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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 67 (1939)

Lettau, H,: Versuch einer Bilanz im Kondensationskern-Haushalt der Troposphäre usw. 557 
und Sekunde erzeugt wird. In Anbetracht der unsicheren Grundlage darf diese 
Angabe natürlich nicht als streng gültig angesehen werden, sie läßt nur die 
Größenordnung erkennen. Im Jahr ergibt sich danach für die gesamte Erd- 
oberfläche der Betrag von 1.5 10% n. Da die vorhandene Gesamtzahl aller Kerne 
nach Kapitel II sich zu 10% n ergibt, würde bei Nichtvorhandensein von kern- 
vernichtenden Vorgängen die Gesamtkernzahl sich in etwa 7 Jahren verdoppeln. 
Dieser Zeitraum fällt erstaunlich kurz aus. Sehr wesentlich ist, daß für die 
anthropogene Kernerzeugung immerhin 20% der Gesamterzeugung angesetzt 
werden kann, während nach unseren Darlegungen die Gesamterzeugung durch 
sämtliche Verbrennungsvorgänge 70% ausmacht (vgl. hierzu die Bemerkung 
Findeisens, zitiert auf S. 553). Zweifellos ist in den letzten Jahrzehnten der 
Gesamtkerngehalt der Troposphäre gestiegen infolge der Ausdehnung von Siede- 
lung und Industriealisierung. Leider werden genauere Untersuchungsgrundlagen 
hierzu unter Einbeziehung weiter Teile der Erdoberfläche erst nach Jahrzehnten 
zur Verfügung stehen. Bisher gibt es nur indirekte Grundlagen. So liegen z. B. 
zweifellos Beziehungen zu der feststehenden Tatsache vor, daß die Nebeltage in 
manchen Großstädten unangenehmer und häufiger geworden sind, wie u.a. in 
London, vgl. (10). 
IV. Die kernvernichtenden Vorgänge, Während in der Literatur die kern- 
erzeugenden Vorgänge häufiger behandelt wurden, findet man so gut wie keine 
eingehende Untersuchung kernvernichtender Vorgänge, Wir führen als solche 
an: 1. Absinkbewegung der Partikel im Schwerefeld der Erde. 2. Atmosphä- 
rische Niederschlagsbildung, 3. Koagulation von Kernen. — Weitere kernver- 
nichtende Vorgänge sind unbekannt, ohne daß dabei die Existenz solcher ge- 
leugnet werden kann. 
Als Fallgeschwindigkeit der Kerne wird nach (10) ein Wert von 6= 7,5 
10 em/sec angegeben infolge des sehr geringen mittleren Gewichtes der Teile 
von 106 g, Legen wir einen mittleren Gehalt der Bodenluft von so= 10® bis 
10* n/cm* zugrunde, so folgt daraus für die Kernvernichtung auf dem Wege der 
Absinkbewegung zum Boden hin ein Betrag von Spy==6 8, bzw.: 
Srp=-—0.1 bis — 1.0 n/em®*sec, 
Diese Zahl ist jedoch zweifellos zu groß. Sie würde nur in ruhender Atmosphäre 
gelten. Der vertikale Luftmassenaustausch bedingt im Mittel einen aufwärts ge- 
richteten Strom von Kernen, der sich nach der Grundformel der Austausch- 
lehre ergibt zu: 
N n/cm* sec, 
Nach W. Schmidt kann man den Austauschkoeffizienten zu A =— 50 g/cm see für 
Überschlagsrechnungen ansetzen (22). Aus Tafel 1 erhält man in der freien 
Atmosphäre (oberhalb 1 km) für ös/0z= 0.01 n/cm*. Mit 0 = 10-3 g/em* errechnet 
man somit S’ zu 500 n/cm* sec, vgl. (22), S. 62. Hierbei ist zu bedenken, daß die 
aerologischen Werte der Tafel 1 fast ausschließlich bei Freiballonfahrten ge- 
wonnen wurden, die bevorzugt bei antizyklonaler, stabiler Wetterlage und bei 
Vorhandensein von Sperrschichten stattfanden. Danach muß S’ zu groß aus- 
fallen, Setzt man unter Berücksichtigung dieses Umstandes niedrigere Werte 
für A und ös/0z ein, so wird trotzdem dieses S’ nicht repräsentativ für die 
mittlere Erdoberfläche sein. Wie wir den vorhergegangenen Abschnitten ent- 
nehmen, geschahen sämtliche in Tafel 1 zusammengefaßten aerologischen Auf- 
stiege in Kern-Erzeugungsgebieten, Die vertikale Anordnung der Kernzahlen 
steht hier keineswegs im „Austauschgleichgewicht“. Zeitliche Änderungen des 
Kerngehaltes in der Höhe treten im Gefolge der Austauschströme ein. Hierzu 
wurde die Bestätigung durch unmittelbare Beobachtungen geliefert (1). — Die 
Bodenwerte des Kerngehaltes über den Ozeanen entsprechen mit weniger als 
L0® n/ecm*® nach Tafel 1 den Werten in 2 bis 3 km Höhe. Über den Ozeanen 
wird demnach $S' praktisch verschwinden, vielleicht sogar an bestimmten Stellen 
(bei ablandiger Strömung) sein Vorzeichen umkehren. Geringere Werte für S’ 
sind auch über dem Festland in nicht besiedelten Gebieten zu erwarten.
	        
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