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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1939.
erfolgte über der Ostsee in etwa 55° bis 56° Breite, Legt man als Strömungs-
richtung die Bodenwindrichtung zugrunde, so resultiert das schnellste Strömen
statt dessen in der Breite von Kiel (54° bis 55° Breite).
2. Luftteilchen, die am 6. XIL 14h Königsberg passierten: Legt man wieder
die Isobarenrichtung zugrunde, so erreichen die Teilchen die Südwestküste
Norwegens am 8. XII. 2% Unter Berücksichtigung der Bodenwindrichtung ge-
langen die Teilchen in die Höhe von Flensburg. Bornholm wird von ihnen am
7. um 8% erreicht, Luftteilchen, die etwas südlich von Königsberg nach Westen
strömten, erreichten am 7. um 8h etwa Kolberg. Von hier geht es dicht an der
Küste entlang. Die Teilchen erreichen am 8. XII. um 2h Kiel. Wie man ver-
gleichsweise feststellt, stimmt das mit der Zeit überein, die sich als Ankunftszeit
der AF bei Kiel-Feuerschiff ergab (siehe noch Fig. 4).
Es ist also endgültig anzunehmen, daß die AF am 8, XII gegen 2h bei Kiel
liegt. Um 8% wird sie daraufhin schon über der östlichen Nordsee liegen. Von
dort verläuft sie nach Südosten etwa auf der Linie Magdeburg— Breslau. Aus
der zuerst erwähnten Stromlinienführung (Königsberg 7. XIL. 8%) ersieht man,
daß auch diese Teilchen am 8. XII. 8 schon in Kiel sein können, wenn man die
Stärke der Bodenwinde als Geschwindigkeit zugrunde legt,
Eine gleiche Konstruktion wurde mit den Luftteilchen gemacht, die sich in
1000 und 2000 m am 7. XII 8% bei Königsberg befanden, Diese würden am
8. XIX. 8b in 1000 m auf 6° Ost sein, in 2000 m bei 7° Ost (Fig. 5). In Boden-
nähe waren die Teilchen ja bis etwa 9° Ost gelangt. Daraus geht hervor, daß
in 1000 m die Teilchen am weitesten westlich liegen. Nimmt man nun an, daß
die ersten arktischen Luftteilchen schon vor dem 7. XIL 8b bei Königsberg waren,
was ja schon bewiesen wurde, so folgt daraus, daß in Norderney bis etwa 2000 m
vom 7. bis 8. Abkühlung eintreten muß, besonders in Höhen um 1000 m. Die
Luftmasse muß arktischen Ursprungs sein. Dies zeigt auch der Aufstieg (siehe
nochmal Fig. 3).
Beeinflussung der AK durch die Ostsee: Mit den vorhergehenden Ausführungen
ist nun bewiesen, daß die am 6. XIL 17h in Königsberg vorhandene arktische
Luft am 8. gegen 8 in Kiel und Norderney festzustellen ist. Die Differenz der
äquivalentpotentiellen Temperaturen von Königsberg und Kiel— Norderney beträgt
trotzdem 13° bis 15°, die der aktuellen Temperaturen gegen 11°. Die Wasser-
temperatur betrug nach Messungen der Feuerschiffe Adiergrund, Fehmarnbelt
und Kiel 6°, Die Lufttemperatur in Königsberg am 7. XIL 8% betrug — 10°,
Es bestand also eine Temperaturdifferenz von 16°. Luftteilchen, die um diese
Zeit in Königsberg waren, müssen nach der oben angegebenen Strömungs-
geschwindigkeit am 8, XII 2% bei Adlergrund sein. Die Temperatur beträgt dort
gegen 5h 1°, Bornholm und ein Schiff auf 554° und 17° Ost melden um $h 0°,
während auf gleicher Länge an der Südküste — 4° bis —5° gemessen wurden,
Ein Luftteilchen, das zu der angegebenen Zeit an dem Schiff ist, hat vorher
Memel mit —13° verlassen. Die Temperaturerhöhung beträgt also auf rund
250 km Entfernung 13°, also 1° auf 20 km Weg bei einer Strömungsgeschwindig-
keit von 15 km/h.
Trotz dieser Erwärmung hat in Kiel, Hamburg und Norderney doch Ab-
kühlung eingesetzt, die in Hamburg und Kiel bis 1900 m, in Norderney bis 2100 m
geht, Bis zu dieser Höhe ging, wie schon erwähnt, nur die östliche Luftströmung.
Bei der starken Erwärmung über dem Wasser und dem Nachschub von
kälterer Luft bis 2000 m muß bis zu dieser Höhe eine relativ labile Schichtung
sich einstellen: die Schichtung in Kiel ist über feuchtlabil. Das Kondensations-
niveau mit den Basiswerten von Kiel ist 500 m. Von dort ist Labilitätsenergie
bis 1800 m vorhanden, die bis etwa 2000 m aufgezehrt ist. (Vgl. Klartext Kiel:
350 bis 2000 m !0/,, S, leichter Eisansatz.) Die Kieler Bodenwerte sind für die
Ostsee aber nicht repräsentativ, Legt man die Werte von Fehmarnbelt (1° und
etwa 90 bis 95%) zugrunde, so ergibt sich ein Kondensationsniveau von 100 bis
150 m. Tatsächlich ist auch durch ein Flugzeug als Wolkenhöhe bei Fehmarn
100 m festgestellt worden. Mit diesem Kondensationsniveau ergibt sich eine
Ausgleichshöhe von 2500 m,