558 Annalen der Hydrographie and Maritimen Meteorologie, Dezember 1938,
Unter Berücksichtigung aller Einschränkungen kann der mittlere vertikale
Austauschestrom der Kerne zu einem Betrag der Größenordnung von 1} n/cm* sec
abgeschätzt werden, Auf diesen Wert gehen wir abschließend nochmals ein, Im
Rahmen unserer Betrachtung kernvernichtender Vorgänge ist nur zu sagen, daß
jer Vertikalaustausch weder als kernvernichtend noch als -erzeugend angesehen
werden darf, sondern nur im Sinne einer Ausgleichung etwa vorhandener verti-
xaler Unterschiede wirkt. S’ kommt hier nur deswegen in Betracht, weil durch
den Austausch die Kernvernichtung 5. infolge der Fallbewegung der Teile weit-
zehend aufgehoben wird. Höchstens in allergeringster Höhe kann S, Bedeutung
besitzen. Wir iragen dem Rechnung, indem wir schreiben:
Sp = — (1 n/em* s00.
Als weiterer Vorgang der Kernvernichtang kommt Kondensation und Nieder-
schlagsbildung in Frage, Die mittlere Regenhöhe auf der Erde beträgt nach (©)
rund 70 cm je Jahr. Dies entspricht einer mittleren Regenintensität von
2:10 g/cm?sec, da 1 Jahr = 8.2 - 107sec, Die häufigste Größe der Regentropfen
beträgt nach (16) rund 10—g. Es fallen somit im Mittel 2-10—* Regentropfen
je em® und sec zur Erde hernieder, Unterschiede zwischen den verschiedenen
Regenarten der Tropen und der höheren Breiten können nicht berücksichtigt
werden. Es ist anzunehmen, daß keineswegs jeder Tropfen nur aus einem Kon-
Adensationskern entsteht, da z. B. die mittlere Größe der Wolkenelemente mit
einem Radius unterhalb von 10% einem Gewicht von 10—*g entspricht, vgl.
z. B. (1), Für das Wachsen der Tropfen sind in erster Linie thermodynamische
Vorgänge maßgeblich, daneben tritt Koagulation auf. Wieviele Kerne im End-
sffekt ein Regentropfen enthält, Jäßt sich für den Durchschnitt sehr schwer sagen,
Wir nehmen an, daß die häufigste Regentropfengröße rund 16* Kondensations-
elemente enthalte. Die effektive Kernvernichtung ergibt sich dann zu:
Sy = — 0.2 n/em? see,
Weitere kernvernichtende Vorgänge, z. B. durch Koagulation von Kernen, bevor
es zur Kondensation kommt, lassen sich in ihrer Wirksamkeit heute noch nicht
abschätzen. Wir fassen die Wirksamkeit dieser Vorgänge in dem Ausdruck 5.
zusammen, Der Passivposten unserer Bilanz, S_, ist also sehr unsicher, Wir
können nur folgende Einzelwerte anführen:
8 = Spt Sy Sy
ol — ya 03 y nfemtsec,
V, Bilanz und Schlußbemerkungen. Vergleichen wir die kernerzeugenden
mit den kernvernichtenden Vorgängen, so erhalten wir:
8 =104x% n/cm?sec
S =—03—y n/emsee,
Von der Größe x nahmen wir an, daß ihr Zahlenwert nicht ins Gewicht fällt.
Es liegt die Vermutung nahe, daß nach Abzug der anthropogenen Kernerzeugung
die Bilanz ausgeglichen sein wird. Da S, zu 0.2 anzusetzen War, ergiht sich
für die Größe y ein Betrag von — 0,5 n/cm*sec, Unter der Voraussetzung, daß
die Kernvernichtung durch Niederschlagsbildung richtig abgesechätzt worden ist,
würde diejenige durch Koagulation bzw. unbekannter Art den größten Posten
darstellen. Aus diesem Befund ergibt sich ein Anreiz zu neuen Untersuchungen,
Für die geringe Bedeutung der Größe x läßt sich noch anführen, daß wir
den aufwärtsgerichteten Austausch-Kernstrom S’ zu 1 n/cm*®* sec abschätzen
konnten; da nämlich, abgesehen von der Vulkantätigkeit, alle kernerzeugenden
Vorgänge vom Erdboden ausgingen, muß ihr Gesamtbetrag den die Atmosphäre
von unten nach oben durchsetzenden Austauschsirom ergeben. Dies ist tatsäch-
lich der Fall, S’ stimmt bis auf 10% mit 5, —S_ —5, überein,
Es soll abschließend nochmals betont werden, daß alle Posten der Bilanz
durchaus nicht als einwandfrei angesehen werden dürfen, Keiner der mitgeteilten
Zahlenwerte besitzt Anspruch auf objektive Richtigkeit; es liegt ein starkes sub-
jektives Moment in den durchgeführten Betrachtungen. Eine wissenschaftliche
Untersuchung verlangt die Gegenüberstellung von These und Antithese, Nur die