564 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1934,
Meighen-Insel und Axel-Heiberg-Insel im Laufe der geologischen Entwicklung
der Erde nur unwesentlich änderte, so daß lediglich der westliche Rand des
im Gebiete der Barents-See befindlichen Schelfes eine Scherbewegung entlang
die Nordküste von Grönland ausführte,. In Anbetracht der aus den Karten in
(1) und (&) ersichtlichen, in Bild 1 nur schlecht zum Ausdruck kommenden
Kongruenz des Randes an der Nordwestecke dieses Schelfes (nordwestlich von
Spitzbergen und Nord-Ost-Land) mit dem Schelfrand nördlich von Grönland
und Grant-Land zwischen Kap Bryant in Nyeboe-Land, Grönland und Kap Richards
in Grant-Land ist auch denkbar, daß der nördliche Rand des Schelfes S etwa
250 km weiter nördlich liegt als in Bild 1 gezeichnet ist. Um das gleiche Maß
müßte der sialische Teil des westlichen Randes des Schelfes im Gebiete der
Barenis-See verkürzt werden, and zwar vielleicht da, wo südlich der Bären-
{nsel zwischen 72° und 74° nördlicher Breite die Barents-Senke aufwärts ge-
drungenes Sima vermuten läßt; vgl. Karte in (8).
Für das Vorhandensein von Land bzw. Flachsee nördlich der Beaufort-See
spricht sich Rudmose (2) auf Grund einer Phasenverschiebung von ın der
Beaufort-See beobachteten Flutwellen aus. Er schreibt: “Yet the five hours’
relardation of the Eidal wave in reaching Point Barrow, Alaska, from the north,
compared witk its time of arrıyal at the De Long Islands, nortkwest of the New
Siberian. Islands, indieates Ihe possihility of sinall telands in the Beaufort Sea or
more probably merely the ezistence of shallor water,” Demgegenüber wider.
sprechen die von J. E, Fjeldstad bearbeiteten Ergebnisse der von der nor-
wegischen Nordpolar-Expedition auf der „Maud“ 1918 bis 1925 erhaltenen Gezeiten-
aufzeichnungen im Gebiete des nordsibirischen Schelfes der Auffassung, daß im
Polargebiet noch ein größeres unbekanntes Land bzw. ein entsprechender Schelf
vorhanden sei; vol, Defant (13).
Messungen der Meerestiefe im Gebiete S von Bild 1 würden nicht nur eine
allgemeine Bereicherung unserer geographischen Kenntnisse bedeuten, sondern
darüber hinaus in hohem Maße geeignet sein, eine Entscheidung für oder wider
die von mir aufgestellte Krustensprengungshypothese, also ein allmähliches
Wachsen des Erdballs, herbeizuführen,
Während der Drucklegung stieß ich noch auf die Veröffentlichung von
Stefänsson (u), in der W.L. G, Joerg in einer Karte die ungefähre Lage des
nach dem Kapitän eines Walfängers benannten, mutmaßlichen Keenan-Landes
anter 781° nördlicher Breite und ziemlich unbestimmter Länge angibt. Nach
Bild 1 würde als Länge etwa 140° W in Frage kommen, Joerg (14) weist auch
auf die Arbeiten von Harris (13) (16) (17) (18) hin, der ebenso wie Rudmose
noch Land oder Flachmeer im Polarbecken vermutet, Allerdings gibt Harris,
der seine Vermutung unter Berücksichtigung der Trift der „Jeannette“ und der
„Fram“ vorwiegend auf Beobachtungen von Gezeitenwellen stützt, als Nordwest-
ecke des mutmaßlichen Landes oder Schelfgebietes 82° Nord/150° Ost an, während
unabhängig davon nach Bild 1 auf Grund der Krustensprengungshypothese
82° Nord/170° West gefordert wird. Der Unterschied von rund 500 km wird
vielleicht dadurch gemildert, daß zwischen dem mutmaßlichen Schelfgebiet nach
Bild 1 und den Parry-Inseln, entsprechend der Ansicht von Harris, eine Straße
tiefen Wassers besteht,
Schrifttum,
1. Th, Stocks, Ann. d, Hrydr, 67, 1—13, Abb, S, 1939,
2, Sir Hubert Wilkins, The Nat. Geogr. Mag, 74, 141—172, 1938,
3. 0.C. Hilgenberg, Vom wachsenden Erdball, Berlin 19833,
4. 0, C, Hilgenberg, Zischr, f, Geomorph, 10, 121—136, 1938,
3. 0.0, Hilgenberg, Über Strämungsrersuche mit Senken und Quellen, die das Wesen der Schwrer-
kraft grundlegend erklären, Berlin 1939,
8. 0. €. Hilgenberg, Gerl, Beitr, z. Geophre. 42, 409—412, 1034.
7. J. Keind], Zischr. f, Geomorph. 9, 100179, 1936 und 41, 1—8, 1939,
3, H. Frebold, Geologie von Spitzbergen, der Bäreninsel, des König-Karl- und Franz-Joseph-Landes,
Geologie der Erde, Herausg, E, Krenkel, Berlin 1935, Tatel 4.
3. F. M. Soule, The Nautilus expedition 1921, Papers in pbys, Oceanography and Meteorology,
Mn a mac hrschts Inst, of Techn, and Woods Holc oceanogr. Inst, 2, 03-—76, Cambridge,
Mass, EA
0. E. Dacaue. Die Erdzeitalter, München und Berlin 1930, Seite 497, Abb. 382.