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Dr. Joachim Bliithgen: Die Eisverhältnisse des Bottnischen Meerbusens
Die Vereisung begann in den Jahren 1922/23 und 1923/24 jeweils am 1. Dezember und schloß mit dem
letzten Eis am 22. bzw. 27. Mai. Unter Berücksichtigung der Eisverhältnisse der gleichen Winter in dem wenig
nördlicher gelegenen Jakobstad kann man mit einigem Recht annehmen, daß die Eisverhältnisse Vasas nur
wenig von denen Jakobstads abweichen; eine geringe Verkürzung der Eisperiode ist vielleicht gegeben. Im
übrigen herrscht auch hier starkes Festeis bei weitem vor. Zu Beginn sowie zum Schluß treten Unterbrechungen in
Form von Packeis, Treibeis oder leichtem Festeis auf. Die in den Temperaturkurven für Vasa erkenntliche Wärme
periode Anfang Dezember 1923 macht sich deutlich bemerkbar in einer Schwächung des starken Festeises, das sich
Anfang Dezember gebildet hatte, allerdings, wie zu erwarten, etwas nachhinkend. Eine Beziehung der beweg
lichen Eisarten zu Beginn und zum Schluß des Eiswinters 1922/23 zu den entsprechenden Luftströmungsverhält
nissen ist aus den Tägl. Eisberichten nicht klar ersichtlich. Die finnischen Berichte erwähnen nur Festeis, das
teilweise doch bis zu 30 cm Stärke erreicht.
23. Die Eisverhältnisse von Mäntyluoto (Bottnischer Meerbusen). Abb. 28.
Mäntyluoto liegt an der Mündung des Kumo-FIusses unterhalb der Stadt Björneborg (Pori). Vorgelagert
ist ein Schärenhof von nicht sehr großer Breite. Die geographische Lage wird ferner bestimmt durch das Grad
kreuz: 61°36' N und 21°29' E. Eine Mittelbildung stößt auf gewisse Schwierigkeiten, da zwei Winter ziemlich
extrem aus dem übrigen Durchschnitt herausfallen.
Da die Winter 1924/25 und auch 1929/30 sehr mild waren, und die Eisdaten demnach sehr abweichend
sind, wurde zunächst bei einer Durchschnittsberechnung davon abgesehen, diese beiden Winter mit einzubeziehen.
Der aus den übrigen acht Wintern gewonnene Durchschnitt ergab folgende Termine: erstes Eis 28. November, Be
ginn der Hauptvereisung 21. Dezember.
Der Beginn der Vereisung ist durch eine große Anzahl Vorperioden gekennzeichnet, die in der Regel aus
leichtem Festeis bestehen und in ihrer Dauer meist 19 Tage nicht überschreiten, lediglich im Winter 1923/24
wurde die Vereisung noch nach bereits 41tägiger Dauer unterbrochen. Die kurzen Perioden vor der Hauptver
eisung schließen sich ziemlich genau an Kälteperioden an, die Unterbrechungen fallen mit Wärmeeinbrüchen zu
sammen, im ganzen ergibt sich ein recht schnelles Reagieren auf Veränderungen in der Temperatur, wie es von
anderen Stationen nicht in dem Maße festgestellt werden kann. Inwieweit noch andere Faktoren mitwirken, mag
dahingestellt bleiben (vgl. später); daß auch Wind, Tiefenverhältnisse usw. einen wesentlichen Einfluß haben,
ist nach den finnischen Berichten klar, jedoch kann der Einfluß der Temperatur nie ausgeschaltet werden, so daß
(nach den Tägl. Eisberichten) immer eine klare Parallelität zwischen Eis und Lufttemperatur bestehen bleibt.
Die bisher außer acht gelassenen Winter 1924/25 und 1929/30 wiesen einen sehr späten Eisbeginn auf.
Namentlich 1924/25 war sehr mild, erst am 6. März erschien Eis, das sich bis zum 7. April hielt, ohne jegliche
Vor- und Nachperioden. Anders lagen die Verhältnisse in dem anderen milden Winter, 1929/30. Hier trat das
Maximum der Vereisung zwar auch spät, aber immerhin noch Ende Januar ein, ebenfalls ohne vorheriges Eis.
Auffallend ist, daß die Intensität der Vereisung mit dem 1. Februar abnahm, so daß also tatsächlich, was
gänzlich im Widerspruch zu dem übrigen Durchschnitt aller Stationen steht, die Hauptvereisungsperiode, mit nur
14 Tagen, davon 5 mit starkem Festeis, Anfang Februar beendet war. Es folgten noch drei kleinere Eisperioden
mit leichtem Eis, die erste Mitte Februar, die beiden anderen Mitte bzw. Ende März. Das letzte Eis trat hier
noch früher auf, als in dem an „Eistagen“ noch weit ärmeren Winter 1924/25. Die dagegen früheste Eisbildung
war in den Wintern 1925/26 und 1927/28 zu verzeichnen, indem hier jeweils eine Vorperiode schon am 11. No
vember einsetzte.
Der Verlauf der Hauptvereisung zeigt hier gegenüber dem Durchschnitt der nördlicheren Stationen weit
häufiger Störungen und Schwächungen, die allerdings nicht zu einer völligen Unterbrechung der Eisbedeckung
führen, wohl aber Zeiten mit leichtem Eis in die allgemeine Periode mit starkem Festeis einschieben, sogar zwei
Tage mit Treibeis wurden 1927/28 Ende Dezember gemeldet, nachdem bereits starkes Festeis eingetreten war.
Wahrscheinlich steht dieser Aufbruch des Eises in Zusammenhang mit nördlichen Winden, die Ende Dezember ein
traten und bis in die ersten Tage des Januar anhielten. In diesen Tagen wird von allen finnischen Stationen mehr
oder weniger Unruhe im Eis gemeldet, die sich in Rissen oder Rinnen bemerkbar machte, wo nicht Packung oder
Treiben eintrat.
Der Schluß der Vereisung, der wegen vielfach unsicherer Meldung nicht statistisch zu ermitteln ist, dürfte
im Durchschnitt um die Monatswende April—Mai eintreten. In allen Fällen handelt es sich um einen relativ un
gestörten Zerfall, der mitunter sogar ziemlich rasch vor sich geht. 1922/23 wurde das Eis bereits Ende März im
Gefolge eines Wärmevorstoßes in der zweiten Märzhälfte geschwächt, verstärkte sich aber unter der Einwirkung
tiefer Temperaturen Anfang April noch einmal zu starkem Festeis, das erst Ende April, vermutlich hauptsächlich
infolge der dann schon wirksamen Einstrahlung, verschwand, während die Temperaturen noch gar nicht so hoch
waren, z. T. sogar noch unter 0°.
In einigen Jahren schlossen sich an die Hauptvereisung noch einige Nacheisperioden an. 1924/25 war zwar
der Zusammenhang noch nicht gestört, wohl aber zeigt sich in dem Auftreten von Treibeis vor dem endgültigen
Verschwinden, daß hier die Voraussetzungen für eine Unterbrechung des Eiszerfalles gegeben waren. Trotz alle
dem bleibt noch unklar, wie sich nach erstmaligem Verschwinden des Eises bei Temperaturen über 0° noch eine