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Full text: 67, 1939

Scherhag, R.: Die Erwärmung des Polargebiets, 
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In Tabelle 9 ist für einige über ganz Deutschland verteilte Stationen zu- 
sammengestellt, wieviel Monate in der Zeit von Januar 1934 bis einschl. November 
1938 zu kalt bzw. zu warm waren, In Norddeutschland waren während der 
ganzen Zeit nur 8 Monate zu kalt gegenüber 51 zu warmen, ein Unterschied 
zwischen Sommer- und Winterhalbjahr ist nicht zu erkennen. Nach Süden hin 
nimmt die Zahl der zu kalten Monate ein wenig zu, erreicht aber auch in München 
nicht viel mehr als den dritten Teil der zu warmen Monate, Wir sehen: Sowohl] 
die Winter- als auch die Sommermonate waren in den letzten 5 Jahren 
in Deutschland zu warm. 
Tabelle 9. Anzahl der zu kalten und zu warmen Monate im Sommer- und Winterhalbjahr 
von Januar 1934 bis November 1938, 
| Soramermonate (1V.—1X.) | Wintermonate (X.—111.) | Alle Monate ; 
zu warm | zu kalt zu warm | zu kalt zu warm ! zu kalt 
f 
76 ; a 
23 t > 7 12 
95 5 5 | 49 | 10 
73 7 8 +9 10 
52 8 " 43 16 
20 10 | 43 16 
In Tabelle 10 ist die mittlere Temperaturabweichung des vierten Jahrzehnts 
für eine Auswahl deutscher Stationen bis einschl. November 1938 zusammenge- 
Tabelle 10. Mittlere Temperaturabweichung während des Zeitraums 1931 bis 1938 (°C). 
; - . e webnee- | Frank- | Feld. | Karl ün- | Zug- 
Weste | Berlin | Brocken | TS | Brestan | Cops | furt/Mt. | bem/T.| ruhe | oben | spiüe 
+08 | +08 | +08 | +08 | +09 | +06 | +04 | +06 | +04 | +0.4 | +0.1 | 
stellt, wobei als Normalwert die dem Deutschen Witterungsbericht zugrunde 
liegende Periode von 1874 bis 1934 bezeichnet ist. Es ergibt sich, daß die letzten 
8 Jahre in Nord- und Ostdeutschland im Mittel fast 1° zu warm waren, nach Süden 
hin nimmt der Betrag auf etwas weniger als !/, Grad ab. Daß es sich dabei 
nicht etwa um einen „Stadteffekt“ handelt, geht sofort aus den Beobachtungen 
an den sicher frei gelegenen Orten Westerland auf Sylt und Treuburg in Ost- 
preußen hervor, wo die Erwärmung gleich groß ist wie in Berlin. Auch 
auf den Bergstationen zeigt sich eine Erwärmung von gleicher Größenordnung, 
auf dem Feldberg/Taunus ist diese sogar größer als in Frankfurt/M. Etwa ab 
1500 m Höhe scheint der Betrag der Erwärmung aber geringer zu werden, denn 
er nimmt z. B. von Breslau bis zur Sechneekoppe um 0.2° ab und vermindert sich 
von München bis zur Zugspitze von 0.4° auf 0.1°*). 
In den letzten Jahren ist die Temperatur in Deutschland noch weiter ange- 
stiegen; der fünfjährige Zeitraum von 1934 bis 1938 war in Treuburg sogar um 
1.3°% in Westerland 1.1°, in Berlin 1,2°, Breslau 1.4° und auf dem Brocken 1.0°, 
auf der Zugspitze noch 0.2° zu warm. In Berlin war der November 1938 der 
wärmste seit Beginn regelmäßiger Messungen im Jahre 1769 bisher beobachtete, 
ebenso ungewöhnlich warm war der März 1938. Es ist also noch kein Anzeichen 
dafür vorhanden, daß die Erwärmung bereits den Höhepunkt erreicht hat, es liegen 
aber zahlreiche Beweise dafür vor, daß es sich bei dieser Erwärmung um eine 
langperiodische Schwankung handelt, deren Maximum bald überschritten sein muß. 
5. Eine 110- und 220jährige Periode der Temperaturschwankung. Nächst 
Spitzbergen und der Bäreninsel ist die in letzter Zeit eingetretene Erwärmung 
am größten in Haparanda in Nordschweden. Dort war z. B. seit März 1937 jeder 
Monat zu warm, .das Jahr 1938 brachte es dort auf ein Temperaturmittel von 
+ 4.3°, ein Wert, der das Mittel für den Zeitraum 1859 bis 19251) um 3.7° 
übersteigt. Die Sommermonate standen dabei hinsichtlich ihrer abnormen Wärme 
*) Nachtrag bei der Korrektur: In den letzten 50 Jahren erreicht die Zunahme der ‘mittleren 
Jahrestemperaturen nach F. Steinhauser, Die Meteorologie des Sonnblicks, I (Wien 1938, Bespr. v. 
E. Reichel in Met. Zschr. 1938, 8. 448) immerhin noch 0.5°. 
13) Köppen-Geiger, Handbuch der Klimatologie, Band IIX, S, L 74, 
Westerland/Sylt 
Berlin ........ 
Treuburg ..... 
Breslau ....... 
Frankfurt/M, . . 
Karlsruhe ..... 
München. ..... 
ß
	        
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