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Deutsche Antarktische Expedition 1938/39,
wo noch wenige Stunden vorher Tiefen von etwa 5500 m ermittelt waren, zum
Ostabfall der Bank mit Tiefen von weniger als 2000 m und dem Wiederabfall
nach Süden, wo zwischen der Bank und dem antarktischen Kontinentalabfall
erwartungsgemäß Tiefen von über 4000 m vorkommen, deutlich erkennen. Der
bisher®) vermutete Zusammenhang zwischen dem Gipfel der Maud-Bank und den
verhältnismäßig geringen Tiefen in, der Nähe des südlichsten Punktes des
„Meteor“ 3926, bei Station 130, 3887 m beschickt, werden durch die „Schwaben-
land“ zur Wahrscheinlichkeit,
Aus dem Hauptarbeitsgebiet der „Schwabenland“, bis 70° S, zwischen 16° E
und 5° W, liegen bisher nur sehr wenige Tiefenbeobachtungen vor; es sind dies
Messungen der „Wostok“ (Flaggschiff des Admirals v, Bellingshausen (1819
bis 1821) mit einer Tiefe von mehr als 100 m auf 69'/,° S, 0°, sowie „Quest“
und „Norvegia“, letztere mit einigen Echolotungen, die von der Zirkumpolarfahrt
heimgebracht wurden (1929 bis 1931). Hier werden sich gegenüber den bisherigen
Karten einige grundlegende Korrekturen ergeben; so wird der Landvorsprung
bis 68'/,° S zwischen 5° und 10° E, den die „Norvegia“-Männer so glaubten
zeichnen zu müssen, verschwinden, „Schwabenland“ hat das vermeintliche Land-
gebiet in der Zeit vom 29, I, zum 5. 11. 39 bis fast 70° S und bis 16° E zweimal
gekreuzt und Lotungen erzielt, die meist zwischen 1500 und 2500 m liegen. Die
geringste in diesem Gebiet gefundene Tiefe beträgt 530 m und liegt in dem
Eingradfeld 69°—70° S, 13°—14° E%).
Die größte von „Schwabenland“ gefundene Tiefe vor dem Antarktischen
Festland, im Eingradfeld 68°—69° S, 2°—3° W, beträgt über 4600 m und ent-
spricht größenordnungsmäßig auch anderen vor dem Kontinent gewonnenen Zahlen,
etwa der „Norvegia“, der „Scotia“ und der „Quest“ aus benachbarten Gebieten.
Auch die größten Tiefen im Atlantischen Südpolar-Becken, das zweimal gequert
wurde, passen sich den bisher bekannten Zahlen gut an: 5470 m in den Eingrad-
leldern 58°—59° S und 62°—63° 5, beide 3°—4° E, und 5450 m in den Eingrad-
feldern 60°—62°8, 1° E bis 1° W,
Auf der Heimreise von der Schelfeisküste führte der Weg der „Schwaben-
Jand“ bis 39° 8, wo Kurs nach Kapstadt genommen wurde, stets in der Nähe des
0°.Meridians nach Norden, Hier liegt auch das berühmte „Discovery II“. Profil
vom Jahre 1936, das manche überraschende Züge des Bodenreliefs enthüllt,
soweit die wenigen bisher veröffentlichten Lotzahlen?) erkennen lassen, und es
wird nach endgültiger Verarbeitung der „Schwabenland“-Lotungen reizvoll sein,
beide Wertereihen miteinander zu vergleichen, wenn bis dahin die „Discovery“.
Zahlen vollständig erreichbar sind,
Zwischen den „Meteor”-Profilen VY und III vollführte die „Schwabenland“
vom 18, bis 21, IL. 1939 einen Abstecher nach Westen bis zum Südatlantischen
Rücken, dessen Lage hier im einzelnen noch sehr ungeklärt war, Zwischen
beiden „Meteor“ Profilen kannte man bisher als höchste Erhebung nur eine un-
beschickte „Discovery II“-Lotung von 1530 m (50°—51° S, 7°—8° W). „Schwaben-
land“ ermittelte am 19. IL 1939 in den Eingradfeldern 53°-—54° S, 2° 4° W mehrere
Tiefen von weniger als 2000 m, darunter als geringste Tiefe 1300 m. Es scheint
jedoch, als ob diese Erhebung nicht zum Hauptkamm gehört, sondern westlich
davon gelegen ist,
Den schönsten Erfolg während dieses Abschnittes ihrer Reise hat die
„Schwabenland“ jedoch anläßlich einer Nachprüfung der Disecovery-Bank (42° 8, 0°35)
zu verzeichnen,
Am 1. IIL 39 ermittelten die Lote zwischen 0000* und 0500 Bordzeit einen
Anstieg von 4000 m auf 450 m. Mit dieser Zahl hat die „Schwabenland“ den bis
5 Vgl. Th. Stocks und 6. Wüst, Tiefenkarte 1: 20000000,
%) Eine genaue Bearbeitung der Lotzahlen kann erst. erfolgen an Hand der ansgewerteten stereo-
photozrammetrischen Aufnahmen der Deutschen Antarktischen Expedition,
?) Lists of oceanic depths 1937, ;
$} Vgl. Skizze der Bank und ihrer Umgebung bei Th. Stocks, Statistik der Tiefenstufen des
Atlantischen Ozeans, „Meteor“-Werk, Bd. II1, erster Teil, 2. Lief, 1938, 8. 76€