaltluft über der Ostsee,
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Öberhalb 2000 m 1äßt die Östliche Luftströmung rasch nach und geht in
Höhe der 500 mb-Fläche in eine schwache westliche über (Fig. 6). Es ist also
über 2000 m keine aktive Luftmasse vorhanden, Es ist daher nicht mit Nieder-
schlägen durch Aufgleiten zu rechnen, zumal die Kaltluft keine Beschleunigung
zeigt. Daß nun aber Niederschläge auftreten, liegt an der sich einstellenden
Feuchtlabilen Schichtung. Über dem Wasser liegt das Kondensationsniveau schon
bei 100m. Es wird also leicht erreicht, denn der Temperaturverlauf ist bis
zum Boden feuchtlabil und die Auslöseenergie verschwindend klein, Da nun die
Wolkenbildung bis über 2000 m geht, ist genügend Wolkenluft zur Niederschlags-
bildung vorhanden. Der Aufstieg von Kiel, der um 6h bis 7h angestellt wurde,
ist bei der weiteren Kaltluftzufuhr für den ganzen Tag nicht mehr repräsentativ,
sondern die Schichtung wird noch stärker labil. Die Niederschläge nehmen
weiter zu,
Die Niederschläge: Am 8, XIL tritt um 2% in der westlichen Östsee ganz ver-
einzelt Schnee und Regen auf, die östliche Ostsee ist frei. Um 51 wird weitere
Ausdehnung des Niederschlagsgebietes bis List festgestellt. Über Schweden treten
2benfalls Schneefälle auf, Um 8b tritt noch ein Niederschlagsgebiet bei Adler-
grund—Bornholm und Königsberg hinzu, Um 11% und 14% tritt nun Niederschlag
verbreitet über der westlichen Ostsee, den dänischen Inseln und auch über der
5stlichen Ostsee auf, Das Gebiet erstreckt sich landeinwärts nur bis Stettin,
Mirow und Deutsch-Krone, außerdem haben Travemünde und Wismar keinen
Schneefall, Um 175 tritt noch ganz vereinzelt Schnee bei Fehmarn, Greifswald
und Kolberg auf, alles andere ist schneefrei, Bei weiterer Kaltluftzufuhr und
Iortschreitender Stabilisierung durch Abkühlung in unteren Schichten hören die
Niederschläge langsam auf, Die Luft ist trockener. — Trotz der verhältnismäßig
großen Ausdehnung des Gebietes haben die Niederschläge Schauercharakter, wie
Flugberichte angeben.
Über Südschweden herrschte Nordost 50 km/h. Das Niederschlagsgebiet um
5h über Südostschweden zieht nach Südwesten und ist um 11% unter Verstärkung
bei den dänischen Inseln angelangt. Das Gebiet hatte seinen Entstehungsort
etwa im mittleren Bottenbusen, — Die in der Östlichen Ostsee auftretenden
Niederschläge hängen mit Aufgleitrorgängen im Osten zusammen,
In den verbreiteten Schauern muß die Luft aufsteigen, von unten muß Luft
nachströmen, Es entsteht dadurch eine Konvergenz: westliche Ostsee Ostwind,
Dänemark, Bornholm und Südschweden Wind aus Nordost. Dabei mag auch die
Orographie eine Rolle spielen, so daß der Ostnordost bei Wisby, Windau und
Libau in einen Nordost bei Kalmar, Bornholm, Südschweden und den östlichen
Jänischen Inseln umgelenkt wird. Dadurch wird die Konvergenz verstärkt und
damit die Niederschläge bei Fehmarn, Bornholm und den dänischen Inseln,
Die Niederschläge, die durch Labilisierung von kontinental-arktischer Luft
über warmem Wasser hervorgerufen werden, sind nie großtropfig (nieselartig)?).
Bildet sich nun wie in diesem Fall Schnee, so ist auch dieser sehr dicht
and feinkörnig, so daß bei derartigen Schneefällen eine bedeutende Sichtver-
minderung auftritt, Man hat dabei oft den Eindruck von Nebel, besonders in
der Frühe und vom Flugzeug aus. Verschiedene Flugberichte weisen darauf
hin, Die gemeldeten Sichtweiten waren am Boden 1 bis ? km, während vom
Flugzeug aus die Sicht geringer erscheint, zumal die Wolkenhöhe über dem
Wasser sehr niedrig und die Sicht mit der Höhe rasch abnimmt, Gerade bei
Fehmarn ist die Wolkenhöhe am niedrigsten, weil hier bei Ostwind die längste
Strecke über See vorhanden ist.
Es scheint daher geraten, in solchen Fällen (cAK über warmem Wasser)
auf die Möglichkeit der Niederschlagsbildung durch Labilisierung zu achten,
wobei an besonders prädestinierten Stellen dann auch die Sichtbehinderung sehr
zroß ist, obwohl der Schneefall nie so sehr stark ist (76 Kopenhagener Schlüssel).
Der Schnee ist viel feiner, aber die Anzahl der Flocken ist unverhältnismäßig
viel größer, Die Tagesmenge des Niederschlags ist daher sehr gering. Sie ist
meist 0.0 bis 0,2 mm, bei Rügen 1 mm; nur bei Fehmarn und Flensburg um
3 Siehe auch Findeisen, Met, Zeitschr. 1938, Seite 128 bis 129,