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Deutsche Antarktische Expedition 1938/39,
Während der Beobachtungszeit traten keine stärkeren Schwankungen auf,
so daß ein magnetisch ruhiger Tag angenommen werden darf,
Wie mir Herr Regierungsrat Dr. Burath freundlicherweise mitteilte, beträgt
der für obige Position in der neuesten Seekarte Nr. 1061 angegebene Mißweisungs-
wert 20.4° W, Die festgestellte Abweichung von 1.,8° ist also erfreulich klein.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß für ähnliche Untersuchungen die Mit-
nahme eines guten Schattenstiftkompasses in kardanischer Aufhängung und eines
Bidlingmaierschen Doppelkompasses zu empfehlen ist, Dann können selbst bei
ungünstigen Eisverhältaissen wertvolle Ergebnisse gewonnen werden.
Vor und nach der Expedition wurden Anschlußmessungen in Wingst und
Niemegk, auf der Rückreise auch in Kapstadt ausgeführt,
Ib. Eisuntersuchungen: Die verschiedenen Fahrten ins Treibeis wurden
gleichzeitig benutzt, Eisuntersuchungen und Temperatur- und Salzgehaltsbestim-
mungen des Wassers in Nähe der Eisfelder auszuführen. Wie schon anfangs
hervorgehoben wurde, irafen wir sehr günstige Eisbedingungen an. Die auf-
gesuchten Eisgürtel bestanden aus kleinen, wenige Meter großen Schnee-Eisschollen,
die oftmals übereinandergeschoben waren, Sie erreichten nur selten eine Länge
von 25 m, Auf dem Eissockel befand sich immer eine verfirnte Schneeschicht,
deren Höhe mit der Größe der Schollen zunahm. Wir maßen auf größeren
Schollen Schneehöhen bis zu 60 cm; auf den kleineren hatte sich meist ein Schnee-
sumpf gebildet, Die Bilder 1 und 2 geben den Zustand solcher Eisgürtel gut
wieder, Bei dem unregelmäßigen Wechsel zwischen Eisbrocken und Schollen
war es nur mit aller Vorsicht möglich, längere Strecken über das Eis zurück-
zulegen, Überraschend groß war dagegen die Festigkeit. Es kostete viele Mühe,
mit dem Bootshaken kleinere Eisstücke zu zerschlagen. Dichtebestimmungen
zeigten einen deutlichen Unterschied zwischen Proben unter bzw, über der Wasser-
linie mit mittleren Werten von 0.86 und 0.77, In jedem Falle erkannte man eine
ausgeprägte körnige Struktur,
Zusammenhängende Felder größerer Eisschollen wurden bei allen Flügen
festgestellt. In dem vom Verfasser eingesehenen Raume zwischen etwa 3° und 8° E
befanden sie sich in der Nähe des Schelfeisrandes, Ihnen vorgelagert waren
gelegentlich lose, einzelne Schollen, wie sie Bild 3 zeigt; sehr schön ist darauf
die scharf abgesetzte Schneedecke zu erkennen, In den Waken der dichteren
Eisgürtel (siehe Bild 4) sowie in dem Raume zwischen ihnen und Schelfeisrand
(siehe Bild 5) war am 30. Januar die Neueisbildung schon gut erkennbar, an
vielen Stellen mit Formen von Pfannkucheneis, .
Es verdient hier angefügt zu werden, daß auf dem von uns auf der oben
angegebenen Position betretenem Schelfeis gar kein Firn vorhanden war, Erst
nach mehreren Versuchen gelang 68 uns, ein Eispickel so weit ins Eis zu treiben,
daß man daran das mit dem Flugzeug verbundene Beil sichern konnte.
2. Strahlungsmessungen und Kernzählungen: Der Reiseweg der „Schwaben-
jand“ bot eine günstige Gelegenheit, den Trübungscharakter der Atmosphäre des
Südatlantik während eines Nordwinters auf einem Nordsüdschnitt zu untersuchen,
Die direkte Sonnenstrahlung wurde mit dem Michelson-Aktinometer nachW.Marten
Nr. 380 gemessen. Das mit einem Okularsucher, ausgestattete Instrument konnte
vor der Ausreise im Meteorologischen Observatorium Potsdam geeicht und mit
neuen Farbfiltern RG 2 (1.5 mm dick) und 0G 1 (2.5 mm dick} aus den Potsdamer
Normalschmelzflüssen versehen werden.
Auf dem geräumigen Deck des Schiffes waren genügend gute, vor allem
windgeschützte Beobachtungsplätze vorhanden. Meist maßen wir auf dem Peil-
deck, Gelegentlich machten sich von den Maschinen hervorgerufene Schwingungen
des Schiffskörpers etwas störend bemerkbar. Bei allen mehrfach gemessenen
Sätzen ergab sich eine gute Übereinstimmung. Im allgemeinen betrug die Streuung
weniger als 0,02 cal - em—* . min, in einigen wenigen ungünstigen Fällen
0.035 cal + cm —*, min—l, Vergleichsmessungen, die nach Rückkehr im Geo-
physikalischen Öberservatorium am Collmberg vorgenommen wurden, führten
bei Beobachtungen mit fester Aufstellung und aus freier Hand zu praktisch
gleichen Werten, abgesehen von geringen Streuungen bei der letzten Art der