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Full text: 67, 1939

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Deutsche Antarktische Expedition 1938/39. 
erfassen, darüber hinaus ließen sie noch bis in 50 km Abstand eine gute Deutung 
von Einzelheiten im Gelände zu, und die Grenze der erkennbaren Geländeform 
lag bei etwa 100 km Abstand. Theoretisch konnte also mit jedem planmäßig 
durchgeführten Flug ein 184000 qkm großes Gelände aus 3000 m Höhe über 
Grund photographisch gedeckt werden. Da die Höhe des Geländes im Innern des 
Kontinents unbekannt, jedoch mit 3000 bis 4000 m anzunehmen war, die Steig- 
höhe der Flugzeuge aber höchstens 4000 m betrug, konnte das Optimum der 
photographischen Geländeaufnahme selbstverständlich niemals erreicht werden; 
bei bescheidener Schätzung mußte jeder Flug aber wenigstens etwa 65000 qkm 
im Lichtbild aufgenommenes Gelände erbringen, 
Der Flugweg des jeweils ausgesandten Flugzeuges sollte an Bord des Schiffes 
genau nach den einlaufenden Flugfunkmeldungen verfolgt werden, Das konnte 
dort frei von Raumbeschränkung leichter und sicherer geschehen als auf dem 
Flugzeug, Die sichere Kenntnis des Flugwegs und der Position des Flugzeugs 
in jedem Augenblick war für die Expeditionsleitung aber auch eine unbedingte 
Notwendigkeit, denn nur so konnten die gewonnenen Lichtbilder ortsgetreu aus- 
yewertet, bei einer etwa notwendigen Außenlandung des Flugzeuges seine Landungs- 
stelle sofort bestimmt und die Hilfeleistung durch das Reserveflugzeug unge- 
säumt eingeleitet werden, 
Ehe die „Rauhen Vierziger“ erreicht waren, waren alle Vorbereitungen ge- 
troffen. Zusammen mit dem KEislotsen war erwogen worden, wie am zweck- 
mäßigsten von Bouvet aus weiter zu steuern sein würde, um auf kürzestem 
Wege in das Arbeitsgebiet, dem Sektor der Antarktis zwischen den Längengraden 
20° West und 20° Ost, zu gelangen, Nun reicht ein mehrere 100 Sm breiter 
Treib- und Packeisgürtel meist von der Ostseite von Grahamland zwischen 62° 
und 65° Südbreite ostwärts, oft bis 10° oder 20° östlicher Länge. Seine Aus- 
dehnung in der Breite und nach Osten hin ist abhängig von dem Eisvorkommen 
in den antarktischen Gewässern überhaupt; in eisreichen Sommern kann er im 
Dezember und Januar noch bis nach 20° Ost reichen, in eisarmen weicht er oft 
weit nach Westen zurück, Unmittelbar gespeist wird der Eisgürtel aus der ge- 
waltigen Eiskammer dieser Gegend, dem Weddelmeer, das stets voll von alten 
schweren Schollen ist, die sich in Jahren anstauen und unter dem Druck immer 
größerer, aus dem Osten herandrängender Eismassen übereinanderschichten und 
‚türmen. Vielleicht mußten wir also weit nach Osten ausholen, um danach erst 
auf westlichem Kurse in das Arbeitsgebiet zu gelangen, aber vielleicht fanden 
wir auch den Treibeisgürtel locker genug, um ihn südwärts durchstoßen zu 
können. Da das erst an Ort und Stelle entschieden werden konnte, wurde be- 
schlossen, zunächst auf dem Längengrad der Insel Bouvet so weit südwärts vor- 
zudringen, wie es die Eisverhältnisse gestatten würden. 
Als am 15. Januar Bouvet auf 54° 20’ Süd und 3° 20 Ost erreicht wurde, 
lag ihr nördlicher Teil unter einer dichten Nebeldecke, ihr südlicher, gegen 
dessen zerrissene Steilabhänge die Brandung mit gewaltigem Getöse anrollte, in 
greilem Sonnenschein; er war ganz mit einer mehrere 100 m hohen, nordwärts 
allmählich ansteigenden und dort im Nebel verschwindenden Eiskappe bedeckt. 
Dicht davor trieb verloren ein Eisberg, der sofort das Ziel aller Photoapparate 
wurde; war er doch der erste seiner Art, der uns begegnete, Einige Tage 
später kümmerten uns solche „Kleinigkeiten“ nicht mehr; da schenkten wir Eis- 
inseln von Meilenlänge und an die 80 m Höhe kaum noch einen Blick, Ent- 
sprechend dem gefaßten Entschluß wurde auf dem Längengrad von Bouvet 
3° 24’ Ost rechtweisend Süd gesteuert; bei dieser Gelegenheit konnte auch gleich 
die Maud-Bank abgelotet werden, Am nächsten Tage trieben 53 Eisberge um 
uns herum, einige Wale verschiedener Gattungen belebten das Wasser, aber 
Treibeis war immer noch nicht zu sehen. Auf telephonische Verabredung mit 
Kapt. Kircheiß, dem Führer der Walkocherei „Wikinger“ trafen wir am 
17. Januar den Tanker „Anna Knudsen“, dem wir Funkröhren für die Walkocherei 
„Südmeer“ aushändigten, und der uns dafür den köstlichen Genuß eines Wal- 
fiets, genauer gesagt eines kleinen Teiles davon, vermittelte, Die Tage wurden 
merklich länger. In der nur noch etwa dreistündigen Nacht erlaubte der helle
	        
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