84 Bericht über d, zweite Teilfahrt d. D. Nordatl. Exp. d. Forschungs- u. Vermessungsschiffes „Meteor“,
Die Expedition hat neben dem großen wissenschaftlichen Material, das ge-
wonnen wurde, gezeigt, daß es heute möglich ist, auch vom Ozean ohne große
Schwierigkeiten Temperatur-, Druck- und Feuchtemessungen zu erhalten, die für
den regelmäßigen transozeanischen Flugverkehr unbedingt erforderlich sind, Für
kommende Expeditionen ist zu wünschen, daß eine starke internationale Beteili-
gung gelingt, um entsprechend den Ozeankarten auch Karten aus den höheren
Schichten der Atmosphäre zeichnen zu können.
VIl. Nautischer Beitrag.
Von Kapitäpleutnant Wolf Neuendorff,
Wie bei der ersten Teilfahrt der Deutschen Nordatlantischen Expedition
waren dem Kommando auch während der diesjährigen Expeditionsreise ver-
schiedene nautische Versuchs- und Erprobungsarbeiten übertragen worden,
Die Hauptaufgabe bestand in der Erprobung eines Libellensextanten auf
seine Brauchbarkeit für die praktische Navigation. Während die Aufgabenstel-
lung im Vorjahre dahin lautete, mehrere Libellen- und Pendelsextanten auf ihre
Brauchbarkeit ganz allgemein zu prüfen, sollte nunmehr der nächste Schritt, die
Anwendung auf die Navigation erprobt werden. Von den verschiedenen Sex-
tanten wurde der „Ludolph“ ausgewählt, der im Vorjahre die gleichmäßigsten
Ergebnisse erzielte, Mit der Erprobung wurde der Ob, Strm. (V) Völz beauftragt,
der bereits im Vorjahre mit dem Instrument gearbeitet, mit ihm vertraut und
eingearbeitet war. Begonnen wurde mit der Fehlerbestimmung des Instruments,
Die Stellung der Spiegel zueinander wurde berichtigt. Index- und Parallax-
fehler gleich 0. Zur Bestimmung des Beobachtungsfehlers (persönlicher Meß-
fehler, Libellenfehler und konstante Fehler) wurden Beobachtungsergebnisse des
Libellen-Sextanten mit dem wahren Wert der beobachteten Größe verglichen. Zu
diesem Zwecke wurden an Land Höhenmessungen mit dem Zeißschen Repeti-
tions-Theodoliten vorgenommen.
Die Vergleichsmessungen ergaben folgende Werte: Beobachtungsreihen mit
20 und 25 Einzelmessungen ergeben stets kleinere Werte als die wahre Höhe.
Unter der Annahme, daß diese ohne Zusatzbeobachtungen beobachteten Werte
nur durch einen Indexfehler der Libelle — der durch die Anordnung der Spiegel
im Strahlengang für die Libelle möglich ist —- verfälscht sind, wurden folgende
[ndexberichtigungen abgeleitet:
18. IL + 60 +4 2.7 18. VI. + 7.8 + 1.9
7.11 + 5.3 + 3.1 18. VL + 9.6 + 2.6
Die nach Abzug der Mittelwerte verbleibenden Reste ergaben nach der
Methode der kleinsten Quadrate als mittlere Fehler einer Beobachtung die an
zweiter Stelle angegebenen Werte, Die maximalen Abweichungen einzelner Be-
oDbachtungen untereinander betrugen 11’, was durch die Größe der Libelle er-
klärlich ist. Persönliche Meßfehler waren nur gering, da auch andere Beobachter
dieselben Mittelwerte (Indexfehler) bestimmten.‘
Erst danach wurde mit der Durchführung und Auswertung der Messungen
begonnen.
Auf See wurden kurz vor bzw. nach einem wahren Schiffsort Gestirns-
messungen nach 3 bis 9 Gestirnen in Serien von 10 bis 5 Einzelmessungen vor-
genommen, Da der wahre Beobachtungsfehler bei den Messungen an Land stets
kleiner war als der wahre Wert der beobachteten Größe, so wurden die landfest
bestimmten Mittel als Indexberichtigungen zum arithmetischen Mittel der ge-
wonnenen Gestirnshöhen addiert. Außerdem wurden die Gestirnshöhen noch um
den mittleren Wert der astronomischen Strahlenbrechung verbessert. Die Aus-
wertung der Standlinien ‚zeigte durchweg unbefriedigende Ergebnisse und selbst
bei ganz ruhigem Schiff und auf ozeanographischen Stationen, während der
zünstigsten Lage des Schiffes, ist kein auch nur angenähert richtiger Schiffsort
erhalten worden. Im Durchschnitt lag der gewonnene Ort 5 bis 15 Sm vom
wahren Ort entfernt. Die unausgeglichenen Koppelorte an und für sich lagen