Scherhag, R.: Die Erwärmung des Polargebiets.
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Periode beträchtlich wärmer als die erste, wobei die Erwärmung in den
einzelnen Bezirken zwischen 0.25° und 0.64° schwankt. Im Mittel erhält man,
für dieses Ursprungsgebiet des Golfstroms (letzte Spalte der Tabelle 4) eine
Temperaturerhöhung von etwas mehr als 0.4° von 1915 bis 1930, ein
Betrag, der sich in guter Übereinstimmung mit der an der europäischen
Küste stattgefundenen Erwärmung befindet und der bei der bekannten
Konstanz der Meerestemperatur in den Subtropen als recht beachtenswert an-
gesehen werden muß,
£8s hat sich also gezeigt, daß die Zunahme der atmosphärischen Zirkulation
und die Erhöhung der Lufttemperatur fast der gesamten Landmassen der Erde,
yor allem aber der arktischen Gebiete, auch von beachtenswerten Ande-
rungen der Hydrosphäre begleitet ist. Es soll nun das Verhalten der
atmosphärischen Zirkulation während der letzten Jahre untersucht werden,
3. Die atmosphärische Zirkulation in den letzten Jahren. Um das Ergebnis
gleich vorwegzunehmen: Die schon öfters ausgesprochene Vermutung, daß der
Höhepunkt der Zir-
kulationssteigerung
und der Erwärmung
schon erreicht oder
vorüber sei, hat sich
nicht bestätigt. Die
atmosphärische
Zirkulationhatin
diesem Jahrzehnt
und vor allem
während der letz-
ten Jahre eine
weitere Steigerung
erfahren, und die
Erwärmung hat
noch erhebliche
Fortschritte ge-
macht.
Eine Teilunter-
suchung für die
Wintermonate 1933
bis 19351) hatte be-
reits für jenen Zeit-
raum die Fortdauer
einer verstärkten
Zirkulation, kennt-
lich an einer erheb-
lichen Verstärkung Abb. 1 Luftdruckabweichun vom 1. November 1936 bis 31 Oktober 1938
des Druckgradienten 4? % er dem 6Ojährigen Mittel 1874 bis 1933.
vor allem im islän-
dischen Raum, ergeben. In Abb. 1 ist nun die mittlere Abweichung des Luftdrucks
während der letzten 24 Monate vom 1. November 1936 bis 31. Oktober 1938 auf
Grund der im Mitteleuropäischen Witterungsbericht!) veröffentlichten Tabellen
und Karten der Druckabweichung vom 60jährigen Mittel des Zeitraums 1874 bis
1933 dargestellt, wobei die Abweichung im ganzen für 150 Punkte des Karten-
bildes berechnet wurde,
Das Ergebnis ist eindeutig: Sämtliche Aktionszentren waren während
der letzten zwei Jahre noch mehr verstärkt als vordem. Das Islandtief
war um mehr als 2 mb vertieft, und zugleich wiesen sämtliche Hochdruckzellen
übernormal hohen Druck auf: die russische Antizyklone, das Azorenhoch, das
kanadische Maximum und das pazifische Roßbreitenhoch, ebenso zeigte der nach
31) Siehe Abb, 3 in der unter Fußnote 1 angeführten Arbeit. — 2) Herausgegeben von der
Staatl, Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersage in Bad Homburg v, d. Sohe.