Ritscher, A.: Die Deutsche Antarktische Expedition 1935/39,
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besonders ozeanographischen und meteorologischen. Von 69° Süd wurde auf dem
Nullmeridian ein hydrographischer und meteorologischer Schnitt mit Stationen
von 120 bis 150 Sm Abstand voneinander bis 39° Süd gelegt, Außeroördentlich
ungünstige Wetterverhältnisse stellten sich diesen Arbeiten aber entgegen. Es
war, als ob Wind- und Meeresgott den uns zugedachten Gesamtanteil an schlechtem
Wetter nur für diesen Teil der Reise aufgespart hätten, Kaum waren mittags
am 6. Februar die Boote von ihrer Unternehmung zurück und wieder an Bord
genommen und kaum waren drei lange Töne mit dem Heuler als unser Abschieds-
gruß an die Antarktis verhallt und Kurs Heimat aufgenommen, da versteifte sich
der Östwind und mächtige Dünung kam auf, die das inzwischen stark geleichterte
Schiff zu ungewohntem heftigen Rollen brachte und alle nicht seefest verstauten
Tassen, Teller und Kammereinrichtungen durcheinander warf, Der Wind ging
nach Westen herum, seine Stärke wuchs zum Sturm, die See wurde mächtig auf-
gewühlt, schwere Dünung von Nord und gleichzeitig eine solche von Westen
taten ihr möglichstes, um den Aufenthalt an Bord auf die Dauer höchst unge-
mütlich zu machen. Mehrmals mußte zwei, einmal drei Tage treibend in schwerem
Sturm die Möglichkeit abgewartet werden, die Stationsarbeiten durchzuführen;
zuweilen trieb das Schiff so stark, daß der Draht der Serienmaschine fast querab
statt senkrecht im Wasser stand; kein Manöverieren mit beiden Maschinen konnte
daran etwas ändern, Aber schließlich war es geschafft; von der letzten Station
auf 39° Süd wurde der Kurs auf Kapstadt gesetzt, wo Geophysiker und Meteoro-
logen ihre Anschlußmessungen vornehmen mußten.
Kapstadt nahm das Schiff freundlich auf; ein Platz am Kai wurde uns
kostenlos zugewiesen; die Einwohner nahmen diese Gelegenheit wahr, um Einrich-
tungen des Expeditionsschiffes und besonders die Pinguine ausgiebig zu be-
sichtigen. Nach knapp zweitägigem Aufenthalt mußten wir aber die Weiterreise
antreten; am 22. März wurde Pernambuko zur Abgabe der Heimatpost an das
Transozeanflugzeug der Deutschen Lufthansa angelaufen, am 11. April Cuxhaven
erreicht, wo am nächsten Tage der Empfang der Expedition durch Vertreter der
Regierung, der Wehrmacht, der Institute und Behörden stattfand. In ihrer Be-
gleitung erreichte das Schiff am 12, abends Hamburg,
Zieht man die Kürze der Reise von nur 117 Tagen und den nur 19tägigen
Aufenthalt am Schelfeisrand in Betracht, so dürfen die Erfolge auf allen Arbeits-
gebieten als überraschend gut bezeichnet werden, Das ist neben der sorgfältigen
mengen- und gütemäßig vorzüglichen Ausrüstung der Expedition und den günstigen
Eis- und Wetterverhältnissen im Arbeitsgebiet, der Sachkenntnis und dem un-
ermüdlichen Fleiß und der Ausdauer aller Expeditionsmitglieder bei ihren Ar-
beiten zu danken und darüber hinaus der vorbildlichen kameradschaftlichen
Zusammenarbeit aller an Bord bis hinab zum jüngsten Mann der Besatzung, die
jedem die Erfüllung seiner Pflichten leicht gemacht hat und nie eine ernstliche
Störung in der Stimmung unserer Arbeitsgemeinschaft aufkommen ließ,
Die biologischen Arbeiten.
Von Erich Barkley, Hamburg, Institut für Walforschung.
Die Eigenart der Expedition schrieb die Arbeitsmöglichkeiten auf biologischem
Gebiet vor, Planyvolle biologische Arbeiten konnten nur auf der Heimreise durch-
geführt werden; im Arbeitsgebiet der Expedition in der Nähe der Schelfeiskante
konnten nur die sich bietenden Gelegenheiten zur Arbeit ausgenutzt werden, Zeit
and Möglichkeit zur Klärung bestimmter biologischer Fragen, die während des
Aufenthaltes an der Eiskante und in dem durchfahrenen Walgebiet auftraten,
waren nicht gegeben, Nach Beendigung der geographischen Arbeiten verließ
die Expedition sofort die Eiskante, um einen biologischen und ozeanographischen
Schnitt auf dem Nullmeridian von 69° S bis 39° S durchzuführen,
Die biologischen Arbeiten sollten in Ergänzung zu denen des Institutes für
Walforschung, Reichsanstalt für Fischerei, der Erforschung der Ernährungsverhält-
nisse der Wale in den durchfahrenen Gebieten des Südlichen Eismeeres dienen.