Stocks, Dr. Th.: Lotarbeiten der „Schwabenland“ Dezember 1938 bis April 1939, 87
Während man bisher zwischen der Tristan da Cunha-Gruppe und der Gough-
Insel, also dort, wo der Südatlantische Rücken infolge der beiderseitigen Abzwei-
gungen (Walfisch-Rücken nach Osten, Rio Grande-Sch welle nach Westen} innerhalb
der 4000 m-Linien seine größte Breite aufweist®), Tiefen von über 3000 m annahm,
unter der stillschweigenden Voraussetzung, daß der Hauptkamm des Rückens
westlich der Gough-Insel verläuft, überraschen mehrere Lotreihen der „Schwaben-
land“ vom 10.1.39 mit Tiefen von weniger als 1200 m in den Gradfeldern
38°.— 40° S, 10°—12° W bei sonst guter Übereinstimmung z. E, mit einer Lotung
der „Quest“ 1922 in der Nachbarschaft,
Bei der Weiterfahrt nach Südosten ergaben mehrere Lotserien bereits am
sächsten Tage wieder eine Erhebung, die man hier nicht erwartet hatte; etwa
in den Eingradfeldern 42°—43° S, 7°—9° W, also am Ostabfall des Südatlantischen
Rückens zum Kap-Becken und somit in ähnlicher Lage wie die vom „Meteor“
entdeckte Admiral Zenker-Höhe, die nur etwa 150 Sm nordöstlich davon liegt,
zeigte das Lot Tiefen von nur etwa 1700 m; ob ein mor phologischer Zusammenhang
zwischen beiden Erhebungen besteht, kann z, Z. noch nicht entschieden werden,
Die sehr schöne Bestätigung für eine Lotreihe des englischen Forschungs-
schiffes „Discovery II“ vom Jahre 1936 ergaben mehrere Lotungen der „Schwaben-
‚and“ in dem Eingradfeld 50°—51° S, 0°—1° W; während „Discovery II“ hier mit
|141 m den HRekord hält, konnte „Schwabenland“ in einem Gebiet von sonst
2500 m bis 3000 m Tiefe nordwestlich der 1141 m-Stelle eine Tiefe von etwa
{800 m bis 1850 m durch mehrere Lotserien ermitteln. Diese Stelle, gradlinig
mit der Alfred Merz-Höhe verbunden (ohne daß dabei ein Zusammenhang
zwischen beiden Gebilden angenommen werden soll), deutet die Hauptstreich-
richtung der Kap-Schwelle an; sie liegt vermutlich in der Nähe der Ansatzstelle
dieser Schwelle am Südatlantischen Rücken, Auf der Rückfahrt vom Antark-
tischen Festland kreuzte in der Nähe dieser Stelle die „Schwabenland“ ihren
Ausreiseweg (am 21. IL 39) und erzielte als weitere Bestätigung der Existenz
dieser Erhebung Tiefen von 1200 m bis 1300 m; dadurch wird es möglich sein,
die Isobathen in diesem Gebiet erheblich besser festzulegen als bisher,
Durch die zahlreichen Lotungen der „Schwabenland“ in der Nähe der Bouvet-
Insel wurde, z, T, mit 1 Minute Abstand, der Inselsockel recht gut vermessen,
Nach erfolgter Beschickung der Lotzahlen wird es zusammen mit den zahlreichen
Lotungen des „Meteor“, der „Discovery II“ und der „Valdivia“ möglich sein, mit
ainreichender Genauigkeit ein Bild dieses Inselsockels zu entwerfen. Bei der
Ausreise steuerte die „Schwabenland“ die Bouvet-Insel von NW kommend an,
kreuzte wenig westlich der Insel das Profil V des „Meteor“ (1926) und setzte
ihren Weg nach Süden fort, etwa 30 bis 40 Sm westlich des „Meteor“. Weges
and parallel zu diesem. Bei der Rückkehr von der Schelfeisküste wurde Bouvet
von WNW angesteuert und nach dieser Richtung auch verlassen, Zweimal wurde
bei dieser Gelegenheit auch die westlich der Insel gelegene Bouvet-Vortiefe
geschnitten, allerdings nicht an der Stelle des „Meteor“, und mit 4800 m (am
17. IL 39) und 4900 m (18, IL 39) bestätigt („Meteor“ 1926: 5090 m beschickt)*%).
Die westlich der Bouvet-Vortiefe gelegene Kapitän Spieß-Höhe (geringste
Tiefe nach „Meteor“; 413 m beschickt) wurde von der „Schwabenland“ ebenfalls
angesteuert und angelotet, Zwischen den beiden Kuppen fand die Expedition
am 15. II etwa 2000 m und damit eine gute Übereinstimmung mit „Meteor“.
Die Maud-Bank (etwa 65° 5, 21/,° E), von dem Forschungsschiff „Norvegia“
1930 nach der Königin von Norwegen benannt, wird nur an ihrem östlichen
Abfall von der „Schwabenland“ berührt; wenn auch die bisher geringste Tiefe
der Bank (1200 m unbeschickt) etwa 30 bis 40 Sm westlich liegt, so lassen doch
die Lotungen der „Schwabenland“ den Anstiez vom Atlantischen Südnolar-Beeken,
| Vgl. Th. Stocks und G. Wüst, Übersichtskarte über die Tiefenverhältnisse des offenen
Atlantischen Ozeans, 1: 20000000, „Meteor“. Werk, Bd. IIT, erster Teil, 1. Lief,, 1935, Beilage T,
4) Erst die Beschicekung der Lotzahlen wird es gestatten, zu beurteilen, ob eine alte Zahl durch
euere Beobachtungen übertroffen wird, Vgl, auch Grundkarte der ozeanischen Lotungen 1: 3000000,
BlL.SIL2, Bearbeitet von Th. Stocks, „Meteor“. Werk, Bd. LI, L Teil, 4, Lief. 1937.