accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 67, 1939

560 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1939. 
Wichtig ist dagegen zu wissen, wielange nach Überfliegen des Zieles und auf welchem 
Kurs geradlinig abgeflogen (Abflugkurs) wird und wielange man sich auf der 
Kurve zu bewegen hat, Besonderes Interesse haben diese Werte, wenn der Wind 
in Rechnung zu setzen ist, weil sie dann weniger übersichtlich sind. Unbekannter 
Windeinfluß wird in der Praxis meist dadurch ausgeglichen, daß man beim Anflug 
sich den geeigneten Luvywinkel ausprobiert, und benützt dazu die verhältnismäßig 
lange Anflugzeit von 7 min, Besser wäre es, übersichtlich die Zahlenwerte vor sich 
zu haben, um sofort richtig in die Anflugsrichtung hineinzukommen und das 
Probieren zu vermeiden, das an die Aufmerksamkeit des Flugzeugführers große 
Ansprüche stellt, 
Im folgenden seien folgende Bezeichnungen gewählt: x® = Anflugrichtung 
(Schneisenrichtung), w = Windrichtung gegen Schneisenrichtung (also x -+ w == geo- 
graphische Windrichtung), W == Verhältnis der Windgeschwindigkeit w zur Eigen- 
geschwindigkeit e des Flugzeuges, T, — Flugzeit auf dem Abfiugkurs, T, = Flug- 
zeit in der Kurve, T, = 7 = 420% = Flugzeit auf dem Anflugkurs, T = Flugzeit 
auf dem Vollkreis der Kurve bei der Drehgeschwindigkeit 2 /sec, also == 180s, 
Der Radius der Kurve ist dann bei gegebener Eigengeschwindigkeit e eines 
Flugzeuges v= 37 eine Konstante, ebenso der Anflugweg = eT, (Abb. 1), Der 
Winkel x zwischen Anflug- und Abflugrichtung berechnet sich dann zu tang 5 
= Fr , woraus = 7° 48.1‘, Der AbfÄlugkurs ist dann x” + 180° + @&. Aus Abb. 1 
ergibt sich dann für die Kurvenflugzeit die Gleichung 2° T, = 180° + @, oder 
Tz = 90° + 5 =— 93.99 = 1,57 
Abb. 2 zeigt die Verhältnisse, wenn durch Windeinfluß die einzelnen Punkte 
des Flugweges ABCZ unter Beibehaltung der eben errechneten Flugzeiten nach 
den Punkten AB’ CZ‘ versetzt werden. Der Winkel zwischen AB und AB’, 
sowie zwischen CA und C€’Z’ sind die reinen Abiriften auf den jeweiligen 
Kursen. Der Kreisbogen BC geht in ein Kurvenstück B’C’ einer Cyeloide 
(Rollkurve) über (vgl. Nautsch, Luftfahrtforschung, Bd, 16, 1939, S, 148 bis 156). 
Diese Cyeloide hängt der Form nach lediglich von dem Verhältnis W_ der Wind- 
geschwindigkeit zur Flugzeugeigengeschwindigkeit und der Lage nach von der 
Windrichtung ab. 
Immerhin ist zu sagen, daß mit einer solchen Kurve schlecht zu arbeiten 
ist, weil es schwer ist, ihre Form und Lage, die mit der Geschwindigkeit wechselt, 
in das geometrische Problem einzuschalten, während der Kreis eine immer leicht 
zu übersehende Gestalt hat, Man kommt aber über diese Schwieriykeit hinweg, 
wenn man den gesamten Blindlandevorgang in seinem eigenen Element, nämlich 
in der Luft, auch gedanklich verfolgt und die Verhältnisse nicht nur in der Pro- 
jektion auf den Erdboden sieht, In der Luft bleibt der Kurvenflug ein Kreis- 
Mug, und die gegenseitigen Lagenbeziehungen bleiben erhalten, ob man die Wind- 
versetzung auf den Anfangspunkt und die sämtlichen Punkte des Flugweges 
erstreckt, oder den Erdboden in entgegensetzter Richtung, also insbesondere das 
Ziel Z gegen den Anfangspunkt A, hindurchzieht. An die Stelle der Grundkurse 
treten die Windkurse, die ja für den Flugzeuglührer bei Durchführung des Blind- 
Auges viel wichtiger sind, weil er dauernd den Kompaß vor sich zu Rate zu 
ziehen hat. Außerdem kann er dann gedanklich ohne weiteres mit seiner gleich- 
bleibenden Eigengeschwindigkeit arbeiten und ist unabhängig von der ideellen 
Vorstellung der immer veränderten Grundgeschwindigkeiten, 
In Abb. 3 bedeutet nun AZ’ den Windweg in der Summe der drei Zeiten 
T, + Tz + T,. Der Winkel zwischen Anflugwindkurs und Sechneisenrichtung ist 
der Luvwinkel beim Anflug, der sich aus der bekannten Schneisenrichtung und 
den gegebenen Windverhältnissen berechnen läßt, Ferner ist die Strecke CZ’ 
5ekannt, da sie sich aus der Eigengeschwindigkeit und der vorgeschriebenen 
Anflugszeit T; = 7m berechnen läßt. Endlich kennt man auch den Kreisradius 
der Kurve, der ja aus der Drehgeschwindigkeit von 2‘ /sec und der KEigen- 
veschwindigkeit fest vorliegt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.