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Full text: 67, 1939

Müller, H.: Sichtrückgang io arktischer Kaltluft über der Ostsee, 
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Öberhalb 2000 m 1äßt die Östliche Luftströmung rasch nach und geht in 
Höhe der 500 mb-Fläche in eine schwache westliche über (Fig. 6). Es ist also 
über 2000 m keine aktive Luftmasse vorhanden, Es ist daher nicht mit Nieder- 
schlägen durch Aufgleiten zu rechnen, zumal die Kaltluft keine Beschleunigung 
zeigt. Daß nun aber Niederschläge auftreten, liegt an der sich einstellenden 
Feuchtlabilen Schichtung. Über dem Wasser liegt das Kondensationsniveau schon 
bei 100m. Es wird also leicht erreicht, denn der Temperaturverlauf ist bis 
zum Boden feuchtlabil und die Auslöseenergie verschwindend klein, Da nun die 
Wolkenbildung bis über 2000 m geht, ist genügend Wolkenluft zur Niederschlags- 
bildung vorhanden. Der Aufstieg von Kiel, der um 6h bis 7h angestellt wurde, 
ist bei der weiteren Kaltluftzufuhr für den ganzen Tag nicht mehr repräsentativ, 
sondern die Schichtung wird noch stärker labil. Die Niederschläge nehmen 
weiter zu, 
Die Niederschläge: Am 8, XIL tritt um 2% in der westlichen Östsee ganz ver- 
einzelt Schnee und Regen auf, die östliche Ostsee ist frei. Um 51 wird weitere 
Ausdehnung des Niederschlagsgebietes bis List festgestellt. Über Schweden treten 
2benfalls Schneefälle auf, Um 8b tritt noch ein Niederschlagsgebiet bei Adler- 
grund—Bornholm und Königsberg hinzu, Um 11% und 14% tritt nun Niederschlag 
verbreitet über der westlichen Ostsee, den dänischen Inseln und auch über der 
5stlichen Ostsee auf, Das Gebiet erstreckt sich landeinwärts nur bis Stettin, 
Mirow und Deutsch-Krone, außerdem haben Travemünde und Wismar keinen 
Schneefall, Um 175 tritt noch ganz vereinzelt Schnee bei Fehmarn, Greifswald 
und Kolberg auf, alles andere ist schneefrei, Bei weiterer Kaltluftzufuhr und 
Iortschreitender Stabilisierung durch Abkühlung in unteren Schichten hören die 
Niederschläge langsam auf, Die Luft ist trockener. — Trotz der verhältnismäßig 
großen Ausdehnung des Gebietes haben die Niederschläge Schauercharakter, wie 
Flugberichte angeben. 
Über Südschweden herrschte Nordost 50 km/h. Das Niederschlagsgebiet um 
5h über Südostschweden zieht nach Südwesten und ist um 11% unter Verstärkung 
bei den dänischen Inseln angelangt. Das Gebiet hatte seinen Entstehungsort 
etwa im mittleren Bottenbusen, — Die in der Östlichen Ostsee auftretenden 
Niederschläge hängen mit Aufgleitrorgängen im Osten zusammen, 
In den verbreiteten Schauern muß die Luft aufsteigen, von unten muß Luft 
nachströmen, Es entsteht dadurch eine Konvergenz: westliche Ostsee Ostwind, 
Dänemark, Bornholm und Südschweden Wind aus Nordost. Dabei mag auch die 
Orographie eine Rolle spielen, so daß der Ostnordost bei Wisby, Windau und 
Libau in einen Nordost bei Kalmar, Bornholm, Südschweden und den östlichen 
Jänischen Inseln umgelenkt wird. Dadurch wird die Konvergenz verstärkt und 
damit die Niederschläge bei Fehmarn, Bornholm und den dänischen Inseln, 
Die Niederschläge, die durch Labilisierung von kontinental-arktischer Luft 
über warmem Wasser hervorgerufen werden, sind nie großtropfig (nieselartig)?). 
Bildet sich nun wie in diesem Fall Schnee, so ist auch dieser sehr dicht 
and feinkörnig, so daß bei derartigen Schneefällen eine bedeutende Sichtver- 
minderung auftritt, Man hat dabei oft den Eindruck von Nebel, besonders in 
der Frühe und vom Flugzeug aus. Verschiedene Flugberichte weisen darauf 
hin, Die gemeldeten Sichtweiten waren am Boden 1 bis ? km, während vom 
Flugzeug aus die Sicht geringer erscheint, zumal die Wolkenhöhe über dem 
Wasser sehr niedrig und die Sicht mit der Höhe rasch abnimmt, Gerade bei 
Fehmarn ist die Wolkenhöhe am niedrigsten, weil hier bei Ostwind die längste 
Strecke über See vorhanden ist. 
Es scheint daher geraten, in solchen Fällen (cAK über warmem Wasser) 
auf die Möglichkeit der Niederschlagsbildung durch Labilisierung zu achten, 
wobei an besonders prädestinierten Stellen dann auch die Sichtbehinderung sehr 
zroß ist, obwohl der Schneefall nie so sehr stark ist (76 Kopenhagener Schlüssel). 
Der Schnee ist viel feiner, aber die Anzahl der Flocken ist unverhältnismäßig 
viel größer, Die Tagesmenge des Niederschlags ist daher sehr gering. Sie ist 
meist 0.0 bis 0,2 mm, bei Rügen 1 mm; nur bei Fehmarn und Flensburg um 
3 Siehe auch Findeisen, Met, Zeitschr. 1938, Seite 128 bis 129,
	        
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