Ritscher, A.: Die Deutsche Antarktische Expedition 1938/89,
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betreute er im besonderen das expeditionseigene Lichtbildmaterial, da er gerade
auf dem Gebiet der Farbfilm-Lichtbildnerei schon über große Erfahrungen auf
eigenen Spitzbergen-Expeditionen verfügte, Der Ozeanograph begann mit seinen
Wasseruntersuchungen, Wassertemperaturmessungen und Probelotungen längs der
portugiesischen und afrikanischen Küste, und von Ascension Island legte er mit
Unterstützung aller dafür verfügbaren Expeditionsteilnehmer eine ununterbrochene
Echolotreihe längs der Südatlantischen Schwelle in !/,-Stunden-, an interessanten
Stellen in 2-, 5- und 10-Minuten-Abständen und in gleicher Weise weiter über
den ganzen Reiseweg bis rückkehrend zum Äquator,
Die allgemeine Emsigkeit, mit der alle Vorbereitungen für die Aufgaben im
Arbeitsgebiet betrieben wurden, erfaßte auch die beiden Flugzeugführer und ihre
Besatzungskameraden, Sie mußten sich um die Ausrüstung ihrer Fingzeuge mit
allen den Dingen kümmern, von denen ihre Sicherheit bei etwaiger Notlandung
im Eis der antarktischen Küstengewässer oder, was wahrscheinlich noch schlimmer
sein würde, auf dem Kontinent selbst abhing. Von einer solchen Ausrüstung
kann man sich erst den rechten Begriff machen, wenn man Zahlen hört. Jedes
der beiden Flugboote wog an sich rund 6300 kg einschließlich der Seecausrüstung,
die ein 4-Mann-Schlauchboot mit Paddeln, Treibanker, Leinen, Werkzeuge u, dgl.
umfaßte; aber dazu kamen rund 4200 kg an Brennstoff, Reservewasser, Navi-
gationsausrüstung, Photogeräten, Abwurfpfeilen und -flaggen, die Besatzung in
ihrer Polarkleidung und ihre Ausrüstung für eine etwa notwendig werdende
Schlittenreise mit Schlitten, Schlafsäcken, Zelten, Skiern, Kochgeräten, Pelzkleidung,
Gewehren und Munition, tragbarem Funksende- und -Empfangsgerät und dazu
für jeden Mann der Besatzung eine Monatsration an geeigneten Lebensmitteln,
Dadurch stieg das Gesamtgewicht des flugbereiten Bootes zwar auf 10’ t, aber
mehrjährige Erfahrung hat gelehrt, daß eine Überladung dieses bewährten Dornier-
Flugboots um '/, £ unbedenklich ist, Alle diese Dinge waren in der Vorbereitungs-
zeit der Expedition beschafft und mußten nun sachgemäß und griffgerecht im
Flugzeug verstaut werden (Bild 2), Tags bei sonnigem, in der Dämmerung und
nachts bei sternklarem Wetter übten die Flugzeugbesatzungen sich in astrono-
mischer Örtsbestimmung mit den vorhandenen Libellensextanten, Geräten, die
leider noch nicht den Anforderungen entsprechen, die auf solchen Flügen an
sie gestellt werden müssen,
Der Expeditionsleitung lag im besonderen die Organisation der beabsichtigten
Flüge ob, Ihre Grundlage bildete die Reichweite, Geschwindigkeit und Steig-
fähigkeit der Flugzeuge unter Berücksichtigung der durch die besonderen Ver-
hältnisse bedingten hohen Zuladung und der Reichweite der eingebauten Reihen-
meßbildkammern. Der aufgestellte Organisationsplan enthielt außer dem Schema
der Flugfolge die Angaben über die zu steuernden rechtweisenden Kurse mit den
zugehörigen Mißweisungswerten, die Flugwege in Kilometern, Vorschriften für die
fMandhabung des Funkmeldewesens, Verhalten bei etwaigen Notlandungen, Einzel-
aufstellungen der Marschaufrüstung für eine mögliche Schlittenreise, des Not-
proviants und des Inhalts der mit der sachkundigen Hilfe des Schiffsarztes
zusammengestellten Bordapotheke mit Gebrauchsanweisung für die einzelnen
Medikamente, Eine andere Anlage zum Organisationsplan enthielt die Maßnahmen
zur Versorgung eines notgelandeten Fiugzeuges mit Lebensmitteln für die Dauer
eines Jahres, Die schematische Anordnung erlaubte den Ansatz der Flüge an
einer beliebigen Stelle und Küste des Arbeitsabschnitts; nur mußte dann der
jeweils gültige Mißweisungswert neu eingesetzt werden. Jeder Flug sollte ein
Rechteck mit etwa 880 km Länge in Nord-Süd-Richtung und 30 km in West-Ost-
Richtung umschreiben, In Abständen von 20 bis 80 km sollten die Flug wege
mit den für diesen Zweck mitgeführten im Großglockner-Gebiet mit Erfolg aus.
probierten, 1.20 m langen metallenen Abwurfpfeilen bezeichnet werden, die Umkehr-
punkte mit solchen Pfeilen und daran befestigter 60x90 cm großer Reichsflagge.,
Die Pfeile trugen ein in ihre Stabilisierungsfläche eingepreßtes Hakenkreuz.
Da die Reihenmeßbildgeräte mit einer Neigung von 20° zur Horizontalen in
das Flugzeug eingebaut war, konnten die Bilder aus 8000 m Höhe nach jeder
Seite das Gelände bis in etwa 25 km Abstand kartierungsmäßig voll auswertbar